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Tourtagebuch

15.11.13 Halle/Saale, Wohnzimmerkonzert

Zwei liebe Menschen, die mal in Leipzig eines meiner Konzerte besuchten, haben mich eingeladen, bei Ihnen ein Wohnzimmerkonzert zu spielen.
Ich bin zeitig in der Stadt. Es ist arschkalt. Ich finde einen schönen, gemütlichen Laden, in dem ich was lesen und mir eine Soljanka bestellen kann. Anschließend sehe ich mir die Altstadt an und auf der Flucht vor der Kälte finde ich mich in einem Eiscafé wieder, wo man sich bei - na, klar! - einem Eisbecher so herrlich aufwärmen kann. Einen Kakao bestelle ich hinterher.
Am frühen Abend klingel ich bei meinen Gastgebern. Beide Töchter sind zu Besuch. Von der einen werde ich mit den Worten begrüßt: "Ach du bist das! Dich hab ich doch eben unten im Auto schon schlafen sehen!" Ich hatte tatsächlich im Auto noch etwa eine halbe Stunde lang die Augen zugemacht. Gemeinsam essen wir lecker zu Abend und es werden Geschichten ausgetauscht. Ich bekomme ein Geschenk, sehr persönlich, sehr schön.
Viele Leute sind eingeladen, das Wohnzimmer wird rappelvoll. Es macht riesig Spaß. Nach dem Konzert steht der Großteil der Leute - wie sollte es anders sein? - in der Küche. Es wird noch lange erzählt. Ich lerne Tom kennen, der in Sachen DDR-Musik einiges Stories zu liefern hat. Wir tauschen Nummern aus und verabreden uns für das kommende Jahr.
Man bietet mir wiederholt eine übernachtung an, aber wie so oft fahre ich, da es der letzte Abend der Tour ist, nachts noch nach Hause. Es ist spät. Ein oder zwei Uhr. Etwa drei Stunden Fahrt hab ich vor mir. Am frühen Morgen hab ich's geschafft. Das war's. Weiter geht's im nächsten Jahr.

14.11.13 Gera, Sächsischer Bahnhof

Von der Autobahn aus ruf ich die Pension an, in der vom Veranstalter für mich ein Zimmer reserviert wurde. Wir hatten gestern verabredet, dass ich mich von unterwegs melde und Bescheid gebe, wann genau ich dort aufschlage. Die Dame meldet sich - hörbar hektisch und nervös - und antwortet mir, dass das Zimmer noch nicht frei ist. Ich verstehe nicht ganz und frage nach. Ja, das Zimmer ist noch nicht frei. Die Bauarbeiter sind noch immer da, also in dem Zimmer und auf die Frage der Betreiberin, warum sie denn noch immer dort sind, antworten diese ihr, dass sie heute Abend gehen werden, wenn sie zur Nachtschicht müssen. Ich glaube, dass ich mich verhört und etwas nicht richtig verstanden habe, frage noch einmal nach, bekomme aber die gleiche Antwort. Und nach der Nachtschicht, also morgens, da kommen die Arbeiter nicht wieder? Richtig, dann sind die weg. Ich könne aber nachher vor dem Konzert den Zweitschlüssel bekommen und dann nachts damit ganz sicher in das frisch aufgeräumte und von Bauarbeitern befreite Zimmer. Ich habe das Gefühl, dass ich immer schwerer vorankomme, dass das Auto immer langsamer wird, denn augenblicklich schleppe ich ein riesiges Fragezeichen mit mir rum. Wir legen auf.
Gera ist nicht mehr weit und ich lasse es mal wieder darauf ankommen. Fast schon zu einem Hobby von mir ist es geworden, dass ich - sofern es sich anbietet - die Tankfüllung bis auf den letzten Tropfen leerfahre und dabei aufgrund meiner Berechnungen davon ausgehe, dass ich es gerade so bis in die nächste Stadt schaffe, wo die rettende Tankstelle winkt. Warum sollte man dann also für viel Geld schon an der Autobahn tanken?
Heute bin ich kurz davor, damit mal so richtig auf die Schnauze zu fallen. Von der Autobahn kommend fahre ich abends nach Gera rein in der Annahme, dass, wenn auch nicht gleich am Ortseingang, sich dann doch spätestens im Zentrum eine oder sogar mehrere Tankstellen befinden. Aber noch ist nichts zu sehen und meine Anzeige steht beim Einrollen in die Stadt bereits auf Null, eigentlich auf minus Null. Vor dem Konzert will ich noch den Schlüssel aus der Pension holen und in dem Wohnviertel, durch welches ich nun fahre, sieht schon mal gar nichts nach Tankstelle aus.
Als ich im Hinterhof der Pension stehe, höre ich aus der scheinbar nicht mehr genutzten, aber dazugehörigen Gaststätte einen Streit zwischen zwei Frauen. Ich komme näher, man bemerkt mich, ich grüße, man beachtet mich aber nicht, sondern streitet weiter. Brüllt sich die Brocken nur so hin und her. Ich komme mir vor wie in einem Film, wie in einer seltsamen Komödie. Als die Damen sich beruhigt haben oder besser gesagt, als eine von ihnen wütend die Szene verlässt, wendet sich die andere an mich und bestätigt mir, dass die Bauarbeiter noch immer nicht raus aus dem Zimmer sind, aber wenn ich nachher in der Nacht wiederkäme, dann wäre alles in Ordnung. Was soll ich darauf antworten? Ich nehme den Schlüssel und mach mich auf den Weg zum Auto, nun zwar noch nicht mit dem Panik-P, aber doch zumindest mit dem Warum-Ich?-W über dem Kopf.
Am Sächsischen Bahnhof, der genau ein solcher einmal war, werde ich herzlich empfangen und mir wird sogleich die Frage gestellt, ob ich schon bei der Pension gewesen wäre. Auf mein Ja und einer kurzen Bemerkung zu dem dort Erlebten antwortet man mir: "Dort schläfst du nicht. Wir haben dir woanders ein Zimmer gebucht. Gib mal den Schlüssel her! Ich bring den wieder weg. Dort musst du nicht noch mal hin." Scheinbar sind die dortigen nicht mehr ganz so zuverlässigen Dienste auch schon bis hierher durchgedrungen. Mir soll's recht sein. Ehrlich gesagt bin ich ziemlich erleichtert. Bleibt nur noch die Frage nach der nächsten Tanke. Mir wird der kürzeste Weg erklärt und bevor dort eventuell nachher nicht mehr geöffnet ist, dreh ich mit eigentlich schon überleerem Tank noch mal eine bange Runde durch die Stadt bzw. fast schon wieder raus aus dieser. Jetzt hier auf dieser Schnellstraße bitte nicht liegenbleiben! Am Ende wird alles gut.
Während wir den Sound checken, mein Gegenüber am Mischpult trägt den gleichen Vornamen wie ich, räumen die anderen ein paar Sessel, Couchen, Stühle und Tische in den Raum vor die Bühne. Spontan wird noch ein Bild an die Bühnenrückwand genagelt und für mich sieht das alles ganz gut aus hier. Nur den Zigarettenrauch, der sich reichlich über den ganzen Raum zu legen scheint, den will ich spätestens nachher hier nicht mehr haben.
Hinten in der Küche essen wir Brot mit Käse und mir wird erzählt, wie schwierig es scheinbar hier in der Stadt ist, die Leute für Kultur zu begeistern abseits von Schlager- und Bummbumm-Disco. Das ist ja mancherorts schwierig, aber hier scheinbar ganz besonders. Die Schilderungen hören sich mir gegenüber fast entschuldigend an, als gehe man bereits davon aus, dass heute Abend niemand kommen wird, und so langsam glaube ich das auch.
Viel ist dann wirklich nicht los, aber trotzdem, auch wenn es schwierig ist, macht das Spielen auf der Bühne Spass. Ich muss zwar die Typen auf dem Sofa bitten, hier vor der Bühne nicht zu rauchen und ihr lautes Gequatsche geht mir auch ziemlich auf die Nerven, aber ansonsten passiert nichts besonderes. Reicht ja auch. Und leider erst nach dem Konzert, je später der Abend wurde, fühl ich mich immer wohler hier. Mir wird noch von diesem und jenem vorgeschwärmt, wie es zukünftig hier im Bahnhof aussehen könnte und mit was man die Leute locken könnte, zusammen mit Ronny, dem Mischer, der seine Gitarre dabei hat, singen wir noch den einen oder anderen Evergreen aus den Gitarrenlehrbüchern dieser Welt, es werden wiederholt spontan Bilder an den Wänden aufgehängt und irgendwann ist dann auch dieser Abend zu Ende. Man eskortiert mich noch bis zur Schlafstätte, die etwas auswärts liegt und dann ist das alles schon wieder Geschichte.
Auf dem Empfangstresen des Hotels liegt ein Stift und ein Zettel mit zwei Worten: "Frühstück wann?". Ich antworte ebenso knapp, füge aber noch ein Danke hinzu und erblicke dann an einer Tür mit der Beschriftung "Küche" unter eben diesem Wort ein Schild mit einem Adler und den Worten "Deutsches Schutzgebiet". Ich hab überhaupt kein gutes Gefühl, als ich das lesen muss. Ich geh die Treppen hoch und will schnell einschlafen.
Als ich morgens am Fenster den Vorhang zur Seite schiebe, bietet sich mir ein Bild, welches ich aus einer Zeit vor 25 Jahren abgespeichert habe. An einem Bäcker stehen die Leute draußen an und immer wenn ein Kunde den Laden verlässt, kann ein anderer hinein. Hier ist es höchstwahrscheinlich dem überaus kleinen Ladenlokal geschuldet. Damals in meiner Heimat in der DDR warteten in unserer Strasse die Leute in einer Schlange jeden Tag darauf, dass der Bäcker nach der Mittagspause wieder seinen Laden öffnete. Ein alter Klassenkollege von mir musste dort regelmässig anstehen, um ein Brot zu kaufen und nach Hause zu bringen.
Nach dem Frühstück will ich die Hotelbetreiber noch auf das Schild an der Küchentür ansprechen, aber eine Besprechung, in der diese sich augenscheinlich befinden, hält mich davon ab. Mit einem seltsamen Gefühl verlasse ich das Haus. Am Bäcker stehen noch immer Leute draußen. Als ich vorbeifahre, muss ich lachen. Es ist kalt.

13.11.13 Berlin, Kaffee Burger

Es ist mein zweiter Besuch in diesem Haus, welches die meissten wohl durch Wladimir Kaminers Russendisko kennen. Vor der Tür treffen immer mehr mir bekannte Gesichter ein, alte Freunde und neue Bekannte. Ich lass mich gern von diesen ablenken und meine Nervosität verfliegt in der kalten Berliner Nachtluft.
Die Leute hier vom Kaffee Burger gehören zu den guten. Das hab ich schon bei meinem ersten Besuch gemerkt und auch heute fühl ich mich wohl hier.
Bei "Sonnenschein" muss ich mich für Sekunden mit dem Rücken zum Publikum drehen, da ich mir das Lachen kaum verkneifen kann. Gerade hat sich eine Dame an ihrem Tisch in ganz großem Stil derbe übergeben. Tage später bekomme ich von Ihr eine Entschuldigungs-E-Mail mit der Erkenntnis, dass Alkohol und Tabletten sich manchmal nicht all zu sehr vertragen.
In die Ansage zu "Letzte Bahn" baue ich manchmal eine Winnetou-Geschichte aus meiner Kindheit ein, in der ich unter anderem erzähle, dass ich diese Filme früher fast wöchentlich im Kino sah. Nach dem Konzert kommt ein alter Ostberliner zu mir, der streng bestreitet, dass die Winnetou-Filme im DDR-Kino liefen. Als ich Tage später wieder zuhause bin, begebe ich mich auf die Suche im Internet. Ich hatte Recht und meine Erinnerung hatte mich nicht getäuscht. Einzelne Winnetou-Filme liefen in den Kinos der DDR. Meine Güte, wie oft bin ich sechs- oder achtjährig nach den Filmen völlig energiegeladen aus der Schauburg in Güstrow mit meinem unsichtbaren Pferd nach Hause "geritten"? Wäre ja auch schade gewesen, wenn ich seit zwei Jahren den Leuten auf der Bühne totalen Blödsinn erzähle.

09.11.13 Greifswald, Café Koeppen

In Mecklenburg bin ich aufgewachsen, habe meine Kindheit in den 80ern in der DDR verbracht. Meine Omas und mein Opa wohnen noch dort, so verbringe ich heute also zwischen Hamburg und Greifswald ein paar Stunden mittag- und kuchenessend in Güstrow.
Als ich abends im Café Koeppen durch die Tür gehe, wird mir relativ schnell klar, dass das ein guter Abend wird. Ich kann es natürlich nicht wissen, aber ich habe ein absolut schönes Gefühl. Ein guter Laden und gute Menschen hier. Eine kleine Bühne ist aufgebaut, das Café wird komplett bestuhlt. Gute Musik läuft im Hintergrund. Eine Treppe höher steht etwas Essen bereit.
Während Lasse Huckfeldt seine Lieder spielt, stehe ich an der Theke, lasse mir feinstes Nougat anbieten und freu mich, dass der Laden voll bis in alle Ecken ist.
Mit "Finding you" von den Go-Betweens im Ohr geh ich danach noch einmal für 2-3 Minuten die Treppe nach oben, singe das Lied vor mich hin, zwitscher mich ein wenig warm und werde dann auch schon gerufen. Es kann losgehen.
Das Konzert fühlt sich gut an. Ich erzähle viel, fast schon zu viel. Ist aber ein gutes Zeichen, dann fühl ich mich wohl hier. Als ich kurz vor Schluss irgendwas von "heute" erzähle, sagt jemand: "Wir haben schon morgen, es ist nach Mitternacht." Ich habe scheinbar über 2 Stunden gespielt, was mir überhaupt nicht bewusst war. Vielleicht tatsächlich bisschen viel erzählt heute. Ich streiche demnächst mal 2-3 Lieder aus dem Programm. Dann quält sich die junge Lady in der ersten Reihe auch nicht so, nachdem sie heute früh bereits um 6 Uhr aufgestanden ist, wie man mir sagte.
Als alles abgebaut ist, sitzen wir bis 2 Uhr noch im Café, erzählen uns Geschichten und von dort geht's weiter bis 6:30 Uhr in die wahrscheinlich beste Kneipe der Stadt mit absolut grossartiger, alter Musik. Einzig das Gerauche geht mir auf'n Keks hier. Würde ich morgen spielen, wäre ich längst hier raus, aber ich hab 3 Tage frei und halte es somit ausnahmsweise mal aus.
Um 7 Uhr lieg ich im Bett, muss aber eine gute Stunde später schon wieder aufstehen, da es pünktlich Frühstück gibt und man hier zeitig sein Zimmer räumen muss. Alles nicht so einfach mit Rock and Roll.

08.11.13 Hamburg, Nochtspeicher

Der Nochtspeicher wurde grad vor ein oder zwei Monaten neu eröffnet, liegt parallel zwischen Reeperbahn und Elbe und ein wenig versteckt in zweiter Reihe. Die meissten Leute in Hamburg, denen ich vorher davon erzählte, kannten den Laden noch gar nicht. Bin gespannt, wie's wird.
Auf jeden Fall sieht die Bude cool aus, ist weniger ein Club, viel mehr ein Raum für jede Art von Kultur, viel Holz, große, dicke Balken tragen das, was hier aktuell neben Konzerten und Tangoabenden noch stattfindet: eine Fotoausstellung von Stefan Malzkorn. Somit verbringe ich also den Abend zwischen riesigen Bildern der letzten Jahre Rockmusik. Das geht von Iggy Pop und Garbage, über Udo Lindenberg und Jan Delay bis hin zu den Flaming Lips und Lenny Kravitz. Alles ganz schön bunt hier.
Soundcheck klappt gut. Der Raum hat auf und vor der Bühne einen unheimlich tollen Klang, was mir auch nach dem Konzert einige Leute bestätigen werden. Dieser Abend gleicht so etwas wie einem Familienfest. So fühlt es sich an, da einige Freunde den Weg hierhin gefunden haben. Mehr, als sonst. So kommt's mir vor. Freut mich.
Wenn Konzerte in Städten wie Hamburg auch immer schwierig sind, da sich der hier wohnhafte Konsument einer Vielzahl von täglichen Kulturangeboten gegenüberstehen sieht, so wird dieser Abend heute aufgrund der vielen mir bekannten Gesichter zu einem sehr schönen und sich für knappe 2 Stunden sehr gut anfühlenden. Ich wünsche mir, dass ich irgendwann mal mit meiner Band hier spielen kann.
Als nachher alles wieder zusammengepackt ist, will ich noch mal runter an's Wasser. Dort fahr ich den Motor in aller Ruhe wieder runter, bevor es zurück zum Hotel geht. Dieses liegt direkt auf der Reeperbahn und beherbergt im Erdgeschoss eine Kneipe, in der heute am Freitag natürlich die Party abgeht. Mein Zimmer ist ganz oben unter'm Dach in der fünften oder sechsten Etage, aber die Schlagermusik dringt auch noch bis in diese letzte Ecke durch. Ich bin müde genug und schlafe ein, höre aber, als ich morgens um 5 Uhr einmal wach werde, von unten noch immer das Gewummer.

07.11.13 Kiel, Adiposa e.V.

Im Dunkeln erkenne ich keine Hausnummern an den Häusern und mein Navi ist scheinbar mit mir am Ziel, daher biege ich rechts auf den Parkplatz vom Supermarkt. Irgendwo hier muss es sein. Das Adiposa e.V. Vereinsheim, in das ich eingeladen bin. Von außen kann ich nichts erkennen, also frage ich im Supermarkt. Die Damen an der Info haben noch nie was von dem Verein gehört. Ich muss hier falsch sein und fahre wieder los bzw. blinke 50 Meter weiter wieder rechts. Dort wartet man bereits und empfängt mich schon an der Straße.
Der Abend ist ausverkauft und der Raum nicht größer als ein Klassenzimmer. Da dieser schon komplett gefüllt ist, will ich auch gleich anfangen. Ein Getränk, einen kleinen Bissen, damit ich was im Magen habe und dann los.
Das Spezielle heute ist, dass es ein Konzert ohne PA ist, einfach so in den Raum gespielt und gesungen. Und mal so als Ausnahme gefällt mir das ganz gut. Ich möchte nicht jeden Abend so spielen, aber heute funktioniert das sehr schön. Eigentlich war der Abend ja als reines Wohnzimmerkonzert geplant, da man aber vor Ort davon ausging, dass sich recht viele Leute anmelden würden, hat man es hier in die Vereinsräume verlegt.
Die meissten Leute heute Abend sind also hier vom Verein, eine Handvoll nicht und von denen erkenne ich zwei Gesichter wieder, die vor einem Monat schon in Halle/Saale dabei waren. Schön! Freu mich drüber! Das hat dann oft einen Hauch von Vertrautem an diesen Tagen, an denen du allein durch die Gegend tingelst und dich immer wieder auf fremde, neue Dinge einstellen musst.
Da es hier also keine richtige Bühne und somit auch kein Bühnenlicht gibt, haben wir zwei Möglichkeiten: Saallicht an oder aus. Dazwischen gibt's nichts. Licht aus! Das mag ich lieber, hat aber den Nachteil, dass außer den Kerzen auf den Tischen nicht viel leuchtet und ich kaum was sehe. Als ich mich deshalb an der Gitarre vergreife und es mit meiner Art von Humor ausgleiche, kommt von einer Dame hinten links der Kommentar: "Wie unprofessionell!", was bei den anderen im Raum widerum für Kopfschütteln und Unverständnis ihr gegenüber sorgt. Keine Ahnung, ob diese Dame hier eine aalglatte, auf Hochglanz polierte Helene Fischer Show erwartet hat. Sollte mir aber auch egal sein. Etwas abgelenkt bin ich dann noch einmal, als eine Dame direkt vor mir in aller Ruhe und mit der Langsamkeit einer Rentnerschnecke ihr Bonbonpapier auswickelt und somit das gespielte Lied zur Hälfte mit Rascheln und Knistern begleitet. Trotzdem mag ich solche Momente - im Nachhinein. Zu meinem Vorteil werden mir schließlich noch ein paar Kerzen mehr vor die Nase gestellt. Jetzt kann das Ding richtig starten und es wird gut! Es macht viel Spaß und ich spiele ein relativ langes Konzert.
Nachdem sich die Gesellschaft einige Zeit nach dem Musizieren mehr oder weniger fast komplett aufgelöst hat, bleibt der harte Kern noch lange, lange beisammen. Ich koste noch von den mitgebrachten und selbstgemachten Salaten und den leckeren Hackbällchen, wir sitzen in kleiner Runde, lachen viel und ich lass mir so einiges erklären über Adipositas und mir bleibt manches Mal der Mund weit offen stehen, wenn mir von manch extremen Schwierigkeiten, aber auch von unglaublich tollen Erfolgen erzählt wird. Selbst als wir uns ganz am Ende draußen auf dem Parkplatz voneinander verabschieden wollen, wird das Austauschen von Geschichten in der ziemlich kalten Nacht noch mal um Ewigkeiten verlängert. Wir verabreden, dass ich von nun an zweimal im Jahr in Kiel spielen muss, einmal hier bei diesen lieben Leuten und einmal wie bisher in meinem Lieblingsstammladen bei Prinz Willy. Mal sehen, ob ich das hinbekomme.
Zurück im Hotel bin ich total platt. Eigentlich dreh ich um die Zeit gern noch mal eine Runde, aber heute wird das nichts. Nun genieß ich nur noch den kurzen Blick aus dem Fenster, wo ich das Wasser sehe, ein paar Schiffe und die Lichter der Stadt. Ich freu mich auf morgen, dann scheint die Sonne und das Wasser ist noch immer da.

10.10.13 Dresden, Galerie Drei

Dauerregen. Seit gestern. Die ganze Zeit. Ich parke vor der Galerie, in der ich heute spiele. Dort treffe ich Björn, der mich hierher eingeladen hat. In der Annahme, dass nach dem miesen Wetter heute nur noch schöne Dinge passieren, lasse ich mir von ihm erzählen, dass in der Künstlerwohnung über dem Ostpol, wo ich heute schlafen werde, grad noch jemand anderes wohnt, der letzte Woche aus seiner Wohnung raus musste. Ob es mir was ausmache, mit ihm die Bleibe zu teilen. Ich überlege kurz, ob ich lachen oder mich wundern will und lasse dann beides. Ist ok. Ich bin ja morgen früh wieder weg.
Bis zum Soundcheck ist noch Zeit. Will mir das Viertel ansehen. Ich kenne ein paar Straßen hier, nachdem ich mir vor einem Jahr mal privat diese schöne Stadt angesehen habe, damals übrigens bei strahlendem Sonnenschein. Da ich noch was essen muss, rette ich mich in einen Asia-Imbiss. Mir schmeckt's, aber den Geruch in den Klamotten werde ich wahrscheinlich den ganzen Abend nicht mehr los. Es sei denn, der Regen wäscht ihn fort.
In der Galerie kommen wir fast komplett ohne Anlage aus. Der Raum ist so gebaut, dass die Töne hier ganz wunderbar fast wie von selbst durch das Gemäuer getragen werden. Und es darf vorweggenommen werden, dass ich dieses Konzert sehr genießen konnte. Die Leute gaben während der Lieder keinen Mucks von sich und beschenkten mich zwischen diesen mit umso herzlicherem Applaus.
Da der Raum klein und relativ hell ist, kann ich beim Spielen in jedes Gesicht sehen, was widerum weniger bei mir, als viel mehr bei den Zuschauern zu leicht unangenehmen Augenblicken - das ist wörtlich zu nehmen - führen kann. Ich merke das manchmal, wenn ich beim Singen mal eine Sekunde länger in ein Gesicht sehe - irgendwo muss ich ja hinsehen, wenn ich nicht die Augen verschließe - dass die jenigen dann oft ihren Blick zu Boden richten. Gerade bei Konzerten in solch kleinen Rahmen kann durchaus so etwas wie Intimität entstehen. Hier und heute hab ich bei einem solcher Augenblicke von der hübschen Lady hinten links einen so was von filmreifen Augenaufschlag zurückbekommen, dass ich kurz davor war, meinen Text zu vergessen. Darüber muss ich dann fast schon wieder lachen.
Nachdem hier alles vorbei und eingepackt ist, fahren wir rüber in's Ostpol, wo das komplette Inventar inklusive der Künstlerwohnung, in der ich nächtige, aus alten Ostzeiten ist. Ich lasse mir ein regionales Bio-Bier schmecken, welches hier nebenan in der Strasse gebraut wird. Da ich aber nicht das bin, was man als regelmässigen Biertrinker bezeichnen könnte, brauche ich eine Weile, bis diese Mahlzeit aus dem Glas verschwunden ist. Ronny, der Typ hinter der Theke, ist übrigens der perfekte Telefon-Joker zum Thema Schokoladensorten. Frag ihn! Er weiß alles!
Ich will noch nicht in's Bett, begleite meinen Gastgeber noch ein paar Schritte auf seinem Heimweg und dreh danach noch eine halbe Runde um den Block. Es hat noch immer nicht aufgehört zu regnen. Zurück im Ostpol bestell ich mir noch ein Glas Wein und hab dann schliesslich die nötige Bettschwere, die es braucht, um in dem Drahtgestell aus DDR-Zeiten, in dem ich jede einzelne Feder im Rücken spüre, irgendwie Ruhe und ein paar Stunden Schlaf zu finden. Neben dieser alten Schlafcouch entdecke ich hier oben in der Wohnung noch so einiges wieder aus meinem Kinderleben in der DDR der Achtziger.
Morgens lerne ich auch noch meinen Zimmergenossen kennen. Wir gehen frühstücken beim Bäcker. Er muss zur Arbeit. Ich hab frei. Eigentlich wollte ich noch 2-3 Tage in Dresden bleiben, mir Theater ansehen oder rüber nach Leipzig fahren, wo abends Peter Gabriel spielt, aber nachdem ich einen halben Tag durch den noch immer anhaltenden Dauerregen gelaufen bin und die Wettervorhersage keine Besserung verspricht, setze ich mich kurzerhand in's Auto und kämpfe mich die nächsten sechs Stunden durch eine tiefdunkle Wand aus Regen, Regen und Regen. Lediglich ein Wildschweinbraten mit Rotkohl und Klößen zieht mich für eine kurze Zeit von der Autobahn in ein nah gelegenes Dorf, wo ich beim Warten auf das gute Essen fast eingeschlafe am rustikal eingedeckten Tisch. Ich halte durch, bleibe wach und es schmeckt ganz wunderbar!

09.10.13 Halle/Saale, Goldene Rose

20-30 Meter vor meinem Ziel steht ein Durchfahrtverbotsschild. Hier wird grad ein Film gedreht. Die junge Dame, die hier Wache schiebt, ist allerdings flexibel genug und lässt mich grad um die Ecke biegen und mein Auto vor der Tür parken.
Stephan, dem der Laden gehört, teilt mir mit, dass abends hier in diesen Räumen noch eine Erstsemesterparty stattfinden wird. Na, Glückwunsch! Er sieht meinen ungläubigen, vielleicht auch ängstlichen Blick, will mich beruhigen und sagt: "Sei ganz entspannt! Die kommen nicht vor 23 Uhr. Du fängst auch nicht schon um 21 Uhr an, sondern 21:30, das reicht vollkommen."
Während ich meinen Soundcheck mache, trifft sich bereits eine Art Stammtisch von ausländischen Studenten. Die Rücksicht auf meine Arbeit vor Ort hält sich in Grenzen, also muss ich es bei den Soundproben der lauten Stellen umgekehrt genau so machen. Scheint aber widerum auch niemanden zu stören.
Etwas unsicher mache ich mich dann auf den Weg bzw. auf die Suche nach einem Haus mit Abendessen. Nur 1-2 Minuten unterwegs, vorbei an dem Filmdreh, kehre ich ein in ein asiatisches Restaurant. Jetzt und hier kann es nichts besseres geben! Wie ich das mag! Viel esse ich meisstens nicht vor den Konzerten, dafür ist oft die Anspannung zu groß, aber heute ist das hier genau das richtige! Eine Suppe vorweg und einen herrlich leckeren Salat! Mehr brauch ich gar nicht. Draussen vor dem Fenster wird im Regen gedreht. Auf Kommando müssen die drei Darsteller betrunken und schallend laut durch die nächtlichen Straßen ziehen. Wie stark die geschminkt sind! Das sieht man ja dann im Film gar nicht, wie sehr die mit Make Up zugekleistert sind.
Es ist kurz vor halb zehn, ich mach mich auf den Weg zurück, will dort ankommen und direkt anfangen. Wann sollten die Erstsemester kommen? Nicht vor 23 Uhr? Ich komme rein und sie sind schon da! Alle! Und es ist laut! Es wird sich angeregt unterhalten, gelacht, getrunken. Hier soll ich spielen? Jetzt? Das wird schlimm. Richtig schlimm.
Ich starte mit den leisen Tönen von "Komm an", spiele sie immer wieder und wieder ohne mit dem Singen anzufangen. Ich hatte vermutet, dass es vielleicht etwas ruhiger wird, sobald die CD-Musik aufhört und der Sound der Gitarre sich so langsam im Raum ausbreitet. Nix da! Wie naiv! Die jungen Leute sind doch nicht wegen diesem Liedermacherkonzert in den Laden gekommen. Die wollen feiern und andere Erstsemester kennenlernen.
Es ist so laut, dass ich mich selbst nur sehr schlecht hören kann. Irgendwann spricht jemand 2-3 Meter weg von mir so laut auf englisch, dass ich nichts mehr auf die Reihe bekomme. Ich breche erstmals ab und sage ihm, dass ich ihn lauter höre, als mich und ob er evtl. leiser reden könne oder den Raum nebenan nutzen wolle. Mit einem Stinkefinger und einem verständnislosen "Fuck you!" antwortet er und verzieht sich dann aber tatsächlich in den anderen Raum. Die Situation wird nicht besser und ich stelle im Nachhinein fest, dass ich scheinbar die letzten 3-4 Jahre so unglaublich viel Glück mit meinem Publikum und den Orten, an denen ich spielen durfte, gehabt habe. Es war fast immer mucksmäuschenstill. Da muss man dann auch mal einen Abend mit einer um zwei Stunden vorgezogenen Erstsemesterparty ertragen.
Nach dem Konzert kommen einige Leute zu mir und erzählen, dass es für sie ebenso ein ziemlich hartes Brot gewesen wäre, dass sie eigentlich wegen dem Konzert hier angereist wären und aufgrund der Situation z.B. auch kaum was von den Texten verstehen konnten.
Ich drehe anschliessend noch eine Runde durch's Haus, wundere mich, dass es tatsächlich noch Partys gibt, auf denen die erste Bloodhound Gang Single und anschliessend RATM "Killing in the name" aufgelegt wird. Ich dachte, diese Kombi ist über 15 Jahre her! Als ich vor der Tür dann noch eine Stunde mit meinem Buddy Marcus telefoniere und sich neben mir 16-17jährige über die Exzesse von letzter Nacht auslassen, wird mir klar, dass ich mittlerweile schon doppelt so alt bin und das manche Dinge einfach vorbeigehen.

22.09.13 Hamburg, Uebel&Gefährlich, Hamburger Küchensessions Festival

Ende letzten Jahres saß ich bei Jens Pfeifer in seiner Hamburger Küche, habe 3 Lieder gespielt, er hat sie mit der Kamera aufgenommen und anschliessend in's Netz gestellt. So macht er das mit ganz vielen Bands und Solisten und hat dieses Jahr bereits sein zweites Festival mit vielen von diesen Musikern auf die Beine gestellt.
Leider hat es mich Anfang der Woche umgehauen, dicker Hals, ganz schlimm. Schwere Medizin soll bei der Besserung helfen, denn am Sonntag ist nicht nur das Festival in Hamburg, bereits am Donnerstag musste ich nach Berlin, wo am Freitag ein Video gedreht wurde - oben auf'm Dach über der Stadt, z.T. bei miesem Regenwetter. Nicht besonders hilfreich, wenn es um die Genesung geht. Aber es geht. Es geht zumindest besser, als am Anfang der Woche. Mittags zuhause streiche ich die Songs von der Liste, die mit der kranken Stimme nicht zu heben sind. Was übrig bleibt, kommt abends in Hamburg auf die Bühne.
Hab mich schon lange vorher so sehr auf diesen Abend gefreut, aber da ich eigentlich noch immer gar nicht fit bin, suche ich kaum Kontakt zu den anderen Musikern, sondern sehe mir das eine oder andere Konzert in Ruhe allein und von hinten an.
Zum Essen gehe ich raus auf die Terasse des Bunkers, in dem wir hier sind, wo es Getränke und Suppe gibt und man den wahrscheinlich besten Blick des Abends über das schöne Hamburg hat. Ich mag das, wenn Du nachts hoch oben über einer Stadt bist und draufschaust auf die ganzen Lichter, auf das Treiben unten, wo es flimmert und die Straßen rauschen und oben bei Dir ist alles ruhig. Immer wenn ich hier in Hamburg aus Richtung Norden nachts durch den Elbtunnel fahre, genieße ich das Gefühl, welches mich erfüllt, wenn ich nach dem Tunnel rechts rüber in den Hafen auf die riesigen Schiffe schaue, wo alles leuchtet, alles arbeitet und sich im Detail bewegt, was ich von der Autobahn aus ja gar nicht sehen kann und wo es vor Ort oft laut und manchmal kalt ist, aber in meinem Auto ist es warm und still, ganz still.
Der wunderbare Tim Neuhaus und ich spielen ca. 22 Uhr gleichzeitig. Bei ihm ist der Saal voll, was zur Folge hat, dass der kleinere Raum, das Turmzimmer, bei mir noch reichlich Platz bietet. Trotzdem und auch trotz schwer angeschlagener Stimme kann ich meine kurze Zeit auf der Bühne genießen und möchte diesen Abend nicht missen.
Nachts um 1 Uhr mach ich mich noch für gute zwei Stunden auf den Weg ab auf die Autobahn und durch die stille, dunkle Nacht. Diese Stunden mag ich.

31.08.13 Bielefeld-Quelle, Biohof Bobbert, Slowing Down Time Festival

Der gute Eudel erzählte mir schon vor einem Jahr von der Idee, dass er mit seinem Kumpel Kai ein kleines, ruhiges Festival auf die Beine stellen wolle. Es solle ein ruhiges Open Air werden, nicht mit den Tanzschuhen unter den zuckenden Beinen, sondern mit der Kuscheldecke auf der grünen Wiese. Monate später rief Eudel dann an, ob ich noch am Start wäre, ob ich mitspielen wolle und er erzählte von einem Biohof, von einer Gänsewiese, von einem schönen Fleckchen Erde, auf dem dieses Festival nun stattfinden würde.
Ein paar Wochen vor dem Festival war ich auf einer offenen Probe von Eudel und seinem Buddy Mario, als ich erfuhr, wer noch zum Musizieren anreisen wird: Kat Frankie und Tim Neuhaus. Na, wunderbar! Das wird gut!
Am Tag des Festivals ist das Wetter nicht grad sommerlich. Es hat geregnet, viel geregnet, eigentlich geschüttet. Am Nachmittag, als schon ein paar Lieder auf der Bühne gespielt wurden, gibt es dann schließlich ein paar letzte Regentropfen und von da an blieb es trocken und die Sonne kam raus. Gut so! Es kommen eine ganze Anzahl von Zuschauern, die es sich auf der Wiese, auf Anhängern und Strohballen gemütlich machen.
Als ich ankomme, spielen bereits A Thousand Eyes, danach dann die wunderbaren Eudel & The Brothers In Mind. Mit Eudel sprech ich mich danach kurz ab: er wird bei "An dem Tag" mit zu mir auf die Bühne kommen und wir werden gemeinsam singen.
Was mich während meines Auftritts etwas verwirrt und irritiert, sind die Gänse hinter der Bühne, die mir manches Mal ziemlich laut dazwischen schnattern. Etwas mehr noch an Lautstärke haben all die Kinder zu bieten, die hier auf dem Hof reichlich vertreten sind. Ist doch egal, wenn da so'n Typ auf der Bühne leise seine Lieder singt, wir wollen toben, direkt hinter der Bühne Verstecken und Fangen spielen und laut kreischend über die Wiese rennen. Alles kein Problem.
Was nach mir dann Kat Frankie und später noch Tim Neuhaus auf der Bühne machen, kann ich mal wieder nicht beschreiben. Zu groß ist das! Beide! Ganz wunderbar! Tim werde ich die nächsten Wochen noch 2-3 Mal sehen und ich freu mich riesig drauf.
Als alles vorbei ist und die Gäste schon fort sind, stehen wir mit ein paar Leuten noch um den letzten Kochtopf und löffeln den Rest warmer Suppe, während die Nacht sich mit all ihrer Kälte über uns legt und ich wünsche mir, dass dieses kleine, schöne Festival seinen Stammplatz findet im Sommer des nächsten Jahres und des übernächsten und des überübernächsten. Ich bin Fan.

30.08.13 Enger, Jever Deel

Als das Angebot im Raum stand, dass wir in einem Biergarten spielen sollten, hatte ich zunächst Bedenken. Die Leute wollen sich dort unterhalten. Das ist doch nichts für unsere Band. So dachte ich. Ich sollte mich täuschen. Zum Glück!
1-2 Tage vor dem Konzert bekam ich in einem Telefonat mit der Veranstalterin kurz vor Ende des Gesprächs noch den Satz zu hören: "Ach, ja, bei dem Banner hat unser Drucker irgendwas nicht richtig ausgedruckt. Aber das ist nicht weiter schlimm." Bei der Probe am Vortag vom Konzert hatte ich das widerum meinen Jungs erzählt und Buchse meinte, dass er nachts im Dunkeln an einem großen Banner vorbeigefahren ist und sich noch wunderte über den Schriftzug. Er nahm aber an, dass er sich auf die Schnelle einfach verlesen hatte. Tatsächlich wurde das Konzert per großem Banner an einer vielbefahrenen Straßenkreuzung als "Rondina & Band" angekündigt.
Zusammen mit Falk komme ich am Biergarten an, Utz und Gunnar sind schon da und bauen auf. Besuch aus Saarbrücken ist ebenso da, tatsächlich den ganzen, weiten Weg gefahren, um sich heute Abend unser Konzert anzusehen. Manchmal steh ich noch immer ungläubig vor solchen Tatsachen.
Als wir fast mit dem Soundcheck durch sind, kommt Loni, Chefin von dem Laden, zu uns und fragt: "Sagt mal, habt Ihr eigentlich Licht? Wir haben unser Licht kürzlich abgebaut. Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht." Natürlich haben wir kein eigenes Licht. Ihr Stamm-DJ ist vor Ort und rollt ruckzuck ein paar Lichter ran, sodass wir nicht ganz im Dunkeln stehen. Das sind die kurzen Wege.
Das Konzert macht Spaß. Der Biergarten ist voll, den Leuten gefällt, was sie hören und der Sound ist gut, auf und vor der Bühne. Manchmal wird es etwas eng. Immer wenn unsere Bläser Basti und Wischi - heute nur zu zweit - mit auf der Bühne stehen, mache ich mich vor ihnen etwas kleiner. Der Platz auf der Bühne ist so begrenzt, dass Basti mit seiner Posaune praktisch fast auf meiner Schulter liegt und ich somit das fette Brett frei Haus bekomme.
Während des ersten Sets dachte ich immer mal wieder: Der Typ da ganz hinten sieht original aus wie Liam. Mein bester Freund. Kann aber nicht sein, da er ja grad in Kanada weilt und erst in den nächsten Wochen heimkommt. Als wir in der Pause von der Bühne gehen, kommt er mir dann tatsächlich entgegengeschlendert. Hat's nicht länger ausgehalten dort. Zu großes Land. Ich teile mein Essen mit ihm und hab die komplette Pause damit zu tun, es zu glauben bzw. zu verstehen, dass der Typ schon wieder hier ist.
Nach dem Konzert, während wir es uns mit kleinen und großen Getränken gutgehen lassen, erzählt noch jemand eine schöne Anekdote aus dem örtlichen Eiscafé. Dort hing auch das Plakat zum Konzert und nachdem immer mal wieder gefragt wurde, wer das denn ist, der Typ auf dem Plakat, hat irgendjemand erzählt, das wäre ein italienischer Popstar und der spielt nun live in Enger! Das Gerücht hielt sich über die letzten zwei Wochen. Der die Story geglaubt hatte, kam auf das Konzert, sah seinen Kumpel Falk an der Gitarre und glaubte noch, dass dieser für den krankheitsbedingt verhinderten italienischen Gitarristen eingesprungen wäre. Als er dann aber all die anderen Musiker erkannte und der Typ da in der Mitte auch noch deutsch sang, war das das Ende aller italienischen Träume. Es wäre ja auch zu schön gewesen.

22.06.13 Duisburg, Traumzeit Festival

Wir spielen auf einem Festival zusammen mit vielen großen Bands, die ich schätze und mag. Was gibt es schöneres in der Sommerzeit? Die Band teilt sich und reist an zwei Tagen an. Buchse, Utz und Falk sehen sich bereits am Freitag z.B. die Editors, die Thees Uhlmann Band oder Agnes Obel an. Falk würde Agnes Obel gern heiraten. Ich bezweifle, dass sich das an diesem Freitag umsetzen lässt. Gunnar und ich kommen am Samstag nach, während ich meine halbe Familie mit dabei habe.
Gleich bei Ankunft wird uns klar, auf was für einem Fleckchen Erde wir hier gelandet sind. Wir sind begeistert von der Ruhrgebiet-Industrie-Kulisse im Landschaftspark, drehen zunächst ganz in Ruhe eine große Runde, sehen uns alles mal genauer an, während auf unserer Bühne Patrick Richard vom GHvC noch seinen Soundcheck macht. Als ich mich erstmals zum Catering begebe, lungert da schon der Rest meiner Band in den Liegestühlen rum und lässt es sich gutgehen. Denen gefällt das hier.
Ich habe etwas Hoffnung, dass uns hier vor Ort Leute sehen, die uns möglicherweise für Konzerte buchen würden. Tatsächlich sehe ich dann Steven von Haldern Pop oder Frank vom Gleis 22 in Münster. Ob das Folgen hat, bleibt abzuwarten.
Wir freuen uns schon während unseres Soundchecks und beim Konzert dann sowieso über den fetten Sound, den wir auf der großen Bühne haben. Alle stehen recht weit voneinander weg, was aber eben bedeutet, dass sich jeder sehr gut hören und seinen Sound wirklich ganz individuell einstellen kann, ohne all zu sehr auf seinen Nebenmann Rücksicht nehmen zu müssen. Mich betrifft das besonders in Verbindung zu Falk, der seinen Gitarrenverstärker nicht wie auf kleinen Bühnen bzw. in kleinen Räumen zu mir rüberdrehen muss, damit dieser nicht direkt in's Publikum knallt, sondern auf dieser großen Bühne schön nach vorn ausrichten kann. Ich verliere mich in Details, Schluss damit. Dass auch draußen alles fett klingt, davon schwärmen mir später diverse Leute in den höchsten Tönen vor.
Später sehe ich mir noch die tollen Young Rebel Set, den großartigen Honig, ein wenig Get Well Soon, die Zugaben von Tina Dico und am Ende die wunderbare Cat Power an! Während ich aufgrund einer zweiten Mahlzeit ihre ersten Songs verpasse und grad in die Halle will, kommt mir meine komplette Band entgegen. Von Gunnar höre ich nur: "Da klingt ja jedes Lied gleich. Total langweilig." Die Jungs treten schon mal die Heimreise an. Manchmal versteh ich die Leute nicht. Ich find's großartig.

24.05.13 Bielefeld, Leinewebermarkt Open Air

Zum bereits dritten Mal spielen wir auf dieser Bühne. Beim ersten Mal sind wir total abgesoffen. Ein Wolkenbruch hatte sich damals ausgerechnet unser Konzert ausgesucht. Nun kommen wir bei Sonnenschein mit neuem Album her und sind guter Dinge, freuen uns sehr.
Als wir neben der Bühne unser Zeug auspacken und aufbauen, wird Utz von drei Leuten belagert, die Trommelstöcke sammeln. Sie wollen von ihm eine Zusage, dass sie nach dem Konzert seine Sticks bekommen können. Als das längst geklärt ist, belagern sie ihn noch immer und mir wird das zu viel, denn die Leute stehen im Weg, Utz muss aufbauen und wir müssen gleich raus. Utz ist zu höflich, als dass er was sagen würde. Ich bitte die jungen Mädels vom Veranstalter, dass sie sich doch bitte mal um die drei Leute kümmern sollten. Meine Bitte wird allerdings scheinbar nicht ernst genommen und somit muss ich in die Rolle des Tourmanagers schlüpfen und der böse Onkel sein, der die drei nun endgültig aus der Flugschneise bittet. Ich hasse so was, denn im Nachhinein heisst es dann oft: "Der Trommler war total nett, aber der Sänger ist ein arroganter Typ, der wollte uns da hinten nicht haben." Dass da in dem Moment gearbeitet wird, sehen die Leute dann nicht.
Wir gehen auf die Bühne, der Platz ist voll, ziemlich doll voll und ich erkenne viele Gesichter aus dieser Stadt, ebenso sehe ich Carsten Friedrich, Ex-Superpunk, der mit seiner Band Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen gleich nach uns spielen wird - heute begleitet von dem von mir sehr verehrten Bernd Begemann.
Unser Konzert läuft gut, wir sind entspannt. Auf meinen Wunsch hin haben wir uns kurz vorher spontan abgesprochen, dass wir den letzten Song doch mit einer Art Springsteen-Rock'n'Roll-Finale beenden könnten, schön fett und mit ordentlich Tamtam. Das gelingt uns aufgrund keiner diesbezüglichen Probe heute nur bedingt, wird aber bei den nächsten Auftritten besser und einer Punktlandung gerecht.
Direkt nach der Show hat Utz seine Sammler wieder um sich und wir hören, nachdem alles verstaut ist, noch der Liga zu, wobei sich der Platz, das darf gesagt werden, nun im Vergleich zu unserem Konzert vorher schon reichlich geleert hat.
Ich check noch mal die Lage bei Tapete Records-Chef Gunter Buskies, der mir allerdings sagt, dass sie "keine neuen Künstler verpflichten, sondern aus Kostengründen nur noch Acts veröffentlichen, mit denen sie bereits zusammenarbeiten". Dass wir eine Bomben-Platte aufgenommen haben, scheint er mir nicht zu glauben. Ich mach mich auf den Heimweg. Die Zeit wird kommen.

27.04.13 - Schmitten-Niederreifenberg, Wohnzimmerkonzert

Mir wurde vorher empfohlen, ich solle eine Jacke mitnehmen, es wäre oben auf dem Berg immer etwas kälter. Tatsächlich zeigt das Thermometer am Auto gerade mal 4 Grad an. Das ist nicht viel, immerhin ist es Ende April. Ohne es so richtig zu bemerken, bin ich immer höher gelangt. Hier oben im Wald seh ich dann die Schilder für die Wanderer: Großer Feldberg.
Heute spiel ich ein kurzes Wohnzimmerkonzert, allerdings eingebunden in eine Geburtstagsfeier. So etwas mache ich eigentlich gar nicht. Ich bekomme immer mal wieder E-Mails mit der Anfrage nur ein einziges Lied auf einem Geburtstag, einer Hochzeit oder derartigen Anlässen zu spielen, z.T. sogar als Überraschungsgast, aber das funktioniert mit mir nicht. Ich bin nicht der Typ, der aus der Torte springt.
Den Abend heute hab ich trotzdem zugesagt. Vielleicht ist Oli, der mir schrieb, eine Art Menschenfänger, aber ein guter! Nein, ich glaub, es ist viel einfacher: Wir waren vor einem halben Jahr schon mal in Schriftkontakt und er machte mir nun glaubhaft klar, dass das mit mir und den Geburtstagsgästen hervorragend funktionieren würde. Anfangs sollte es eine Überraschung für seine Freundin Sas sein, aber da nun die komplette Verwandschaft zwecks dieser Feier auf der Hütte vom Schwiegerpapa saß, wurde die Lady dann doch eingeweiht.
Was ich allerdings erst vor Ort erfuhr, ist die nicht unwesentliche Tatsache, dass außer ein paar wenigen Leuten niemand von meinem Auftritt wusste und man der Gästeschar erst direkt vorher davon erzählte, also praktisch mit der Ansage. In dem Moment wurde ich nervös. Vorher noch in lockerer Runde mit einer Ich-muss-wach-bleiben-Cola in der Hand, zitterten mir nun die Finger, ein bisschen zumindest.
Schon nach 2-3 Songs kommt es mir so vor, als würde ich bereits eine halbe Stunde dort sitzen und spielen. Ich habe das wahrscheinlich völlig unsinnige Gefühl, dass die Geburtstagsfeier für ein paar ruhige Songs eine Art Zwangspause einlegt und bestimmt irgendwer in der Runde darauf brennt, endlich wieder in Jubel und Trubel auszubrechen. Dabei schaue ich doch in lauter freundliche Gesichter. Warum macht man sich solche Gedanken während man seine Lieder spielt? Es haben schliesslich zwei junge Menschen eingeladen, die diese Songs mögen und sich gerade in diesem Moment darüber freuen, dass der Typ mit ihnen hier sitzt und quatscht und ein paar von seinen Liedern für sie spielt. Oli und Sas waren mir auf Anhieb sympathisch. Mit ihnen würde ich jederzeit Tanzen gehen, ein paar Würstchen grillen oder die ganze Nacht Lieblingsplatten hören. Ist also alles gut.
Die kleine Emma wünscht sich ein Lied, welches sie aus dem Fernsehen kennt, aus der Ina-Sendung. Mama und Papa haben mir vorher gesteckt, dass Emma hierbei ziemlich textsicher ist und somit ist klar, wir singen das Lied zusammen. Emma kommt zu mir und ich mach mich besonders klein. Wir harmonieren hervorragend. Sie ist ein Profi. Das wird wahrscheinlich die Story nächste Woche im Kindergarten!
Nach 2-3 weiteren Liedern ist Schluss. Wir erzählen noch ein wenig, mir geht's gut und mit dem angenehmen Gefühl, dass mir meine lieben Gastgeber mal irgendwann wieder über den Weg laufen, mache ich mich auf den Heimweg. Hab noch 3 Stunden Nachtfahrt vor mir.

26.04.13 - Tübingen, Zimmertheater

Auf diesen Abend freue ich mich mal wieder ganz besonders. Schon lange möchte ich hier spielen, an einem Ort, wo Niels Frevert, Tom Liwa, Gisbert und viele andere schon zu Gast waren. Nun hat es geklappt und somit nehme ich auch die über 500 Kilometer in Kauf, die ich ohne besondere Vorkomnisse hinter mich bringe.
Am Vorabend lese ich bei Wikipedia, dass es sich bei Tübingen um die jüngste Stadt Deutschlands handelt. Als ich in den Ort hineinfahre und mehrmals an Ampeln und Zebrastreifen halte, bestätigt sich diese Info. Junge Menschen bevölkern die Straßen. Ob sich davon heute Abend auch welche in's Zimmertheater verirren, bleibt bis zum Konzertbeginn unbeantwortet.
Axel und Thomas, die mich hier betreuen, sind beides sehr ruhige und freundliche Menschen. Das wird von der Begrüßung bis zur Verabschiedung heute Abend sehr angenehm. Der Soundcheck macht mir schon mal ordentlich Spaß, denn das Kellergewölbe, in dem sich die Bühne befindet, ist für beide Seiten, also Künstler und Publikum, ein ganz wunderbarer Raum. Ich freu mich auf heute Abend, mach mich aber erstmal auf den Weg zum Hotel, wo mich der nächste schöne Teil des Tages erwartet.
Was bis zum heutigen Tage völlig zu Recht auf Platz 1 der ewigen Hotelbestenliste meiner kleinen Konzertreisen stand, muss heute die Segel streichen und auf's zweite Treppchen weichen, denn was für heute Nacht meine Bleibe ist, habe ich in meiner bescheidenen Zeit als Musikant bisher noch nicht bewohnt. Abgesehen vom Top-Bad sicherlich nicht modern, eher alt(modisch), aber verdammt gut, chic und mehr als geräumig.
Ich hatte mich an der Rezeption schon gewundert, als ich "Suite" auf dem Zimmerschlüssel las, aber auch nachdem ich später halb im Spaß die Dame unten am Empfang fragte, ob sie sich vielleicht vergriffen hätte, wurde mir geantwortet, dass ich völlig beruhigt sein kann und alles seine Ordnung hätte.
Im Regen gehe ich zu Fuß rüber zum Theater und beginne kurze Zeit später das Konzert. Im Zuschauerraum sind scheinbar ausser einer einzelnen Person nur Pärchen. So wird es dann auch ein paar Tage danach in der örtlichen Presse beschrieben.
Das Konzert macht sehr viel Spaß, die Leute sind gut drauf und die Akustik in dem schönen Kellergewölbe ist klasse! Später wird oben bei einem Glas Wein noch ein wenig erzählt über die kleinen und die großen Konzerte, über günstige und teure Konzerte und auch über ein mögliches Wiedersehen in dieser Stadt.
Ich will und kann noch nicht schlafen, laufe noch ein wenig in den Straßen umher, muss mich dann aber recht schnell dem ausdauernden Regen geschlagen geben und mach mich ziemlich nass auf den Weg zurück zum Hotel. Zum Glück hab ich ja eine ganz angenehme Bleibe heute Nacht.

19.04.13 - Berlin, Intersoup

Berlin ist anstrengend. So empfinde ich es zumindest. Ich hab immer etwas Angst vor Konzerten in dieser Stadt. Es gibt hier täglich viel mehr Angebot, als Nachfrage. Ein ewiger Kampf.
Eigentlich ist alles gut bisher. Ich komme frühzeitig an und da ich keine Lust auf Rumlaufen habe und müde bin, mach ich die Augen zu und döse noch eine Weile. Parkticket gespart.
Mein Webmaster Tim kommt vorbei. Ich freu mich immer, wenn ich ihn in Berlin treffe. Zum letzten Mal war das vor ein paar Wochen, als die großartigen Black Rebel Motorcycle Club in der Stadt waren. Nun ja, heute geht's etwas ruhiger zu.
Wir beide wollen meinen Kram vom Auto in den Keller des Intersoups tragen und dann... Aaahh! Mein Rücken! Das passiert mir alle paar Monate und nun scheint die Zeit mal wieder reif zu sein. Was nun kommt, ist ohne Übertreibung die reine Quälerei für den Rest des Abends. Ich kann nicht richtig gehen und sitzen sowieso kaum. Die junge Lady hinter der Theke des Intersoups hat noch eine Schmerztablette für mich. Ob diese ein wenig hilft, vermag ich in den nächsten Stunden nicht einzuschätzen. Es fühlt sich nicht danach an.
Im Übrigen ist das Mädel hier heute um das tausendfache freundlicher, als die Dame, die bei meinem letzten Gastspiel vor 3 Jahren in diesem Laden damals scheinbar zum Dienst gezwungen wurde. Wenigstens das zu erkennen bereitet mir und Tim, der damals auch dabei war, heute etwas Freude.
Ebenso dabei, damals wie heute, ist Rolli, genau wie Tim ein Weggefährte aus alten Tagen. Wir treffen ihn auf der anderen Straßenseite in einem Laden, in dem wir auch damals schon zu Abend gegessen haben und auch heute - die Dinge wiederholen sich - sehen wir nebenbei die erste Halbzeit vom Freitagspiel der Fussball-Bundesliga.
Der Zeiger geht streng Richtung 21 Uhr und ich werde zunehmend nervös, kann kaum noch was essen, worüber Rolli sich reichlich amüsiert. Mit dem Gang eines alten, kranken Mannes bewege ich mich zurück zum Intersoup und dort vorsichtig die Treppe hinab in das kleine Kellerwohnzimmer. Machen wir uns nichts vor! Hier ist noch reichlich Platz, es könnten ruhig noch ein paar Leute kommen. Das wird mal wieder eine sehr intime Vorstellung. Im Laufe das Abends habe ich jeden der Besucher innerhalb von Ansagen oder Überleitungen mindestens einmal persönlich angesprochen.
Diese Konzerte haben in beide Richtungen immer etwas Besonderes. Es ist durchaus schwierig, vor 10 oder 12 Leuten den Abend genau so zu gestalten wie womöglich am Abend zuvor vor 50 Leuten. Du kannst jedem einzelnen Zuhörer in die Augen sehen, bekommst jede kleinste Reaktion, jedes schwere Atmen, jeden Blick zum Nebenmann in Nullkommanix mit, was mich manches Mal - meisst ohne Grund - unsicher werden lässt, aber schliesslich kann auch ein solcher Abend oft einer der schönsten werden.
Gute Worte gibt es reichlich am Ende dieses Konzertes. Das entschädigt für manche Sinnfrage, die dir in der Zeit zuvor gelegentlich durch den Kopf geisterte.
Die Drei von der Tankstelle bestellen noch mehrmals das letzte Getränk und wundern sich so etwa zwischen Mitternacht und 1 Uhr nachts darüber, dass der Prenzlauer Berg an einem Freitagabend völlig ausgestorben oder zumindest eingeschlafen ist und sich so scheinbar zu einem Nachtruheviertel entwickelt hat. Seltsame Stadt, dieses Berlin.

18.04.13 - Erfurt, Engelsburg / Café DuckDich

Mit guter Laune komme ich an der Engelsburg an. Es gibt zwar ein extremes Parkplatzproblem in den engen Altstadtgassen, aber das Wetter ist herrlich und von nebenan tönen angenehme Klänge aus der Musikschule.
Es ist alles noch ruhig oben im Café. Zu diesem führt eine Treppe vom Biergarten hinauf, unten herrscht reger Betrieb. Es ist der erste richtig warme Donnerstagabend im Jahr und genau das könnte dazu führen, dass die Leute lieber im Biergarten sitzen, als oben im Café ruhiger Musik zu lauschen. Kann man nicht beeinflussen. Abwarten.
Als ich das erste Mal den Raum betrete, wird mir sofort klar, woher das Café seinen Namen hat. Das ist nichts für große Menschen hier. Jeder Querbalken, der unter der Decke hängt, ist ein potenzieller Gegner meiner etwa 1,95 Meter.
Nach meinem Soundcheck lasse ich mir im Biergarten ein Thüringer Rostbrätl schmecken, drehe noch eine Runde um die alten Häuser und als ich wiederkomme, ist das Café auch schon mit Leuten gefüllt. Nach dem 2. oder 3. Song entdecke ich sogar mir bekannten Besuch. Das ist immer etwas angenehmes, wenn auch in der Fremde ab und zu mal ein paar vertraute Gesichter zu sehen sind. Schön auch, wenn nach dem Konzert Leute kommen und sagen, sie wären auf Empfehlung hier und es hätte sich gelohnt. So auch geschehen heute Abend.
Nach dem Konzert ist im Biergarten noch Zeit für 1-2 Getränke, danach noch eine ruhige Runde bis zum Dom, der anscheinend nach Mitternacht nicht mehr beleuchtet wird, dann geht's zurück und in das schöne und gemütliche Zimmer, welches ich heute bewohnen darf.
Bevor ich mich am nächsten Tag auf den Weg Richtung Berlin mache, besuche ich noch einmal den Erfurter Dom. Vor einem halben Jahr war ich - damals nur auf der Durchreise - zum ersten Mal hier. Ich schliesse die Augen und lasse Ruhe einkehren.

11.04.13 - Köln, Die Wohngemeinschaft / Theater

Zweimal bin ich schon um den Block gekurvt auf der Suche nach einem Parkplatz. Letzte Runde jetzt. Ich steh an der Ampel. Es wird grün. Ich fahre nur 1 oder 2 Meter und bremse, weil ein Radfahrer kommt. Zack! Rums! Der Motorradfahrer, den ich im Rückspiegel sah, sitzt mir auf der Stossstange. Ich denke noch so was wie "Oh, nein! Bitte nicht!", bin mir aber dann bewusst, dass es aufgrund der Geschwindigkeit nicht all zu schlimm gewesen sein kann. Beim Aussteigen hab ich Szenen aus italienischen Komödien vor Augen, gefolgt von Bildern aus Deutschland, wie manch ein Vollpfosten nun laut schreiend aus seinem Auto steigen und sich seinem Auffahropfer so nähern würde, dass es auch wirklich jeder in der Straße mitbekommt.
Wir beide wissen, es ist nix passiert. Ich schau einmal nach und dann geht's für uns beide weiter. Ein Parkplatz ist in der Zwischenzeit auch frei geworden.
Markus, der mich hierher eingeladen hat, rollt zeitgleich mit mir über die Zielgerade. Stylo, wie immer. Er spielt als Saender heute vor mir noch ein paar eigene Songs. Beim Soundcheck besprechen wir, dass wir uns am Abend gegenseitig als Gastsänger unterstützen, was aber schliesslich nur zur Hälfte eingelöst werden kann.
Ziemlich genau vor einem Jahr war ich schon mal hier an Ort und Stelle. Heute wird es etwas übersichtlicher als beim letzten Mal. Kann ja auch nicht immer voll sein. Das Konzert fühlt sich trotzdem sehr schön an und die gute Stimmung verleitet mich danach zu einem Glas Wein, welches nicht das letzte sein wird. Volker, ein Bekannter aus alten Tagen, gesellt sich zu uns und schliesslich landen wir alle noch eine Strassenecke weiter in einem Laden, wo grad der Stankowski Platten auflegt.
Auch nach meinem "Nein, danke, für mich nicht mehr." kommt Saender-Markus mit 3 vollen Gläsern Wein zurück und lässt uns keine Wahl. Das Hotelzimmer ist nicht weit.
Etwas überrascht bin ich am nächsten Tag über den Strafzettel am Auto. Ich hatte am Vortag keinen Parkautomaten gesehen und Jens von der Wohngemeinschaft sagte noch, es könne sein, dass die grad wegen der Baustelle alle abgebaut worden sind.
Wenn es denn dabei geblieben wäre. Ich fahre zum WDR bzw zum 1Live-Haus, wo ich einen Interviewtermin habe, ziehe einen Parkzettel für 45 Minuten. So lang wird's ja nicht dauern für die 2 Minuten Beitrag, die daraus gebastelt werden. Denkste! Wir unterhalten uns äusserst angeregt knappe 90 Minuten, schiessen noch Fotos vor der Radiotapete und am Auto erwartet mich zum Finale der zweite Strafzettel des Tages. Der Köln-Besuch vor 1 Jahr war, was die Nebenkosten betrifft, etwas weniger aufwendig.

23.03.13 - Bielefeld, Bunker Ulmenwall, Rettet-den-Bunker-24-Std-Konzert

Der Bunker Ulmenwall soll geschlossen werden. Um genau zu sein, die Stadt Bielefeld kürzt bzw streicht zum Ende 2013 den Zuschuss, was zur Folge hat, dass eine Stelle im Bunker nicht mehr bezahlt werden könnte, was ebenso heisst, die Bude kann dichtmachen.
Es gab eine Menge Protest gegen diese Mittelkürzung, bundesweit, sogar weltweit, kann man sagen. Und dieser Abend heute wird sicher nicht das letzte Zeichen von Protest sein.
Es ist das erste Mal, dass ich mit der Bahn zu einem Auftritt fahre. Die Gitarre im Koffer und ein wenig Kleinkram in meiner alten Aktentasche geht's 4 Stationen unterirdisch durch Bielefeld und die restlichen paar hundert Meter zu Fuss.
Man hatte mir vor ein paar Tagen die Wahl gelassen und neben dem Nachmittag auch eine Spielzeit nachts um halb drei angeboten. Wie ich erfahre, war die Hütte letzte Nacht rappelvoll, aber ich hatte damals dankend abgelehnt, weil ich mich mit den ruhigen Liedern zwischen dem Partyvolk nicht gut aufgehoben glaubte und nahm stattdessen den Nachmittag, also Kaffeezeit.
Wovon ich nichts wusste, war die Spielzeit der Kinderrockband Randale. Die Herren waren kurz vor mir dran und somit fand ich mich auf der Bühne zwischen lauter kleinen Kindern wieder, die sich - bis auf ein paar wenige Ausnahmen - scheinbar herzlich wenig um mich kümmerten.
Es war relativ laut. So laut eben, wie Kinder nun mal sein können. Ein paar Mal hätte ich am liebsten irgendwas genervtes rumgebrummelt, besann mich dann aber und wurde mir bewusst, dass ja die Kleinen hier noch nichts wissen und sicher auch noch nicht wissen wollen, von all den traurigen Geschichten, die ich besang und die das Leben auch für sie noch bereithalten würde. Als ich ihnen zwischendurch ein fast schon schüchternes, aber humorvolles "Hey, der Onkel will was singen!" durch's Mikro entgegenflüsterte, hab ich damit wenigstens die jungen Eltern zum Lachen gebracht.
Aber so ganz verloren war ich ja auch nicht. Es scheint die Lütten beeindruckt zu haben, dass da nun so ein großer, langer Typ mit Gitarre steht und sie praktisch mit auf der Bühne sitzen konnten. Und von einem kleinen Mädchen im Kindergartenalter durfte ich mir dann den Ritterschlag abholen, indem sie sagte, dass ich "sehr schön Gitarre spielen" kann. Na, dann kann's ja jetzt losgehen mit der großen Karriere!
Schliesslich waren die 30 Minuten dann schon wieder ziemlich schnell vorüber, ich hab meine Sachen gepackt, noch ein Getränk genommen, die nächste Bahn geschafft und dann kam ja auch bald schon wieder Bundesliga.
Was mit dem schönen Bunker Ulmenwall passiert, bleibt abzuwarten. Dass uns seit dem letzten Jahr schon das Kulturkombinat Kamp fehlt, ist doch schlimm genug. Ich hab das Ding noch nicht aufgegeben. Die alten Schiffe sind noch so was von seetauglich! Sie kosten nur eben etwas Unterhaltung.

23.02.13 - Pforzheim, Kulturhaus Osterfeld

Es liegen mehr als 5 Stunden Autofahrt vor mir. Das Wetter ist diesig, auf den Straßen ist es matschig. Das strengt an, aber die Vorfreude auf heute Abend überwiegt, denn an gleichem Ort hatte ich vor ziemlich genau einem Jahr einen sehr schönen Abend. Und warum sollte das nicht noch einmal so sein können?
Da ich frühzeitig in der Stadt ankomme, fahr ich direkt in das gute Hotel, in welchem ich mich nun schon zum zweiten Mal wohlfühlen darf, mache mir das Radio an und bin gespannt auf die Bundesliga-Konferenz. Die packende Schlussphase und ein paar entscheidende Tore bleiben mir allerdings verborgen, da mich die Müdigkeit mit aller Kraft in die weichen und weißen Kissen zieht, was widerum zur positiven Folge hat, dass ich nachher ziemlich ausgeschlafen und fit auf der Bühne stehen werde.
Im Kulturhaus sehe ich ein paar bekannte Gesichter aus dem letzten Jahr wieder. Die Stimmung ist gut, ich freu mich sehr auf das Konzert. Heute ist sogar Familie am Start, Verwandschaft wohnt in der Nähe. Das macht mich etwas mehr aufgeregt, ist aber alles im Rahmen.
Zwischen den Liedern gerate ich wiederholt ordentlich in's Erzählen, manches Mal eventuell sogar etwas zu sehr. Das kann man ja demnächst mal ändern und etwas einschränken. Ist ja auch immer tagesformabhängig. Andererseits wird mir später am Merch-Stand sogar "vorgeworfen", dass ich nicht vor jedem Song etwas erzählt habe. Die Geschichten zu den einzelnen Liedern scheinen den Leuten doch zu gefallen.
Wir sitzen nach dem Konzert noch auf ein Glas Wein beisammen und um Mitternacht kommt sogar noch ein kleines Geburtstagsgeschenk auf den Tisch. Gibt's doch gar nicht! Die vergessen hier nichts, die lieben Leute aus dem Kulturhaus Osterfeld. Ich würd' gern - also irgendwann - mal wiederkommen, wenn ich darf. Gefällt mir hier.

22.02.13 - Schöningen, Palas im Schloss

Mir ist ganz schön mulmig vor dem heutigen Abend. Ich spiele mein Konzert innerhalb einer Kabarett/Kleinkunst-Reihe, für die das interessierte Publikum auch Abo-Karten kaufen kann. So kommt es, dass ich an diesem Abend vor über 200 Leuten spielen werde, von denen allerdings etwa 160 Abonnenten sind.
Das Konzert findet in einem Schloss statt und als ich ankomme und in den riesigen Saal trete, fällt mir das erste Mal das Kinn auf die Erde. Größer ging's wohl nicht? Hier ist so viel Platz! Andererseits freu ich mich total über die große Bühne und über den tollen Sound, der mich dann später durch den Abend begleitet. Na ja, und 200 Leute brauchen eben auch Platz.
Als ich 1 Stunde vor dem Konzert im Restaurant des Hauses mit meinem Abendessen sitze, seh ich nach und nach all die Leute ankommen, von denen der größte Teil der ü60/ü70-Gruppe zuzuordnen ist. Ganz junge Leute sind kaum auszumachen. Wüsste ich es nicht besser, würde ich denken, hier spielt heute Hannes Wader oder James Last.
Während ich die ersten Töne auf der Bühne spiele, bemerke ich das Kaugummi in meinem Mund. Das stört und muss weg. Ich gehe Richtung Seitenrand und spucke es hinter den Vorhang - leider sichtbar für mindestens den halben Saal. Fehler! Verdammt großer Fehler! In 'nem kleinen, abgerockten Schuppen - nicht optimal, jedoch wahrscheinlich ok. Aber hier, auf dieser Kabarettbühne, vor diesem Publikum?! Ich bemerke ein Raunen im Saal. Diese prollige Rockstargeste hätte ich mir gut und gerne schenken können. Passiert mir ganz sicher nicht noch mal! Hoffe ich jedenfalls!
Man merkt ja in der Regel nach 2-3 Songs wie die Sache so anläuft. Sind die Leute gut drauf? Entspannt? Freudig erregt? Bekommen wir einen guten Draht zueinander? Nähern wir uns schon an? Von all dem ist hier oben auf der Bühne bei mir nichts zu spüren. Was ich bemerke, ist einzig und allein, dass ich hier stehe und sie dort sitzen und zwischen uns ein riesiger emotionaler Graben ist. Und dieser ist im Moment für mich noch unüberwindbar. Meine Geschichten zwischen den Liedern scheinen nicht ihren Nerv zu treffen. Nach den Songs höre ich in jedem Applaus nur Höflichkeit, keine Begeisterung. Mir fällt sogar auf, dass ich hier vor diesem Publikum anders rede, als ich es normaler Weise auf der Bühne tue, also nicht etwa andere Geschichten erzähle, sondern es hier und heute mit weniger Slang und mit viel deutlicherer Aussprache tue. Ich möchte mich ihnen anpassen, weil ich glaube, dass ich ihnen so näher komme. Ich fühl mich nicht gut. Gar nicht gut. Wie viele Songs noch bis zur Pause?
Nach dem ersten Set kommt Rainer, der Veranstalter, - ein ruhiger Typ, der mir sehr sympathisch ist - zu mir in die Garderobe und ich sehe ihn wohl etwas ratlos an. Er mich übrigens auch. Es hat aber auch etwas humorvolles. Rainer erzählt, dass sich schon ein paar Abonnenten verabschiedet haben mit den Worten: "Das ist ja richtig gut, was der Junge da macht, aber wir sind dafür einfach zu alt." Ok, das ist der Haken. Mit 60 würde ich wahrscheinlich auch keinem 30jährigen mehr dabei zuhören wollen, wie er sich seinen Liebeskummer aus dem Leib singt, sondern würde mich wahrscheinlich auch eher an meiner Altersklasse orientieren. Ach, wer weiß?!
Reichlich unsicher gehe ich also zurück auf die Bühne und will das zweite Set starten. Und was passiert da, als ich noch nicht mal die Gitarre in der Hand habe. Begeisterter Applaus und Jubel-Rufe! Was ist das denn jetzt? Ein paar Reihen sind frei geworden, aber die Leute, die nun noch da sind - und es sind ja nach wie vor nicht wenige - die haben anscheinend total Lust auf mehr und empfangen mich herzlich! Diese zweite Hälfte des Abends ist nicht mit der ersten zu vergleichen. Ich freue mich, werde entspannt und genieße die noch bleibende Zeit auf der Bühne. Als ich nach einer Zugabe die Treppenstufen von der Bühne zum Garderobenflur hinaufspringe, bin ich ziemlich glücklich.
Es folgen noch einige gute Worte am Merch-Stand und als der Saal leer ist und ich die Gitarre hoch auf mein Hotelzimmer gebracht habe, welches sich hier im Haus befindet, kommt wieder dieser Ich-bin-noch-total-aufgedreht-aber-hier-ist-absolut-nichts-los-Moment. Ich geh gut eingepackt nach draussen in den Schnee, laufe einmal um's Schloss, die Straße hoch und runter, dann noch mal um's Schloss, aber mehr geht hier echt nicht. Die letzten Hotel-Mitarbeiter schliessen die Türen ab und fahren nach Hause. Ich bin froh über die Erfahrung, die ich heute hier vor 1-2 Stunden gemacht habe und geh wieder rein. Hier ist der Hund begraben.

16.02.13 - Kiel, Prinz Willy

Auf der Fähre von Glücksstadt über die Elbe denke ich daran, was der gute Stan mir am Vorabend in Hemmoor gesagt hat: "Wer auf der Fähre keine Bockwurst isst, der ist nicht Fähre gefahren." Ok, ich habe Appetit und bin dabei. Unterdeck hole ich mir so ein knackiges Würstchen mit Senf und glaube tatsächlich, dass es hier an Ort und Stelle gerade nichts besseres geben kann, als diese leckere Bockwurst. Könnte zur Gewohnheit werden.
Als ich das letzte Mal diese Route fuhr, hab ich unterwegs in irgendeinem Dorf spontan bei einem Bäcker angehalten und mir 2 dicke Stücken Torte gegönnt. Weiß nicht mehr, wo das war, aber hoffe, dass ich wieder an der gleichen Stelle entlangfahre. So kommt es dann auch. Allerdings ist es doch kein Dorf, sondern Itzehoe, wirkt aber fast wie ein Dorf, zumindest wie ein recht kleines Nest. Die Torte ist noch immer so lecker wie damals. Es gibt Dinge, die sollte man unbedingt so weiterführen.
Als ich in Kiel ankomme, will ich mir eigentlich eine Fussballkneipe suchen, aber dann ist die Müdigkeit doch größer. Bin froh, dass ich überhaupt zeitig wieder wach werde.
Bei Willy läuft alles ganz ruhig an. Soundcheck ist gut. Hier fühl ich mich immer total wohl, bin heute zum 6. Mal hier. Mit Herms Kruse bin ich vor dem Konzert noch zum Radio-Interview verabredet und während wir so reden und reden, füllt sich der Laden immer mehr und ich frag mich irgendwann, wie das denn sein kann, wo all die Leute herkommen, was die hier wollen und dann noch so viele junge und hübsche Menschen. Das kann ein guter Abend werden.
Vor der Pause erzähle ich vom Vortag, dass die Leute den Chor mitsingen wollten und dann am Ende nur ein paar Leute wirklich am Start waren. Kiel ist begeistert und will mich davon überzeugen, dass sie hier den besseren Chor abgeben. Ich mag erst nicht, lasse mich aber überreden und was soll ich sagen? Es darf vorweggenommen werden, dass Kiel den inoffiziellen Wettstreit um den besten Tour-Chor haushoch für sich entscheidet. Noch lange nachdem das Konzert zu Ende sein wird, höre ich die Chor-Melodie von den jungen Ladies in der ersten Reihe immer mal wieder durch den Raum fliegen. Da ist doch echt was hängengeblieben. Gefällt mir.
Als alle Gäste den Laden verlassen haben, holt Willy zu meiner Verwunderung einen Fernseher von hinten, schliesst ein Antennenkabel an und der Konzertraum wird kurzerhand in ein Wohnzimmer umfunktioniert, denn es läuft eine Samstagabend-aus-einer-Kneipe-in-Hamburg-Sendung, in der Sea & Air auftreten, die Willy auch schon bei sich zu Gast hatte. Danach mach ich mich aus dem Staub und suche für einige Zeit noch die ruhigen Stellen unten am Wasser. Ich fühl mich so wohl, dass ich die Kälte gar nicht spüre.

15.02.13 - Hemmoor, Kulturdiele

Das erste Solokonzert nach fast 1 Jahr. Ich freu mich seit Tagen drauf. Freu mich auch auf die Fahrt, denn ich wähle die Route ohne viel Autobahn. Wieder über die Dörfer und Landstraßen. Bringt aber nicht viel, denn die letzten 2 von 3,5 Stunden Fahrt sehe ich so gut wie nichts. Es liegt alles in dichtem Nebel.
In der Kulturdiele angekommen bietet sich mir dann ein ganz anderes Bild, als ich es im Kopf vor Augen hatte. Viel größer hatte ich diesen Laden in Erinnerung. Beim letzten Mal war's ziemlich gut hier und das wird es auch heute. Auf der Bühne stehen 2 alte Sessel und eine Stehlampe, dazu das ganze Holz an den Seiten und unter der Decke. Gemütlichkeit. Ich freu mich über die Gesichter der Culturkreis-Menschen, die das hier machen, von denen ich viele noch vom letzten Mal wiedererkenne. Auch aus der Nachbarschaft in Cadenberge treffe ich alte Bekannte. Entgegen meinen eigentlichen Gewohnheiten bin ich heute total entspannt - bis zu dem Zeitpunkt nach dem Essen, als Birte (von denen gibt's hier 2) mich fragt: "Wollen wir in 5 Minuten anfangen?" Da ist es vorbei mit der Ruhe und ich bekomme schlagartig zitterige Finger. Schlimm ist das wieder, dann aber auch recht schnell alles wieder auf normalem Level.
Vor "Hals über Kopf" erzähle ich den Leuten, dass auf der Platte ein Chor den Schluss des Liedes singt. Ebenso sage ich aber, dass ich heute die Ohne-Chor-Version spielen werde. Es gibt ein paar Zwischenrufe, dass wir doch alle singen könnten - und ich Knalli lass mich drauf ein. Ich sag noch: "Hey, wenn Ihr mich hängen lasst...!" Neiiiiin!!! Wir machen mit! Ok. Es kommt ganz anders. Am Ende hab ich das Gefühl, das vielleicht 10 Leute mitsingen und die trauen sich auch nicht so richtig. Aber zusammen drüber lachen können wir dann am Ende alle.
In der Pause erzählt mir Techniker Thomas noch kleine Anekdoten von seinem Tourleben mit Peter Kraus. Da steht einer schon 50 Jahre auf der Bühne und hat dann doch noch immer Lampenfieber. Find ich gut.
Nach dem Konzert empfiehlt Stan mir auf sehr sympathische Art für den nächsten Tag noch die Bockwurst auf der Fähre und kurze Zeit später, als alle Lichter aus und alle Türen abgeschlossen sind, bietet sich mir dann das gleiche Bild wie vor 2-3 Jahren an selber Stelle. Hier ist nachts alles duster, der Hund begraben. Ab in's Bett!

18.01.13 - Bielefeld, Falkendom / Album-Release-Konzert

Unser erstes Konzert nach den Aufnahmen zur neuen Platte! Heute ist Geburtstag! Ab heute ist das Album da! Diesem Abend hab ich die letzten Monate so entgegengefiebert, dass ich es gar nicht recht in Worte kleiden kann. Mir bedeutet diese zweite Platte so viel. Nicht die Songs als solche, sondern die Tatsache, dass einem die Möglichkeit gegeben wird, auf dem Level überhaupt ein zweites Album aufzunehmen. Es ist vieles gewachsen in den letzten 3 Jahren.
Von meiner Wohnung könnte ich eigentlich zu Fuß zum Falkendom gehen, aber dafür sind mir Gitarre und die CD-Kartons dann doch zu unhandlich. Ich freu mich auf die Leute hier, André und Ben. Herzliche Begrüßung. Entspanntes In-Den-Abend-Hineinkommen. Ganz so entspannt bleibt es dann allerdings nicht, denn der Technikverleih, der die Anlage stellt, hat jede Menge kaputtes Zeug mitgeliefert. Es müssen mehrmals Dinge ausgewechselt oder umgesteckt werden, um Lösungen zu finden. So spielt Falk heute schliesslich komplett ohne Monitor, versucht sich mit mir und unseren Bläsern zu arrangieren. Utz und Gunnar teilen sich einen Kanal. Nicht optimal. Draußen stehen schon Leute, als wir noch Banjo, Lapsteel und Bläser testen müssen.
Als ich dann erstmals aus dem Backstage nach draußen gehe, treffe ich Familie und jede Menge mir bekannte Gesichter aus den verschiedensten Ecken. Ein Blick in den Saal und... was ist denn hier los? Was wollen all die Leute hier? über mangelndes Interesse können wir uns heute Abend nicht beklagen. Volle Bude!
In der Stunde zwischen Einlass und Beginn haut mein Kumpel Schnitzel a.k.a. DJ Papa Goschi den Gästen feinsten Soul und die fettesten Sounds der letzten 40 Jahre UK um die Ohren. Meine Band ist ebenso begeistert und will im besten Fall den guten Schnitzelmann als Vorprogramm mit auf Tour nehmen. Dieser haut noch "Midnight Rambler" und "Are you ready" raus und dann... Open the cage and let the tigers out! (wie es der olle Keef mal gesagt hat.)
Das Konzert läuft gut, ist für alle Seiten kurzweilig. Ansonsten kann ich hier gar nicht recht was festhalten. Es war ein großes Vergnügen! Geht man nach dem ganzen Feedback, was danach auf uns und mich zukommt, war es sogar viel mehr als das. So kann's doch weitergehen.
Die Jungs gehen noch rüber in's Forum, wo Wladimir Kaminer zur Russendisko auflegt. Für mich ist das nix. Ich mach mich auf den Heimweg. Ist ja nicht weit.

23.06.12 - Bielefeld, JZ Kamp / Expulsion From Paradise Festival

Letzter Vorhang. Letzer Abend. Letztes Konzert. Letzte Bands und letztes Publikum. Das Kamp macht dicht bzw der Kulturkombinat Kamp e.V., welcher hier die letzten Jahre mit aller Kraft durch die unebene Landschaft Bielefelder Subkultur gesteuert ist, gibt auf, muss raus aus diesen Räumen. Keine Kraft mehr. Irgendwann ist Schluss. Schade.
Neun Bands wurden eingeladen, um hier noch einmal Alarm zu machen. Darunter durchaus Dinosaurier der Bielefelder Musikszene. Das geht durch alle Genres. Wir sind mittendrin. So ein Abend mit Festivalcharakter gefällt mir ja sehr gut. Man trifft andere Bands. Mit manchen kommt man mehr in Kontakt, mit anderen weniger.
Wir spielen im letzten Drittel des Abends und besser hätten wir es nicht erwischen können. Trotz der minimalen Zeit, die wir in der Umbaupause haben, steht der Sound astrein und wir liegen optimal im Timing. Lass mal aufdrehen! Der Saal ist voll, wir sind gut drauf und zeigen den Bielefeldern, dass es sich bei meinen Songs nicht immer nur um die ganz leisen Töne handelt. Man begrüsst uns mit Sympathie und verabschiedet uns mit großer Begeisterung. Das darf ich einfach mal so festhalten.
Das Ende vom Kamp ist natürlich immer wieder Thema in den Gesprächen an diesem Abend. Ich selbst kann mir das noch gar nicht recht vorstellen. Ich war hier so oft, manches Mal auf, und unzählige Male vor der Bühne. Auf dem Heimweg hab ich die Zeilen unseres letzten Songs im Ohr: "Es geht manches nie vorbei..."

15.06.12 - Bielefeld, Uni, Radio Hertz 87,9 Studio / Nacht der Klänge

Einmal im Jahr wird die Uni in Bielefeld zur Festivalbühne. In Hörsälen, auf den großen Fluren, in Unterrichtsräumen und sogar in der Mensaküche finden Konzerte statt. Mich hat man für 2 kürzere Sets in die Studioräume vom Uni-Radio eingeladen. Klein und gemütlich ist es hier.
Als ich auf der improvisierten Bühne meinen Soundcheck machen will, liegen in den Sofas mir gegenüber ein paar junge Menschen - wahrscheinlich zur Radio-Mannschaft gehörend -, die einen Soundcheck in Ruhe unmöglich machen. Ich warte erst kurz ab, aber nachdem es nicht besser wird, bitte ich um Ruhe und ernte völlig überraschte Blicke. In solchen momenten frag ich mich manchmal, ob da in den Köpfen dann dieses Ding losgeht: Ach, ja, ist also doch eine Diva, der Mann! Aber vielleicht kommt mir das ja auch nur so vor und alles ist gut.
Die Tatsache, dass mein Konzert hier live in's Radio rausgeht, macht mich ziemlich nervös. Ausserdem knarrt der Bühnenboden so derbe, dass ich mich wegen der übertragung kaum traue, mich irgendwie von der Stelle zu bewegen. Ist auch kaum Platz dafür da.
Als ich mit dem ersten Set fertig bin sehe ich verwundert, wie der Technikmann auf dem kleinen Pult direkt neben der Bühne alle Regler runter auf Null zieht. Ich frage ihn: "Sag mal, hast Du Dir gar keine Markierungen gemacht?" Er antwortet wie selbstverständlich: "Nein. Da schauen wir einfach gleich, wie's passt." So klingt es dann auch. In meinem zweiten Set ist alles anders, der Soundcheck völlig umsonst, leider auch nicht komplett zu restaurieren. Schwierig ausserdem, dass nun in der zweiten Hälfte der Raum zwar brechendvoll ist, aber mindestens zur Hälfte mit Leuten, die sich lauthals und sehr angeregt miteinander unterhalten. Mir wird das schnell zu viel und so mach ich eine Ansage, dass es sich doch draussen sicher auch ganz gut unterhält. Dieses Mal ernte ich echte Dieser-arrogante-Typ!-Blicke von ihnen, aber in diesem Fall ist mir das egal.
Schade ist ebenso, dass der Moderator im silbernen Jacket einen Song früher als verabredet die Bühne stürmt und mir somit meinen Abschlusssong nimmt. Ach, Mensch, ich guck mal, ob's hier irgendwo was zu Essen gibt.

19.05.12 - Spenge-Bardüttingdorf, Warmenau Open Air

Vor einem Jahr haben ein paar junge Leute hier im Dorf gesagt: Lass uns doch mal ein Festival machen! Es fand sich eine Familie, die ihren Bauernhof zur Verfügung stellte und das Ganze lief damals überraschend gut an. Mittlerweile sieht es so aus, dass Abends während der zwei letzten Bands der Platz vor der Bühne rappelvoll mit feierwütigen und tanzfreudigen Menschen aller Generationen ist.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich Bedenken hatte, als man mich fragte, ob ich hier solo spielen will. Es gäbe eine kleine Nebenbühne in einem Zelt für die ruhigeren Acts des Abends, so hatte man mich beruhigt. Abseits der Hauptbühne und der Bierbuden. Dort ist es ruhiger. Das waren die Worte. Als ich ankam, bin ich also zunächst mal an der großen Bühne vorbeigegangen, weil ich dachte, irgendwo weiter hinten wird ja dann das kleine Zelt stehen. Da war aber nur noch Kuhwiese.
Henning, der Häuptling des Abends, sah mich offenbar schon suchend über den Acker ziehen und führte mich dann mitten in's Getümmel. Zur Nebenbühne. Zum Gartenpavillon. Ich war skeptisch und meine Bedenken bestätigten sich während ich nachher mein Set spielte. Es waren zwar in einer guten Anzahl interessierte Leute vor Ort, aber eben auch die jenigen, die sich freuten, dass man bei Bier und Wurst mal wieder mit allen Nachbarn so richtig schön einen schnacken konnte.
Die Familie, die direkt 4-5 Meter neben mir auf den Bierbänken unter regelmässig lautem Gelächter die neuesten Dorf-Geschichten austauschte, hätte ich am liebsten nach jedem Lied angefahren, ob sie sich für ihr eigenes Entertainmentprogramm nicht ein anderes Stück Wiese auf diesem riesigen Gelände suchen wolle. Aber es macht ja keinen Sinn. Ich bin ja auch nur Gast hier. So spiele ich meine Lieder, spüre Erleichterung, als ich damit durch bin, versorge mich mehrmals mit Cola und Bratwurst und bin dann 1 Stunde später völlig begeistert von den Lokalmatadoren Crystal Pasture. Im Laufe des Sommers werde ich mir diese Band aufgrund dieses ersten, völlig mitreissenden Konzertes noch einige Male immer wieder mit großer Freude ansehen. Hat dieser Ausflug sogar noch ein gutes Finale.

29.04.12 - Enger, Kirschblütenfest

Der Autoscooter nervt, er ist laut und stört bei den ruhigen Passagen. Mein Gesangsmikro fällt aus - ausgerechnet bei einem neuen Song. Mein Monitor ist offensichtlich durchgerauscht. Es gibt nicht viel, was es heute wert wäre, dass ich es hier aufschreibe. Kein guter Abend.

28.04.12 - Dassel-Eilensen, St. Anna Kapelle

Endlich mal keine Autobahn! Ich fahre 2 Stunden nur über Landstrassen und durch Dörfer und kleine Städte. Das gefällt mir gut.
Das Dorf, in dem die kleine Kapelle steht, die heute zum Konzertsaal wird, hat 200 Einwohner. Das ist nicht all zu viel. Wäre ich hier bei einer Durchfahrt vom Weg abgekommen - vielleicht auf der Suche nach etwas Essen oder Trinken - ich wäre nie im Leben auf die Idee gekommen, dass hier neben einem Hühnerstall zwischen einer Handvoll Einfamilienhäusern in dieser kleinen Kapelle ein Konzert stattfinden würde.
Vor der Kirche hat der ortsansässige Kulturverein eine Grillhütte aufgestellt. Ich hab Appetit, fühle mich wohl hier. Beim Soundcheck kommt kurz die Frage auf, ob wir es ganz ohne P.A. versuchen sollten, aber dann hört der Techniker, dass ich manches so wahnsinnig leise spiele und singe, sodass wir uns doch für die gängige Art und Weise entscheiden.
Das Konzert macht mir Spass. Von kleinen Kindern, die während der Pause nach Hause in's Bett müssen, bis zur Oma ist wie schon vor 2 Tagen in Wedemark jede Generation vertreten. Eine Dame auf der Empore ist sehr kommunikativ und somit erfahre ich während des Konzerts von ihr unter anderem, dass sie aus Berlin angereist ist. Ich gehe davon aus, dass es nicht ausschliesslich was mit mir zu tun hat.
Nachdem Konzert geht's noch zur Gastgeberfamilie nach Hause in die gemütliche Küche mit leckerer Suppe, Käse, Salat, tollem Wein und selbstgebackenem Brot. Ich kann mich hier nur wohlfühlen!
Viel später als vorher gedacht ruft dann schliesslich das Hotelbett im Nachbardorf, aber nicht ohne vorher noch auf der Unterseite von einem der Küchenstühle zu unterschreiben. Eines der Kinder, für die längst Schlafenszeit ist, bringt einen dicken Edding und dann gehöre auch ich zu den Musikanten, auf denen man von nun an tagtäglich am Küchentisch sein Sitzfleisch platziert.

26.04.12 - Wedemark, Bürgerhaus Bissendorf

Wie man manchmal in die völlig falsche Richtung läuft! Auf dem Weg nach Wedemark bekomme ich eine SMS unterschrieben mit "Alex", dass es doch schade ist, dass er nicht eher von meinem Konzert wusste, denn ansonsten wäre er gern vorbeigekommen, da die eigene Praxis ja direkt gegenüber dem Bürgerhaus liegt, in dem ich heute spielen werde. Ich staune und schreibe widerum meiner Schwester eine SMS: "Hey, wusstest Du, dass es Alex schon zu einer eigenen Praxis gebracht hat? Nicht schlecht! Ich dachte allerdings, er wäre in Berlin. Es hat ihn aber scheinbar nach Wedemark verschlagen." Meine Schwester antwortet (wahrscheinlich lachend), dass es nicht der Alex aus früheren, gemeinsamen Musikertagen ist, sondern die Alex, die mit x, dem Bruder von y zusammen ist, und die dort, wohin ich nun auf dem Weg bin, eine Praxis der ganz anderen Art betreibt, als der Alex in Berlin, den ich vor über 10 Jahren mal in seinem Praktikantenbüro einer ziemlich großen bis sehr großen Plattenfirma in Hamburg besucht habe. Ja, Mensch! Sachen gibt's!
Als ich etwas später als geplant in dem schönen Bürgerhaus ankomme, beruhigt man mich, wir hätten noch genügend Zeit und wären alle ganz entspannt. Das wird sich im Laufe des Abends bestätigen. Ich lande hier bei Angela und ihrem Team, die allesamt eine ruhige und sehr angenehme Art haben, mit der ich mich sehr gut anfreunden kann. Die beiden Jungs an der Technik sind gute Typen, ruhig, sehr kompetent. Das wird super!
Der Raum, der hier bespielt wird, ist zwar groß, aber hat durch viel Holz einen recht hohen Gemütlichkeitsfaktor. Das gefällt mir. Ebenso gefällt mir, dass das hier heute scheinbar ein Konzert vor 3 Generationen wird. Als die Türen sich öffnen, sehe ich Menschen meinen Alters, den Großteil jedoch im Alter meiner Eltern und noch 'ne Schippe drauf. Das macht die Sache immer besonders interessant. Wie reagiert die Generation ü50 oder auch ü60 auf das Befindlichkeitsgejammer eines... mhm, Anfang-30jährigen? - Es funktioniert sehr gut und es wird im Laufe des Konzertes viel gelacht über die Geschichten zwischen meinen Liedern. So soll es sein. Ich merke, wie ich diese kleinen Erzählungen immer besser einzubauen weiß.
Als ich das normale Set schließe, nehmen mich noch fast auf der Bühne Veranstalterin Angela und ihre Kollegin mit 2 Rosen in Empfang. Hui! Ich weiß nicht recht, ob ich sie mir in's Fenster stellen werde und verschenke sie beim Gang zur Zugabe gleich weiter an die Ladies in der ersten Reihe, die - etwa in meinem Alter - wohl zu den jüngsten hier und heute gehören. Für den weiteren Verlauf des Abends soll mir das allerdings keine Vorteile verschaffen.
Was ich vor dem Konzert oft wegen der Aufregung nie runterbekomme, versuche ich manchmal hinterher backstage in erhöhtem Maße noch zu mir zu nehmen. Das scheint bei den Damen den Mutterinstinkt zu wecken und somit bekomme ich für das voraussichtliche Mitternachtsmahl im Hotel noch einen vollen Teller vom Catering eingepackt.
Man lässt es sich ausserdem nicht nehmen, mich trotz meines Navis bis zum Hotel zu begleiten bzw vorwegzufahren, sodass ich auch wirklich heil dort ankomme. Das sind so die kleinen Dinge, an denen man merkt, wie sehr sich die Leute hier kümmern und auch das rundet solche Treffen auf sehr angenehme Art und Weise ab.
Es ist zwar schon spät, aber die Nacht noch jung, und so wird eine SMS an meinen Lieblingsmanager mit einem Anruf seinerseits beantwortet und wir reden knapp 2 Stunden u.a. über Konzerte auf'm Dorf und kulturfördernde sowie kulturhungrige Menschen abseits der Metropolen - er im Ruhrgebiet und ich auf'm Bordstein an der Landstrasse sitzend in dem Dorf, in dem, wie man mir sagte, Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker sein heimeliges Anwesen hat. Wenn das jetzt nicht stimmt, gibt's wieder Leserbriefe!

10.03.12 - Gütersloh, Theater Studiobühne

Wann haben wir denn das letzte Konzert mit der ganzen Band gespielt? Ist fast 1 Jahr her, glaube ich. Wir freuen uns tierisch auf den Abend. Die 3 Bläser sind auch dabei und die haben dieses Mal auch noch mehr zu tun, als auf den bisherigen Konzerten.
Vor 1,5 Jahren haben wir mal nebenan im großen Saal gespielt zur Eröffnung des Theaters. Daraufhin wurden wir nun für unser eigenes Konzert noch mal eingeladen und bespielen heute die kleinere Studiobühne. Der Saal ist komplett bestuhlt und ich frag mich, ob das bei dem Band-Konzert so funktioniert, aber es wird.
Der Soundcheck zieht sich ziemlich hin, sodass am Ende nicht mal mehr Zeit zum Essen bleibt. Die Mahlzeit wird also auf die Nacht verschoben und ich bin froh, dass mir nach langer Suche von einer guten Fee wenigstens noch ein Schokoriegel zugeschoben wird.
Familie hat sich angekündigt, was mich immer noch mehr nervös werden lässt, als ich es so schon bin. Aber das ist in diesem Fall nur vorher so schlimm, während der Show denk ich da nicht mehr dran.
Nachdem es die letzten Tage solo doch sehr ruhige Abende waren, langen wir heute mit der Band und voller Ausrüstung so richtig schön hin. Es macht mir vom ersten Song an unglaublich viel Spaß mit den Jungs zu spielen, auch wenn ich mich sofort im ersten Song gleich mal schön im Ablauf vertue und den Schlussteil von "Größer als du" einfach mal vor Falks Gitarrenpart setze. Macht nix. Weiter geht's.
Wir spielen also auch alle neuen Songs nun erstmals mit der Band und es funktioniert prima und auch den Leuten gefällt es scheinbar sehr gut, wie man zum Einen am Applaus hört und wie mir zum Anderen auch im Nachhinein erzählt wird. Wir grooven, tänzeln, stampfen, jagen und schleichen uns durch unglaubliche 21 Songs und es ist scheinbar total kurzweilig.
Meine Solo-Songs haben wir heute Abend an's Ende des Sets gelegt. Gunnar fragt mich noch, bevor ich wieder allein auf die Bühne gehe: "Wieviele Songs spielst du denn nun?" "Ja, weiß ich auch nicht. 2 oder 3, kommt drauf an, ob ich mich traue." Ein paar Sekunden später stehe ich am Mikro und versuche zu erklären, dass ich einen ganz neuen Song (den aus Pforzheim vor ein paar Tagen) gern hier und jetzt zum ersten Mal spielen würde, aber ich wäre sehr unsicher, ob das denn schon klappen würde. "Wir sind ja bei dir.", ruft jemand aus dem Publikum. "Genau das ist das Problem.", ist meine logische Antwort. Aber egal, ich möchte den Song ja auch so gern spielen. Also los, es ist total still, Du hörst im Saal jeden Knacks und jede Bewegung und irgendwann mittendrin fühlt es sich so an, als wären diese gesungenen Zeilen grad das Selbstverständlichste auf der Welt.
Aber was nun? Der Song ist gespielt und die Band kommt schon wieder rein. "Hey Jungs, ich hab erst einen Song gespielt!" "Was?! Das ist doch schon total lange!" "Ja, wir haben noch bisschen geschnackt hier, die Leute und ich." Also spiel ich noch 2 Lieder allein, bevor wir hier mit "Tag für Tag" die Bude abreissen.
Ich bin klatschnass, völlig fertig und total platt. Herrlich! Nachdem lange später alles abgebaut und verstaut ist, finden 5 von uns 8 noch einen Italiener in der Nähe, der uns nach 23 Uhr noch Nudeln zubereitet. Wir legen noch die eine oder andere Rock'n'Roll-Story auf'n Tisch und ich freu mich, mit den Jungs hier zu sitzen. In 2-3 Monaten nehmen wir die neue Platte auf.

07.03.12 - Hamburg, Hasenschaukel

Morgens in Berlin ist nach der schönen Bäckersfrau, die mir mein Frühstück reicht, das erste, was ich sehe, ein Strafzettel an meinem Auto. Aber ich bin gut gelaunt und freu mich auf die ruhige, entspannte Fahrt mit Niels Frevert und Tom Liwa auf CD und ich freu mich auf Hamburg!
Nach einem kleinen Familienbesuch in meiner Lieblingsstadt geht's auf'n Kiez zur Hasenschaukel. Oh, bin ich zu früh? Ok, dann geh ich noch mal runter an's Wasser. Es regnet, aber das macht mir hier nichts. Wenn ich in Hamburg unten an der Elbe bin, dann kann so'n Schietwetter sein, das ist mir egal. Hier kann ich immer, wenn's auch nur für kurze Zeit sein sollte, abschalten und den Wind und die Wellen geniessen.
An diesem Abend geh ich 2x den Weg runter zum Wasser: eben vor'm Aufbauen / Soundcheck und dann noch mal vor dem Konzert. Beim zweiten Mal wird mir auf dem Rückweg allerdings kurz etwas komisch, weil mich an einer dunklen Ecke 3 Typen anquatschen, die mich auf dem Hinweg schon anvisiert haben und ich frage mich kurz, wie viel Geld ich eigentlich in der Tasche habe. Ich entkomme, bin schnell einige Meter weiter und wenig später in der Hasenschaukel. Es kommen einige Freunde und Bekannte und ich freu mich, sie alle wiederzusehen.
Wir kommen sehr gut miteinander klar, die Leute und ich. Schon nach 2 Songs fragt ein interessierter Herr, wie ich denn nur so ruhig spielen könne, ob das denn nicht schwierig wäre. Der gleiche Herr fragt mich gegen Ende des Sets auch, ob ich denn "Sonnenschein" wohl noch spielen würde. Ein leichtes Lächeln geht quer durch den Raum. Nebenleute klären ihn auf, dass ich den Song bereits gespielt hab. Der junge Mann ist total verwirrt: "Was?!", und ich kann ihm nur sagen, dass es scheinbar genau dann war, als er sich in der Raucherhöhle nebenan ein Zigarettenpäuschen gönnte. Er tut mir ernsthaft ein bisschen leid.
Der Abend wird noch etwas länger mit zunächst lockeren und später ernsten Gesprächen und dann mach ich mich auf den Heimweg. Wir proben morgen Abend mit der Band und ich hab keine Lust, tagsüber auf der Autobahn zu hängen. Nachts um 2 Uhr bin ich auf genau dieser, genieße wieder die Lichter im Hafen, nachdem ich aus dem Elbtunnel komme und bin nach 2 Stunden Regenfahrt kurz nach 4 Uhr zuhause. Und ziemlich platt bin ich dann auch.

06.03.12 - Berlin, Kaffee Burger

Kurz vor'm Berliner Ring ist das Navi plötzlich aus. Kein Strom mehr vom Auto. Akku auch leer. Scheinbar hat sich das Kabel verabschiedet. Meinen Atlas hab ich dieses Mal versehentlich ganz zuhause gelassen. Sehr ungünstig.
Ich weiß, dass das Kaffee Burger in etwa in der Nähe der Volksbühne ist. Daher kann ich ohne Hilfsmittel erstmal bis Berlin Mitte fahren. Mein Telefonakku ist auch fast leer. Ich schreibe meinem Kumpel Tim eine Sms, dass er sich doch bitte ca. 19 Uhr mal in der Nähe seines Telefons aufhalten solle. Als ich am Fernsehturm vorbei bin, ruf ich Tim an: "Tim, rechts von mir seh ich grad dies und links von mir grad das. Muss ich diese Ampel schon rum oder erst die nächste?". 2-3 Minuten später bin ich am Kaffee Burger. Kalt ist es geworden.
Als mir die Tür zum Laden geöffnet wird, stelle ich mich vor: "Hallo, ich bin Ronny. Ich soll heute hier spielen.", und erhalte als Antwort: "Na, wenn's sein muß.", und fühle mich gleich an mein letztes, bisher einziges Berlin-Konzert erinnert. Damals traf ich im Intersoup auf das unfreundlichste Personal unter'm Fernsehturm.
Aber hier ist es dann doch anders. Die Begrüßung scheint Berliner Standard und während ich aufbaue und soundchecke, merke ich, dass ich hier bei den Leuten sehr gut aufgehoben bin. Ach, schön!
Nebenan ist eine leckere Imbissbude. Ich hab Appetit und bin scheinbar gar nicht aufgeregt.
Tim kommt vorbei und hilft mir heute Abend, in dem er zunächst die Kasse macht und mir dann noch bei sich Zuhause einen Schlafplatz für die Nacht vorbereitet hat.
Ich erfahre, dass hier alle 2 Wochen während der Russendisko die Leute auf den Tischen tanzen und kein Stein auf dem anderen bleibt. Heute ist das natürlich anders, ganz anders. Die Leute sind mal wieder ruhig, hören zu und lachen an manchen Stellen über meine mal mehr, mal weniger spontanen Umleitungen, die ich in den Erzählungen zwischen den Songs immer mal wieder einlege. Das Konzert macht mir großen Spaß.
Mit Tim und Sascha wird dann später an der Theke noch die eine oder andere Story an's Tageslicht geholt und irgendwann heisst es dann: Ab in die Kiste!

02.03.12 - Pforzheim, Kulturhaus Osterfeld

Den freien Tag zwischen Frankfurt und Pforzheim wollte ich zunächst in Heidelberg verbringen, aber da sich dort die spontane Zimmersuche als etwas schwierig bzw kostenaufwändig herausstellte, bin ich wieder raus aus der Stadt und weiter Richtung Pforzheim gefahren. Und weil ich dort dann scheinbar direkt durch die hässlichen Teile der Stadt fahre, geht's gleich wieder raus auf die Dörfer. In dem ersten kleinen Nest, durch das ich komme, seh ich ein Schild: "Fremdenzimmer". Das ist mein Zuhause für heute Nacht!
Oben auf'm Zimmer schlaf ich erstmal ein und werde grad rechtzeitig wach, um unten in der Gaststube noch ein warmes Abendbrot zu bekommen. Am Nebentisch sitzen 7 oder 8 Rentner, die mit einem solchen Dialekt reden, dass ich eigentlich kein Wort verstehe, aber trotzdem immer weiß, worum's gerade geht. Ich bestelle mir noch einen viertel Liter Wein und freue mich des Lebens.
Am nächsten Tag geh ich vor dem Soundcheck in Pforzheim noch mal durch die Stadt, die ich aus ein paar schönen Monaten vor vielen Jahren noch kenne. In der Innenstadt stehen Fotos, so groß wie Reklametafeln, auf denen die jeweilige Straße im Jahre 1945 fotografiert ist. Es scheint fast wie ein Entschuldigung, als wolle man den Fremden hier sagen: Sorry, hier wurde alles zerbombt, deshalb ist es nun so hässlich hier.
Im Kulturhaus Osterfeld werde ich freundlich begrüßt und die Leute hier an Licht und Ton sind fit und mir sehr sympathisch. Als ich zwischen Soundcheck und Konzert meine Klamotten in's Hotel bringe, stelle ich fest, dass man es offensichtlich sehr gut mit mir meint. Hab für heute Nacht 'ne ziemlich gute Adresse. Hagen Rether spielt sein Programm heute auch hier, natürlich einige Nummern größer als ich. Klaro! Aber sehen tue ich ihn nicht, weder abends noch morgens beim Frühstück. Bin ja großer Fan des politischen Kabaretts.
In der Studiobühne werden kleine Tische aufgebaut, alles wird sehr gemütlich und ich fühl mich total wohl, auch wenn ich wahnsinnig aufgeregt bin. Scheinbar spiele ich heute vor meinem bisher ältesten Publikum neben Cadenberge im letzten Herbst. Das spielt keine Rolle, aber es fällt mir auf. Manchmal denke ich an solchen Abenden, dass die Leute, die locker 20 Jahre älter sind als ich, sich manchmal vielleicht sagen: "Ach, Junge, im Alter wird das alles anders. In 10 Jahren singst du da ganz anders drüber." Aber vielleicht sind diese Gedanken auch völliger Quatsch.
Ich bin scheinbar auch direkt nach meinem Abgang noch so nervös oder angespannt, dass mir die Hände zittern und Katinka, die mich hier heute Abend betreut hat, mich erstmal wie eine Mama in den Arm nimmt.
Nachdem ich nach Mitternacht noch eine Runde am Fluss entlang gegangen und wieder am Hotel angekommen bin, schlägt das Klischee gnadenlos zu und ich bekomme, so schön diese Herberge auch ist, übles Heimweh, was mich am folgenden Tag dazu bringt, dass ich während der 4 Stunden auf der Autobahn einen kompletten, neuen Text in mein Telefon tippe.
Und dann kurz vor Zuhause? Das seltsame Gegenteil. Von der Autobahn fahr ich ohne Umweg noch mit der Gitarre auf dem Rücksitz direkt und pünktlich um 15:30 Uhr in meine Lieblingsfussballkneipe, sehe mir die Bundesligakonferenz an und gönne mir eine leckere Mahlzeit und wie immer eine Cola ohne Eis und ohne Strohhalm. Als ich dann nach den Spielen 2 Stunden später mit Gitarre und Tasche im Flur meiner Wohnung stehe, weiß ich gar nicht, was ich hier soll. Eine unglaubliche Leere macht sich breit. Ich will wieder weg, will woanders hin, will Konzerte spielen. Ist 'ne ganz einfache Rechnung.
Schon in 2 Tagen proben wir mit der Band und in 3 Tagen fahr ich wieder los. Gut so.

29.02.12 Frankfurt am Main, Das Bett

Ich komme reichlich früh in Frankfurt an und drehe noch eine Runde, was aber gar nicht so toll ist, da ich mich hier scheinbar total ab vom Schuss befinde. Als dann Frank vom Bett den Laden aufschliesst, wird mir drinnen erst mal kurz etwas komisch. Riesige Bühne und großer Saal. Kann gern auch 'ne Nummer kleiner sein. Ok, vorne wird bestuhlt und dann geht das schon. Geht auch wirklich, sehr gut sogar, wie sich später am Abend rausstellt.
Nach dem Soundcheck wird mir von Mario mein Zimmer gezeigt. Wir gehen 50 Meter am Gebäude entlang und als wir unten im Hausflur die Treppe hochgehen, hört man von oben schon ein lautes Piepen. Rauchmelder?!
Oben in der offenen Küche und dem Gemeinschaftsraum stehen zwei junge Mädchen um einen auf dem Boden stehenden, brennenden Kochtopf herum. Das Feuer ist fast 1 Meter hoch und der Rauch sammelt sich unter der Decke. Kann das sein, dass hier grad fast die Bude abbrennt? Während das eine Mädel nur völlig hilflos neben dem brennenden Kochtopf steht und nicht weiß, was zu tun ist, hält die andere es für wichtig, den Rauchmelder, den sie in den Händen hält, mit einem Handtuch einzuwickeln, da ihr das Gepiepe offensichtlich viel zu laut ist. Ja, da muss man halt Prioritäten setzen. Spitzen Vorstellung!
Das Feuer wird von Mario mit einem einfachen Brett stillgelegt und die Fenster... ach, nein! Die Fenster sind fast alle abgeschlossen! Gibt's doch nicht! Sogar die Küchenfenster. Bis der Hausmeister mit den Fensterschlüsseln kommt, hält man es da oben nicht aus. Der Gestank brennt sich durch die Nase in den Schädel. Hier soll ich nachher gut schlafen?
Vor mir spielen heute Jens und Jan von Bendersnatch aus Mainz. Gefällt mir total gut. Sehr schönes Zusammenspiel der beiden mit Gitarre und Stimmen. Spitze!
Nachdem ich anfangs etwas Angst vor der zu großen Bühne und dem doch recht großen Raum hatte, funktioniert das Konzert aber dann doch ganz wunderbar. Die Leute sind sehr herzlich und wir haben eine ziemlich gute Zeit miteinander.
Nachts dreh ich noch eine ziemlich große Runde und als ich nach meinem Spaziergang zurück bin, frag ich mich, wie man hier schlafen soll, wenn der Rauchmelder alle 2-3 minuten piept. Aber es geht dann doch, sehr gut sogar.

28.02.12 - Köln, Die Wohngemeinschaft / Theater

Ich werde auf den kommenden Konzerten einige ganz neue Songs spielen, die erst 2-3 Wochen alt sind. Dieser Tatsache ist es zuzuschreiben, dass ich 3 Tage vor dem ersten Konzert so gut wie nichts mehr esse. Ich weiß auch nicht, wo das herkommt und warum das so ist, aber dieses Mal ist es ganz besonders schlimm.
Was dann aber umso schöner ist: sobald ich in Köln in den kleinen Theater-Raum komme, in dem heute Abend musiziert wird, ist tatsächlich alle Aufregung verschwunden. Ich weiß in diesem Moment, dass das heute ein schöner Abend wird.
Hierher eingeladen hat mich der Kölner Musiker Saender, mit dem ich mir heute hier die Bühne teile. Wir besprechen kurzfristig beim Soundcheck, dass wir 2 Songs zusammen spielen werden, sodass praktisch jeder beim jeweils anderen einen kleinen Gastauftritt hat. Oh, das macht doch Spaß, wenn man so was dann eben grad mal in dieser Form umsetzen kann!
Saender hat zur Premiere seiner neuen Konzertreihe Sekt bestellt. Ich leere mein Glas während meines kurzen Gastauftrittes recht zügig und frage mich danach, ob das Auswirkungen auf meine Darbietung haben wird. Ich trink doch fast nix.
Scheinbar hinterlässt der Alkohol keine sichtbaren Spuren und ich komme heil durch meine ausgesuchten Songs. Die Leute hier sind wunderbar. Was soll ich sagen? Die Bude ist still während der Songs und dazwischen, da wird's sehr herzlich. Ach, wie schön solche Abende sind!
Es begrüßen mich nachher noch Leute, die auch schon vor 1 Jahr bei uns waren, als wir mit der ganzen Band in Köln gespielt haben und ich genieße die kleine abschliessende 3er-Runde mit Saender und Jens von der Wohngemeinschaft bei einem letzten Getränk zur Nacht.
Geschlafen wird dann 5 Stockwerke höher in einem Hostel, welches zu dem Theater- und Gastrobereich dazugehört. Alle Zimmer sind ganz individuell gestaltet und für mich ist das Zimmer von Emilia vorgesehen, einer jungen Opernsängerin aus dem Zarenrussland. Wow, was für eine Zeitreise?!

26.11.11. - Kiel, Prinz Willy

Als ich ankomme und der Laden noch geschlossen ist, will ich mir eine Fussballkneipe suchen, in der ich noch die zweite Halbzeit der Bundesliga sehen kann. Ich geh im Regen etwa 20 Minuten runter Richtung Hafen, aber nirgendwo ist eine von diesen Fussballkneipen. Als ich wieder am Laden zurück bin, höre ich die restlichen 5 oder 10 Minuten noch im Autoradio. Den langen Weg hätte man sich sparen können.
Aufgebaut und soundgecheckt wird ganz in Ruhe. Auf das Prinz Willy freu ich mich immer ganz besonders, hab ja mittlerweile 'ne Dauerkarte. Dann geh ich raus und dreh noch eine Runde und obwohl ich hier schon, ich glaube, zum fünften Mal bin, geh ich anscheinend in eine solche Richtung, in der ich auf einmal wirklich nicht mehr weiß, wo genau ich bin. Ich muss eine Radfahrerin nach dem Weg fragen und bin dann etwas nach dem vereinbarten Zeitpunkt wieder bei Willy.
Das Konzert macht mir viel Freude. Es wird viel gelacht, was gut so ist. Es ist während der Lieder die ganze Zeit ruhig und an bestimmten Momenten weiß ich, dass ich genau richtig hier bin.
Nach dem Konzert lass ich mir noch erklären, warum ich eigentlich ein Kabarettist bin, freu mich über die freundlichen Menschen und die netten Gespräche und mach mich dann nach 1 Uhr auf den langen Heimweg. 350 km, aber ich will morgen am Sonntag nicht auf der Autobahn stehen.

25.11.11 - Cadenberge, MarC5

Von Hamburg aus fahre ich nach Cadenberge und wundere mich, dass mein Navi mich durch den Freihafen schickt. Irgendwann merke ich, dass es gleich über die Köhlbrandbrücke geht. Super! Es ist Abend, dunkel und ich bin ganz oben über all den Lichtern und dem Treiben im Hafen. So was mag ich. über diese Brücke bin ich das letzte Mal vor 20 Jahren gefahren, als (mehr oder weniger) kleiner Junge im LKW neben meinem Dad.
Ich fahre durch lauter kleine Dörfer, komme irgendwann auch durch Hemmoor, an das ich aus dem letzten Jahr schöne Erinnerungen habe und bin kurze Zeit später in Cadenberge angekommen. Wolfgang, auf dessen Einladung ich hier bin, empfängt mich schon draussen und erzählt mir gleich, dass er heute erstmals seine große Grönemeyer-Ausstellung öffentlich zeigt.
Als wir reingehen, hat Katja Werker mit ihrem Konzert den Abend bereits eröffnet und ich stehe in einem Saal, der komplett rundum mit eingerahmten Grönemeyer-Konzert- und -filmplakaten behängt ist. Wahnsinn! Verrückt! Aber auch sehr schön!
Mike Silver, der aus England angereist ist, steht als nächstes auf der Bühne, die hier an der langen Seite des Saals aufgebaut ist, sodass man auf allen Plätzen sehr gut sehen kann und nah am Geschehen ist. Seine kleinen Geschichten zu den Liedern erzählt Mike zwischendurch auf deutsch und seine ruhige Art lässt mich ihm sehr gerne zuhören.
Auf manchen vergangenen Konzerten kam ich mir ja schon gelegentlich wie der große Onkel vor, wenn man sich mal an einem Abend die Bühne mit einer Band von 20jährigen geteilt hat, aber heute Abend werde ich hier von Wolfgang als Nachwuchs angekündigt. Das tut auch mal gut! Bereits vorher stelle ich fest, dass das hier heute wohl das älteste Publikum ist, vor dem ich bisher gespielt habe. Ich freu mich total drauf und wir werden schliesslich einen sehr schönen Abend miteinander verbringen.
Danach geht's noch in das Haus von Wolfgang, wo mit Musik, Wein und schönen Geschichten der Abend oder besser die Nacht so langsam ein ruhiges Ende findet.
Am nächsten Tag geht Wolfgangs Konzertsause hier weiter und so genieße ich, bevor ich nach Kiel weiterfahre, noch das Frühstück zusammen mit ganz vielen anderen Menschen, Freunden, der Familie des Hauses und bereits am Vormittag überraschend anreisenden Musikern für den folgenden Abend. Es ist fast ein wenig schade, dass ich heute Abend schon ein Date habe.

05.08.11 - Bad Oeynhausen, Kurpark / Parklichter Open Air

Zum ersten Mal spielen wir in Zweierbesetzung. Buchse kommt mit und hat Keyboards und Gitarre dabei. Da ich kein guter Beifahrer bin, aber Buchse heute fährt, ist mir schon während der Hinfahrt total schlecht. Kann also nur besser werden.
Als wir im Kurpark ankommen, kommt’s mir so vor wie auf’m Rummelplatz, als noch alle mit dem Aufbauen ihrer Buden beschäftigt sind. Aber schön ist es hier!
Während des Soundchecks merke ich, daß mein Capo scheinbar noch zuhause liegt, aber die Donots sind freundliche Menschen, die mir für meine Ÿ Stunde weiterhelfen. überhaupt rennen hier jede Menge Leute rum, mit denen man es sehr gut aushalten kann.
Als Buchse und ich eine erste warme Mahlzeit zu uns nehmen, amüsiere ich mich über 2 sehr junge Mädchen, die offenbar kurz vor einem Meet&Greet mit einer der heutigen Bands stehen. Es wird Ihnen von Seiten des Tourmanagers ausdrücklich klargemacht, daß sie doch bitte ganz ruhig bleiben und nicht hysterisch werden sollen. Spitzen Unterhaltung!
Nachdem Buchse und ich unser vor der Bühne von Laufpublikum geprägtes Konzert mit Anstand beendet haben, seh ich mir im Kurtheater den immer, immer, immer wieder großartigen Bernd Begemann an, höre draußen leider nur noch den letzten Song von Cäthe, sehe das Konzert von Jupiter Jones gar nicht, nehme eine zweite, warme Mahlzeit zu mir (super Catering!), teste die ersten paar Songs von Casper, stelle fest, dass das nichts für mich ist, sehe kurz ein paar Minuten von Der Unglaubliche Heinz, stelle fest, dass das erst recht nichts für mich ist und sehe mir dann die komplette Show der Donots an, die eigentlich auch nichts für mich sind und offensichtlich das komplette Set hindurch Probleme mit ihrem Monitoring haben, wofür ich mich aber heute Abend mal durchaus leicht begeistern kann, also für das Live-Ereignis, nicht die Probleme.
übrigens erstaunlich, wie viele junge Ladies sich auch noch 2 Stunden nach dem Casper-Konzert vor dem Eingang zum Backstage tummeln und den Mann vom Sicherheitsdienst mit Bitte-Bitte-Gesten löchern. Da braucht man schon ein ziemlich dickes Fell. Ich amüsier mich.

09.04.11 - Bochum, Kneipe im Bahnhof Langendreer

Wir frühstücken und duschen mit Inga Rumpf & Frumpy und jeder Menge anderem guten, alten Zeug. Danach geht's ins Zentrum zu einem großen Musikalienladen, wo's nicht nur Fussmaschinen gibt. Jedenfalls wird Utz fündig und wir freuen uns auf Bochum heute Abend.
Dort muss beim Soundcheck mal wieder Lötmeister Gunni ran, denn ein Gitarrenverstärker hat sich irgendwo geteilt, wo das eigentlich nicht vorgesehen ist. Das hat zur Folge, daß unser Soundcheck ganze 10 Minuten überzogen wird, was 2 Paare in dem Laden dazu veranlasst, daß Lokal zu verlassen, da sie sich in Ihrer Essensruhe gestört fühlen. Wie unentspannt und vor allem ungeduldig die sind!
Wir haben bis zum Gig 3, bis zum Essen 2 Stunden Zeit, also dreh ich mit Jan, der uns hier heute betreut, noch eine große Runde durch Wald und Flur. Sehr angenehm.
Danach gibt's ein sehr, sehr leckeres Essen, was ich den Jungs schon gestern angekündigt hatte, da ich die Küche hier von meinem ersten Gastspiel vor ein paar Jahren noch als hervorragend in Erinnerung hatte.
Ein besonderer Gast auf dem heutigen Konzert ist Johann, ein Stammgast des Lokals, dem es egal ist, ob ich ihm mit eindeutigen Gesten und bösem Gesicht klarmache, daß er momentan nichts anderes tut als stören. Johann war nach eigener Aussage bester Sanitäter bei der Bundeswehr, hat sich bereits ein Bass-Duell mit Paul McCartney geliefert und sogar Starlight Express erfunden. Beim Konzert dann baut er sich während eines jeden Songs vor der Bühne auf, glaubt ein Teil der Show zu sein, ist mit seinen lauten Zwischenrufen selbst dann zu hören, wenn wir mit kompletter Besetzung reinhauen. Ich spiele wegen ihm fast den kompletten Abend mit geschlossenen Augen und bei 2-3 Songs haut er mich dann doch komplett raus. Ich muss zusehen, daß ich mich nicht zu sehr darüber ärgere und wieder in die Spur komme. Wie muß das nur sein, wenn du einen blöden Single-Hit gelandet hast, dann für sämtliche Stadtfeste gebucht wirst und in jeder verdammten Stadt irgend so ein Heini vor der Bühne steht und dir zubrüllt: "Ey, spiel mal was von den Stones!"?
Beim allerletzten Song "Tag für Tag" gehe ich wie meistens früher von der Bühne und schaue mir neben Basti begeistert und total unter Strom meine Jungs noch von der Seite an, wie sie pumpen und schieben und Feedbacks schreien lassen und dann passiert es doch noch: Johann klettert auf die Bühne, wackelt zum Mikro und brüllt irgendwas da rein. Warum ist da eigentlich der Mischer nicht schnell genug auf dem Mute-Knopf? Vergessen! Bloß schnell den Johann vergessen! Das geschieht allerdings auch wirklich schnell und leicht, da in den nächsten Minuten einige Leute ankommen und mir viele gute und schöne Dinge erzählen.
Mein Dad, der heute mit meiner Mum hier war, zeigt übrigens Qualitäten eines Tourmanagers. Evtl ist das noch mal eine Option für die Zukunft. Paul Weller hat ja auch seinen Dad mit auf Tour und ich glaube, beim BRMC gibt's das auch.
Noch recht lang sitzen wir mit Jan bei diversen Getränken zusammen, ich laß mir UK als Urlaubsland schmackhaft machen, bevor wir dann um 2 Uhr den Partybus entern. Aus Party wird auf den hinteren Bänken aber schnell Müdigkeit, mit Wilco und Koppruch geht's Richtung Heimat und morgens um 6 Uhr ist das Auto dann weggebracht, die Haustür aufgeschlossen und die schöne Tour vorbei. Kann im Herbst gern so weitergehen.

08.04.11- Köln, Stereo Wonderland

Wie kann man denn nur seine Fußmaschine vergessen?! Keine Ahnung. Ist jetzt auch egal. Hilft nichts. Eine neue muß her. Die für die Bassdrum von Utz liegt jedenfalls schön bei ihm zuhause. Die Musikgeschäfte sind schon zu. Wir telefonieren wie blöde alle Möglichkeiten ab. Freunde, Musikerkollegen werden angerufen und um Hilfe gebeten. Den einen erwische ich auf'm Klo, den anderen im Fussballstadion, bei einem weiteren stimmt die Nummer nicht mehr und eine fremde Frau geht ran. Nach Ewigkeiten und unzähligen Telefoneinheiten seh ich uns am Abend schon unplugged spielen. Zum Glück spielt gegenüber im Blue Shell eine freundliche Band, der wir versprechen müssen, viertel vor Zehn fertig zu sein, so daß deren Fussmaschine wieder rechtzeitig zu deren Gig auf der anderen Strassenseite ist.
So übel, wie der Tag durch dieses Gesuche und Gezitter angefangen hat - wir sind noch immer nicht mit dem Soundcheck angefangen, als draußen vor der Tür schon die ersten Gäste stehen - so gut wird der Abend dann schliesslich. Das Stereo ist klein, die Bühne ebenso, die Anlage nicht gerade optimal für eine solche Besetzung, aber am Ende ist alles gut.
Als Buchse sich zu "Lauf" die Gitarre umhängt und ich ihn während des Boller-Intros auf einmal überraschend nah neben mir finde, rufe ich ihm irgendwas mit "Maffay" ins Ohr und wir haben eine Menge Spass und Lust zu spielen.
Das Solo-Set verschieben wir an's Ende des Konzerts, da ja die Fussmaschine wieder rüber muss. Während ich dann den dritten Song beendet hab, kommen die Jungs aus ihrer Raucherpause zurück und meinen, sie hätten spontan eine Akustik-Version von "Es geht manches" im Kopf. Ich sollte einfach mal anfangen zu spielen, sie würden dann folgen. Kann man machen. Danach noch "Tag für Tag" als Duo mit Buchse, wobei dieser nicht gehört wird, da der an dem Abend ansonsten sehr kompetente und supergute Mischer ihm versehentlich den Kanal dicht gemacht hat.
Was soll man sagen? Zusammen mit den Leuten, die uns hier heute besucht haben, wurde dieser Abend zu etwas sehr schönem. Lag sicher auch daran, daß es im Vorfeld nicht so optimal aussah und dann das Gute noch schwerer wiegt. Wir sind jedenfalls glücklich hier.
Wir suchen uns im Anschluss noch mal was zu Futtern. Der Inder gegenüber hat leider grad zugemacht. Wir finden was anderes und mischen uns danach dann wieder im Stereo unter die Partymeute, wo Saender viele meiner Lieblingslieder auflegt und Buchse sich äusserst sicher in Queen-Texten zeigt, ich nachfrage, woher das kommt und Gunnar mir sagt, daß der entsprechende Song auf so 'nem Karaokespiel, was ich nicht kenne, vorkommt. Ich bin echt nicht mehr up to date.
Lass mal grad die Klamotten vom Sprinter hoch in die Wohnung bringen und dann wieder runter zur Party! Von wegen! Sobald wir in der Wohnung über'm Blue Shell auf unseren Betten sitzen, bekommst du die alten Jungs nicht mehr auf die Strasse. Platt, keine Kraft mehr. Nur noch Erdnüsse und Nacht-Getränke. Buchse kramt auf'm Laptop noch alte Tour-Videos von Gunnars früherer Band raus und während dessen stell ich mal wieder fest, daß ein paar meiner Jungs perfekte Stimmen-Imitatoren bekannter Musikergrößen sind.
Während Utz längst von einer neuen Fussmaschine träumt, wollen's Basti und Falk noch mal wissen und stürzen sich, jung wie sie sind, noch mal auf die Strasse und auf irgendeine Party.

07.04.11 - Leipzig, Noch Besser Leben

Bin früh dran und laufe noch durch den nicht unweiten Clara-Zetkin-Park. Eigentlich ist es schön hier, aber ich bekomme von den unzähligen Fahrradfahrern, den spielenden Kindern und den vielen hübschen Mädchen nicht viel mit, da ich die ganze Zeit Text in mein Telefon tippe, der mir hier in dieser Stadt plötzlich nur so in den Schoß fällt. Weiter so!
Im NBL dann treffe ich Uwe, der mich hier heute Abend betreut. Wir kennen uns vom letzten mal und ich hab mir viel mit ihm zu erzählen. Hier fühl ich mich wohl.
Von Uwe gibt's nach'm Soundcheck 'ne leckere Pizza und als ich mir die Gitarre noch mal hole und in meinem Zimmer nebenan ein wenig spielen will und so ein bischen singe, variiere ich mein eigenes "Komm an" in der Melodie und komme dadurch offenbar so vom Original ab, daß ich einen Teil des Textes total vergesse. Ich suche mindestens 5 Minuten nach den richtigen Worten, bevor ich runter zum Auto laufe, eine CD auspacke und sie ins Radio tue, um mir das Lied anzuhören. Ach, so ging der Text! Bloß nicht vergessen bis ich oben bin.
Es sind nicht wirklich viele Leute in diesem recht großen, alten Wohnzimmer, aber die, die heute hier sind, die sind von Anfang bis Ende mucksmäuschenstill. Ich find's super, mir macht es Spaß und die Zeit vergeht so schnell. Schade eigentlich.
Als das Konzert lang schon zu Ende ist, ich mein Zeug längst zusammengepackt hab und (fast) jeder, der hier heute war, schon wieder zuhause ist, wird es auf einmal ganz still an diesem Ort und so hell in diesem dunklen Flur und so schön und angenehm und die Sonne scheint plötzlich mitten in der Nacht und ich will nicht fahren, noch nicht. Ich will nur zuhören, einfach nur zuhören die ganze Zeit.
Da wir mit der Band morgen nach Köln fahren, schlafe ich nicht hier, sondern fahre noch 4 Stunden zurück nach Hause. Bevor ich viel später als geplant um 2 Uhr hier wegkomme, schreib ich vor dem Haus auf dem Autodach in mein kleines Heft fast 3 Seiten voll mit Text. Bevor ich eine halbe Stunde später nach'm Tanken auf die Autobahn fahre, hab ich 6 oder 8 mal an der Strasse angehalten, um noch mehr in mein Heft zu schreiben. Vielleicht wird was draus und ich spiel das Lied mal irgendwann hier genau an der Stelle, wo's entstand. Im Auto sing ich schon ein paar Zeilen und vielleicht kann man sie noch hören - im Westen von Leipzig.

31.03.11 - Wetzlar, Franzis

Auf dem Weg nach Wetzlar check ich auf der Autobahn noch mal meine Notizen, was die Anfahrt zum Franzis angeht. Ich wiederhole Buchse gegenüber ein paar 2x-links-3x-rechts-Sätze und der grinst nur und zeigt auf Erika, Gunnars Navi. Ich hab mich da noch nicht dran gewöhnt, daß ich gar nicht mehr selbst vorher zuhause auf der Karte schauen muß, wo wir lang müssen, sondern daß Erika das für uns macht.
Als wir in die Stadt rollen, sind wir früh dran. Wir drehen noch eine entspannte Runde und finden uns in kleinen, engen Gassen in einer schönen Altstadt wieder.
Beim Soundcheck wird vom örtlichen Mischer und seinem Kompagnon dann erst mal unser Equipment gecheckt. Ich kann nicht mitreden, aber da sind scheinbar Fachleute unter sich.
Da der Laden hier für uns relativ groß ist, gibt's natürlich reichlich Platz vor der Bühne, aber die Leute, die uns hier heute besuchen, sind großartig, bereiten uns einen herrlichen Empfang und wollen uns am Ende nicht gehen lassen. Als die Jungs "Tag für Tag" allein zu Ende spielen, sehe ich seitlich vom Backstage aus Utz beim Trommeln zu und springe umher, will am liebsten zu ihm und ihn vor Begeisterung schütteln. Es ist gut hier und wir spielen mit den Leuten hier das wohl beste Konzert unserer kleinen Tour.
Die Stimmung danach ist ausgelassen und alle warten auf Mitternacht, denn da gibt's Grund zu feiern: Gunnar hat Geburtstag! Gratulation und Prost und da wir früh wieder in der Heimat sein müssen, geht's direkt mit dem Party-Bus ab auf die Autobahn!
Dort läuft vorn beim Steuermann die zweite Scheibe von Bosse ganze 4x durch und dieser Frankfurt/Oder-Song geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich bin froh, daß du da bist.

30.03.11 - Stuttgart, Café Galao

Wir kommen ziemlich flott nach Stuttgart runter. Der Fahrer verdient sich seinen neuen Namen "Veddel" redlich. Das wird sich ebenso durch die nächsten Tage ziehen.
Die Bühne hier ist winzig. Sie ist grad mal so groß wie unser Schlagzeugteppich. Das wird muckelig. Hier geht nicht viel über die Anlage, die Gitarren gehen direkt in den Raum, ist mal wieder anders als sonst, aber wir freuen uns. Als Reiner, der uns hier her eingeladen hat, uns nach ein paar Tönen sagt, wir sollten unbedingt leiser spielen, weil das in dem Laden nicht gut käme, sparen wir uns "Lauf" für den Soundcheck, weil er uns sonst wahrscheinlich gleich wieder ausgeladen hätte. Später kündigt er uns dann an mit den Worten, daß er eigentlich ein Liedermacher-Konzert erwartet hatte und nun eine ganze Rockband auf der Bühne steht. Grüssle ins Ländle.
Von den CrimeKillingJokerman wurde uns bereits angekündigt, daß das hauseigene Essen hier großartig wäre und sie haben kein Stück übertrieben, sooo lecker!
Gestärkt davon gehen wir auf die kleine Bühne, als der Laden bereits rappelvoll ist, passt aber auch nicht all zu viel rein. Wir spielen das erste Stück allerdings ohne Falk, denn aus seiner Box kommt kein Ton, dann ein bisschen, dann wieder nichts. Super! Fängt gut an. Der Rest wird spitze, die Leute sind gut drauf hier, wobei mir mal jemand gesagt hat, daß man den Schwaben Zeit geben muß. Die haben wir ihnen gegeben und sie geben uns einiges an Zuwendung zurück. Danke dafür!

26.03.11 - Hamburg, Knust

Auf dem Gelände vor'm Knust ist Flohmarkt und somit zunächst keine Chance, mit dem Auto irgendwie vor den Club zu kommen. Dafür sind dort jede Menge Leute und darunter auch das Gesicht des Trommlers einer meiner früheren Lieblingsbands und einen alten Bekannten aus der Heimat treffe ich gleich, als ich aus dem Auto steige. Hamburg ist ein Dorf.
Bis sich der Flohmarkt langsam auflöst, erinnere ich mich daran, daß ich vor mehr als 10 Jahren mal hier war als Zuschauer. Damals lief das noch unter dem Namen "Schlachthof" und das "Knust" war noch ein kleiner Kellerclub in irgendeiner anderen Straße. Ich weiß nicht mehr, wo genau, aber ich war damals für 1 Jahr als Zivi in HH und hatte versucht, so viele Konzerte wie nur möglich mitzunehmen. Unvergessen übrigens "Embrace" im Grünspan und "Ocean Colour Scene" in der Markthalle. Ewig ist das her.
Heute freuen wir uns besonders darüber, daß Basti an der Posaune mitgekommen ist und hier und da mit seiner Puste für ordentlich Rückenwind sorgt. Auf der relativ großen Bühne ist Platz für alle.
Mein alter Trommler Marc kommt vor'm Soundcheck mit Kinderwagen incl. seinen Zwillingen vorbei und nach anfänglicher Heulerei gibt's am Ende von den beiden kleinen Ladys für mich sogar Luftküschen. So sieht's halt aus bei den Frauen.
Als nebenan im Feldstern unser Essen abgeräumt wird, schaut mich die weibliche Bedienung ziemlich missgünstig an, als sie sieht, daß ich meinen Teller nicht ganz leer gegessen habe. Ich gebe ihr zu verstehen, daß es mir sehr geschmeckt hat, ich aber in meiner Verfassung zu nichts weiter in der Lage bin. Das leidige Thema "Essen vor'm Konzert" wird sich wohl bis an's Ende meiner Konzerttage wie ein roter Faden durch meine Erzählungen ziehen.
Unser Set haben wir die letzten Male meisstens mit einem Intro zu "Größer als Du" gestartet. Da wir bei den Proben die letzten Male aber immer mit meinem Solospiel gestartet sind, gehen außer mir alle davon aus, daß dieses Mal auch ich allein zu spielen anfange. Somit warte ich also auf die Jungs und die Jungs warten auf mich. Wir sehen uns alle ziemlich ratlos an und legen somit den perfekten Start hin. Kann ja nur besser werden!
Wird es auch und es macht Spaß mit den Jungs hier im Knust und mit den Leuten vor der Bühne. Es sind viele Freunde und Bekannte gekommen, was meine Nervosität allerdings nicht gerade weniger werden lässt. Aber es ist ok.
Nur am Ende schliesst sich dann doch noch der anfänglich wacklige Kreis: Im letzten Song "Tag für Tag", den ich zu einem Drittel allein spiele, klemme ich mein Capo an der falschen Stelle an. Als Buchse dann an den Tasten einsetzt, bemerke nicht nur ich meinen Fehler, sondern es ist auch die ganze Atmosphäre dieses schönen Einstiegs hinüber. Mit einer gehörigen Portion Humor reissen wir das Ding aus der Sackgasse und feuern im Finale des gleichen Songs all unseren Frust (oder rede ich grad nur von meinem Frust?) unter das Knust-Dach. Ich verabschiede mich früher von der Bühne, um meine Jungs noch ein wenig lärmen zu lassen und springe hinter der Bühne rum wie Rumpelstilzchen, brülle raus, was ich in mir habe und schlage gegen die Tür, die nichts für meine eigene Blödheit kann. Basti lacht sich schlapp, kommt zu mir und sagt fast brüderlich: "Es ist alles gut."

18.03.11 - Recklinghausen, Altstadtschmiede

Die Innenstadt von Recklinghausen ist scheinbar ein einziges Zentrum der Einbahnstraßen. Hier rein? Da rein? Umdrehen? Am Ende ist es dann doch ganz einfach. Bin heut Abend so was von aufgeregt, daß ich dieses leckere westfälisch-deftige Essen, welches hier gekocht wird, gar nicht richtig genießen kann. Echt schade drum.
Als ich kurz vor'm Konzert draußen noch mal 'ne Runde drehe, verlauf ich mich tatsächlich. Ist man grad mal 5 Minuten vor der Tür und dann so was. Verpasst man noch sein eigenes Konzert.
Während ich dann spiele, werde ich auch nach ein paar Songs nicht ruhiger. Das hält tatsächlich bis zum Ende an. Manchmal ist es seltsam. Vielleicht liegt es daran, daß ich fast ein halbes Jahr nicht gespielt hab oder daß ich den Eindruck hab, daß dieses Publikum nicht so leicht zu knacken ist. Hier kannst Du scheinbar auch nicht jeden Spruch bringen. Die meissten sind älter als meine Eltern und beißen anders an. Ist aber ok und Besuch aus der Heimat gibt mir Halt.
Am Ende des Abends freu ich mich, während der Laden hier noch für ein irisches Fest am nächsten Tag dekoriert wird, auf meine Heimfahrt. Ich mag gern nachts Auto fahren, besonders wenn's vorher, wie halt beim Konzert, aufregend war und dann im Auto so schön still ist. Alles ruhig.

31.10.10 – Lüneburg, Vamos (+ Johannes Oerding)

Wenn man nur mit einem bundesweiten Atlas, aber ohne Navi durch die Gegend fährt, so wie ich das mache, kann die Anfahrt durch die Stadt schon mal etwas Zeit in Anspruch nehmen. Aber ich mach mich ja vorher zuhause schlau und weiß ungefähr, wo ich hin muß und finde dann auch irgendwann mein Hotel. Kurz die Tasche auf’s Zimmer (gute Adresse!) und dann weiter Richtung Uni, wo das Vamos ist, die Halle, wo heute konzertiert wird.
Als ich ankomme, machen Johannes und seine Band noch Ihren Soundcheck. Ich schleich mich während dessen ein wenig durch die Halle, lerne die gute Julia kennen, die hier das Ruder in der Hand hat und mir anfangs erst ein Fragezeichen auf den Kopf setzt, mir dann aber ziemlich schnell sehr sympathisch wird, mache mich auf die Suche nach jemandem, der wie ich ein älteres Handy-Model mit dazu passendem Ladekabel hat, da ich meins vor 2 Tagen zuhaus vergessen habe und werde tatsächlich fündig. Das ist ja wichtig für die Kommunikation mit den Daheimgebliebenen.
Während Johannes’ Soundcheck fallen über die Anlage irgendwann kurz die Worte „Ina’s Mikro“. Aha! Weisste Bescheid! Und während ich noch mal kurz raus zum Auto gehe, stehen da am Hinterausgang doch tatsächlich schon die ersten Mädels. Nicht meine! Die gehören zu Johannes!
Soundcheck fühlt sich gut an und ich freu mich auf später. Es ist auch mal wieder schön, auf einer sehr großen Bühne zu stehen mit Platz, mehr als genug, viel Licht und fettem Sound. Das kann man an einem solchen Abend ja auch ruhig mal genießen.
Erstaunlicher Weise kann ich heute vor dem Konzert ganz gut essen, na ja, nicht wirklich viel, aber doch mehr und entspannter als sonst normaler Weise. Der Bereich, in dem wir zum Essen und Trinken sitzen, liegt gegenüber der Bühne am anderen Ende der Halle auf dem Balkon die Treppe hoch. Bis hier her schleicht sich auch die Info, daß nicht nur Ina Müller gleich da sein wird, sondern auch, daß Gunter Gabriel bereits gesichtet wurde. Divaman goes Country, das wird was heut Abend!
Ich eröffne mit einem ruhigen „Komm an“, spiele „Freigetränk“ und als in der Mitte des Sets der Anfang von „Sonnenschein“ auf der Gitarre erklingt, fliegen mir ein paar begeisterte „Huuuh!“-Rufe entgegen. Da muß ich grinsen. Sehen bzw erkennen tu ich bei dem fetten Licht kaum was bzw nur die erste Reihe hinter’m Absperrgitter und in der stehen ausschließlich junge Mädels. Schön.
Auch wenn von der Theke her ziemliche Unruhe hier rüber drängt, macht man es mir einfach, denn zwischen den Songs hört sich das sehr schön an, was da von den Leuten zu mir raufkommt. Ich lasse sie mit „Größer als du“ ein wenig in der Luft bzw in der Pause hängen und gehe damit aber glücklich von der Bühne.
Während Johannes und seine Jungs ihr Konzert spielen, kümmer ich mich dann ausreichend um meinen Wasser- und Apfelsafthaushalt, höre gespannt die 2 Duette, die Johannes überraschender Weise mit Ina Müller singt und werde mir gegen Ende von Johannes’ Set mal wieder der Vorzüge bewusst, die so ein kleines Rock’n’Roll-Leben so mit sich bringt. Kann gern so weitergehen.
Als ich spät nachts am Hotel lande, laß ich mir vom Portier noch den Weg zur nächtlichen Dönerbude erklären, um ihm dann eine halbe Stunde später satt und glücklich eine gute Nacht zu wünschen.

30.10.10 - Hemmoor, Kulturdiele

Auf dem Weg von Kiel nach Hemmoor nehm ich die Fähre über die Elbe, die ebenso wie von unserem kleinen Boot zeitgleich von einem riesigen Containerschiff passiert wird. Ich frag mich natürlich, wohin der Weg führt und finde schon, das hat ein wenig was romantisches. In Gedanken singe ich leise: „Nimm mich mit Kapitän auf die Reise!“.
Untergebracht bin ich heute Abend in einem Ferienhaus direkt am Wasser, wohin mich auch am Nachmittag mein erster Weg führt. An der Wand hängen im ganzen Haus Tourposter mit Signaturen, Bilderrahmen mit Konzertkarten und - mehr als alles andere - riesige Tourplakate von Grönemeyer. Es hätte mich schlechter erwischen können. Find ich gut. Wolfgang legt noch mal Holz im Kamin nach, damit ich’s abends auch schön muckelig hab und verabschiedet sich dann. Eigentlich wollt ich mich noch mal hinlegen, aber die Zeit rennt ja auch schon wieder so. Also fahr ich rüber zur Kulturdiele in den Nachbarort nach Hemmoor, Hometown of Thees Uhlmann.
Der Konzertraum in dem alten, schönen Haus ist eine Art Festsaal, wo bestimmt auch Hochzeiten oder Geburtstage gefeiert werden. Unter der Decke hängen dicke schwere Balken und ich find’s total gemütlich hier. Gleich in den ersten Gesprächen und dann während des Soundchecks merke ich, die Leute hier sind sehr freundlich und angenehm. Das kann ein schöner Abend werden.
Ich zieh mich dann noch etwas in mein Standesamt-Trauzimmer zurück, das ich heut für mich allein hab, freu mich über das Vitamalz, bekomme von dem Salat vor’m Konzert kaum was runter, heb mir den für später auf und dann geht’s ja auch schon fast los. Relativ pünktlich.
Der Raum, der Sound und das Licht sind gut. Die Leute sitzen im bestuhlten Saal in Reihen und sind von Anfang an aufmerksam und lassen sich ein auf das, was ich ihnen da in den Schoß werfe. Wenn ich so durch die Reihen schaue, sehe ich Menschen zwischen 15 und 55 und freue mich, daß wir sehr gut miteinander klarkommen, es macht richtig viel Spaß. Ich gerate zwischen den Songs immer mehr in’s Erzählen, drifte hier und da mal etwas ab, was für mich ok ist und den Leuten hier auch gut zu gefallen scheint und nach dem Konzert jemanden sagen lässt, was ich einen Tag vorher auch schon mal so ähnlich zu hören bekam: „Mensch, du bist ja zwischen Deinen Liedern auch ein richtiger Komiker!“ Ich begründe das mit dem trockenem Humor, der uns Norddeutsche verbindet. Na ja, wenn’s mit der Musik mal nichts mehr ist…
Daß bei den vielen CDs, die ich nach den Konzerten neuerdings verkaufe, mittlerweile mein Name meisstens handschriftlich mit drauf muß, fand ich übrigens anfangs etwas seltsam, aber man gewöhnt sich an vieles und an manches auch sehr schnell. Und daß man zu der Gelegenheit wenigstens auf ein paar kurze Sätze die Leute kennenlernt, für die man da grad gespielt hat, das gefällt mir ganz gut.
Der Saal wird anschließend wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt und mir wird während dessen klar, was hier in Gemeinschaft so auf die Beine gestellt wird von den Leuten, die ihre kleine Stadt hier mit Kultur füttern.
Bevor wir das Licht ausmachen, werf ich noch einen Blick in die Ausstellung eine Etage höher, wo ich eine gar nicht mal so kleine Auslage von Tomte-Platten und –Artikeln finde. Hier schließt sich der Kreis.
Schließlich auf der kurzen Fahrt in’s Ferienhaus bekomme ich einen solchen Hunger und freu ich mich schon so auf den Salat und das Brot. Spitze, so ein Mitternachtsessen! Im Kamin glüht’s auch noch. Da schau ich noch etwas rein, fahre die innere Maschine langsam runter und halt dann auch nicht mehr lange durch. Daß das Bett für mich viel zu kurz ist und ich mich deswegen auf die Couch hau’, macht heute nichts. Das war ein sehr schöner Abend und mir geht’s gut.

29.10.10 – Kiel, Prinz Willy

Es ist ja nicht so, daß ich bei Verabredungen und Terminen immer schon 20 Minuten vorher da bin, aber heute bin ich wirklich schon rechtzeitig losgefahren. Warum ich da jetzt drauf komme? Es ist früher Nachmittag, als ich voller Vorfreude Richtung Autobahn fahre und mich auf 3 schöne Tage freue. Nach 60 km steh ich das erste Mal im Stau. Na ja, kein Ding, ist ja noch Zeit. Aber, um die Sache abzukürzen, das erste Mal wieder richtig staufrei wird es, als ich etwa mittig zwischen Hamburg und Kiel bin. Als ich in Kiel ankomme ist es kurz nach 20 Uhr und ich sitze fast 6 Stunden im Auto für schlappe 350 km. Was für ’ne schei… Anfahrt?!
Es ist also so, daß ich wirklich ziemlich genervt in Kiel lande, sich das aber schlagartig ändert, als ich bei Willy durch die Tür komme. Was ist denn hier los?! Wo kommen die ganzen Leute her? Das fragt sich Willy auch und staunt ziemlich über die vielen Menschen hier im Laden. Alle Sitzplätze sind belegt, Stühle werden noch rangeholt, man nutzt die Theke um zu stehen. Sieht gut aus.
Ich muß nach der Fahrt erstmal bischen runterkommen, bau in aller Ruhe auf, beiß noch in die Stulle, die Willy mir schmiert (ich ess ja vor’m Konzert nie so viel) und dann kann das auch losgehen hier.
Kiel empfängt mich herzlich, ist aufmerksam, ruhig bis in die letzte Ecke. Schön, sehr schön! Bei den ersten Klängen von „Sonnenschein“ bemerke ich diverse Lächeln, die sich auf die Bühne in mein Ohr schleichen. Und mitgesungen wird auch.
Als ich den letzten Song ankündige, werden Forderungen nach mehr Songs sofort von Willys Thekenlady im Keim erstickt, denn es ist 22 Uhr und somit Schicht hier. Wohngebiet!
Also Ende, zurücklehnen und erstmal einen schönen Salat, den ich hier bei Willy die letzten Jahre immer besonders gern gegessen hab und heute tut diese Mahlzeit besonders gut. Wir erzählen noch ein wenig und spät in der Nacht mach ich mich dann noch mal auf einen kleinen Nachtspaziergang am Wasser. Schönes Ding, aber dann reicht’s auch, hab morgen früh noch einen Radio-Termin. Gute Nacht!

25.10.10 – Münster, Gleis 22 (+ I Am Kloot)

Meine Karte für dieses Konzert hatte ich mir schon vor Wochen gekauft, denn I Am Kloot sind seit Jahren eine meiner ganz großen Lieblingsbands und da fahr ich natürlich hin und seh mir das an wie schon so viele Male zuvor. Und dann kam tatsächlich die Email mit der Einladung bzw Bestätigung, hier das Vorprogramm zu spielen. Da freut sich sicher noch wer anderes über mein Ticket, denn das Konzert ist Tage vorher ausverkauft.
Am späten Nachmittag kommt Schnitzel bei mir vorbei und wir machen uns auf den Weg nach Münster. Die Strecke dorthin zieht sich so ewig lang hin, was uns genügend Zeit bietet, über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen nachzudenken und uns auszutauschen. Das hatten wir lang nicht mehr und es wurde Zeit.
Als wir im Gleis 22 ankommen, machen Kloot noch Soundcheck. Die Band spielte früher zu dritt, sind mittlerweile auf dieser Tour aber zu sechst, was auf der kleinen Gleis-Bühne sicher auch kein Problem darstellt, stünden da nicht gefühlte 10 Gitarren mit auf der Bühne. Na ja, ich brauch ja nicht viel Platz.
Schnitzel freut sich, die Atmosphäre hier schon zu so früher Zeit mit aufsaugen zu können. Die Band ist sehr freundlich zu uns und die Leute vom Gleis sowieso. Nach dem Soundcheck essen wir sehr lecker und ganz in Ruhe alle zusammen, dann dreh ich, als die Türen öffnen, mit Schnitzel draußen noch ’ne Runde und freu mich, daß ich den guten Eudel vor der Tür wiedersehe.
Während meiner 30 Minuten ist die erste Hälfte der Leute im Raum scheinbar ruhig und mit mir auf der Bühne, aber was da von hinten aus Richtung Theke an Unruhe rüberkommt, daß zieht mich Lied für Lied mehr und mehr runter. Das wiegt halt immer mehr, als die aufmerksamen Leute, die direkt vor dir stehen. Leider. Somit gehört dieses Gastspiel meinerseits sicher nicht zu den Glanzpunkten meiner Darbietungen, was Spielfreude und solche schönen Dinge angeht.
Aber danach freu ich mich einfach auf I Am Kloot. Ich steh ganz hinten wie so oft und gern und hab trotz meiner Größe auch Probleme, irgendetwas zu sehen, denn die Bühne ist grad mal einen halben Meter hoch und der Laden ein langer Schlauch. Das meint dann später auch Kloot-Sänger John zu mir: Es ist immer ein Problem, gerade für die Vorband, wenn die Leute dich nicht sehen können. Kloot spielen eine tolle Auswahl an Songs und lassen einzig das großartige „Life in a day“ vermissen.
Das Zusammensein mit der Band nach dem Konzert ist schließlich ein schöner Ausklang für diesen guten Abend und kurz vor 1 Uhr machen wir uns dann wieder auf den langgezogenen Heimweg und ich freu mich schon auf das nächste Kloot-Konzert, was hoffentlich 2011 sein wird.

15.10.10 – Bielefeld, Bunker Ulmenwall

Im Bunker hab ich mir so manches Konzert angesehen. Da waren schon viele schöne Sachen bei. Auch selbst hab ich hier des öfteren gespielt, meisstens solo. Mit Band tatsächlich nur ein einziges Mal, das war mit meiner ersten Band SportClub, da war ich noch in der Ausbildung oder Zivi. Das ist ewig her.
Als ich heute hier ankam, hab ich mich aber erstmal gewundert. Die haben den Fußboden hier rausgerissen. Warum?! Weil der immer wieder hochgekommen ist, wird mir gesagt. Statt dem „wärmeren“ Belag stehen wir nun auf ein paar Teppichlappen, die über den nackten Beton gelegt sind. Klingt bestimmt auch anders. Schade.
Etwa 1 Jahr nach dem Album-Vö-Konzert und dem gleichzeitig ersten Konzert mit dieser Band spielen wir also nun unser eigenes Konzert im Bunker. Ein Vorprogramm hab ich mir nicht eingeladen. Ich hab keine Ahnung, was an Leuten kommt und deshalb bin ich abends dann echt überrascht, wie viele Gäste wir heute haben. überhaupt sind kaum bekannte Gesichter aus Bielefeld heute Abend hier. Es scheinen wirklich viele Leute gekommen zu sein, die neu im Boot sind. Ich bin, sagen wir mal, dankbar für die Möglichkeit, so etwas hier durchziehen zu können, ein eigenes Konzert hier spielen zu können.
Da wir gar nicht gemerkt haben, wie schnell die Zeit zwischen Soundcheck und Einlass gerannt ist, wird das mit mir und dem Nudelauflauf nichts mehr vor dem Konzert. Ich bekomm auch kaum was runter. Immer wieder das gleiche Elend.
Wir haben für „Größer als du“ einen neuen Einstieg, ein neues Intro und das kommt gut. Dann gleich Richtung Pop mit „Komm an“ und weiter und immer weiter. Es gibt zwischen allen Liedern viel Applaus und tatsächlich jede Menge Huuuh!-Rufe (wie schreibt man das?). Da bin ich mal platt, aber schön ist es natürlich. Auch die neuen Songs scheinen zu gefallen. Die Leute heute Abend hier geben mir ein ziemlich gutes Gefühl, was die ganze Diva-Sache angeht. Dranbleiben! Immer weitermachen!
Wir gehen ernsthaft nie davon aus, eine Zugabe einplanen zu müssen. Und bevor ich die Jungs am Ende mal wieder fast alles allein abbauen lasse, weil ich mit viel, viel, viel Kommunikation am Verkaufsstand beschäftigt bin, spiele ich als letzte Gelegenheit nach dem regulären Set heute Abend einen ganz neuen Song, für welchen ich mir sogar noch den Text hinlegen muß, mit dem, ach, so passenden Titel: „Ich will heute Nacht noch nicht nach Haus“.

08.10.10 – Köln, Studio 672 im Stadtgarten (Im Rahmen von Lagerfeuer Deluxe)

Wer viel trinkt, muß auch viel wegbringen. Ich halte ungefähr alle halbe Stunde an der Autobahn, weil ich die ganze Zeit so viel trinke. Die letzte Raststätte lass ich ausfallen in der Annahme, daß es bis zur nächsten auch nicht weit sein wird. Denkste! Ich bin kurz vor Köln und es kommt 1.) keine weitere Möglichkeit anzuhalten und 2.) steh ich auf einmal so richtig schön fett im Stau. Auf’n Seitenstreifen kann ich nicht, ist verboten. Zu Recht. Meinen Halbe-Stunde-Interval muß ich nun in der letzten Etappe schon auf über 1 Stunde dehnen. Wahnsinn! Tut ja fast schon weh. Dann geht’s weiter. Da vorn, meine Abfahrt! Schnell! Rechts ran! Warnblinker an! Und ab in die Büsche! Manchmal verrechnet man sich einfach. Aber trinken ist wichtig.
An der Garderobe nebenan klebt schon ein Zettel für morgen. Da ist dann ein aufstrebender Hip-Hopper hier zu Gast, den mein Bruder ziemlich gut findet. Ich fotografier die Tür und schick ihm das Bild per Handy. Er ist begeistert.
Hier unten im Flur vom Backstageraum zur Bühne könnt man bestimmt auch gut ein Intro zum Live-Video drehen. Und der Konzertraum, also das Studio 672 ist gut, gefällt mir, relativ klein, mit schön angeleuchtetem Gemäuer und rot gepolsterten Sitzgelegenheiten.
Neben mir spielen heute noch Inga Lühning aus Köln mit ihrem, ich sag mal, Jazz-Trio im Rücken und Simon & Jan, 2 großartige junge Herren aus Oldenburg, die Ihren guten Humor pointenreich zu vertexten wissen.
Als ich später in irgendeinem Zusammenhang das Wort Jazz fallen lasse, nagelt mich Ingas Kontrabassist, der aussieht wie der Sänger von Rosenstolz, darauf fest und irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, daß der Typ mich verarschen will. Er sagt: nein. Ok.
Vor dem Konzert dreh ich noch ’ne Runde durch’s Gebäude. über uns ist der Stadtgarten. Großer Raum, große Bühne. Da möchte ich dann irgendwann mal mit Band spielen. Na ja, irgendwann.
Es ist bei diesem Lagerfeuer Deluxe so gedacht, daß Gastgeber Pe als Moderator durch den Abend führt (der erinnert mich da auf der Bühne irgendwie an Knacki Deuser) und dann alle 3 Künstler ganze 20 Minuten vor Publikum haben. Die Zeit ist knapp, also quatsch ich nicht so viel. Das klappt auch ganz gut und auch, daß die Leute hier für eine gewisse Prise trockenen, norddeutschen Humor durchaus offen sind. So viel Zeit muß sein. Während meiner Lieder ist es still, nur still. Und schön. Und dazwischen wird hier ordentlich gejubelt. Ich bin durchaus überrascht, aber ebenso begeistert von diesem herzlichen Empfang hier in Köln. Danke!
Wir sitzen später noch in kleiner Runde zusammen und ich freu mich, daß ich hier von Veranstalterseite bei so guten, freundlichen Typen gelandet bin. Spitze! Dann such ich draußen noch was süßes für die Fahrt, erfahre im Kiosk, daß Deutschland gegen die Türkei 3:0 gewonnen und özil getroffen hat und sehe, wie vor’m Studio mittlerweile reichlich Party-Meute eingetrudelt ist. Ich mach mich auf’n Heimweg, hab noch 200 km vor mir und bin versorgt, also mit Süßigkeiten.

07.10.10 – Unna, Lindenbrauerei

Als Buchse und ich an der Lindenbrauerei ankommen, sind Falk, Utz und Gunnar schon da. Wir mussten getrennt anreisen. Das Gute daran ist, daß die Jungs Ihren ganzen Kram schon aufgebaut haben und wir dann nichts mehr schleppen müssen. Na ja, würd ich aber sonst auch gerne machen.
Auf der Bühne ist genug Platz und auch davor, also in der relativ großen Kneipe. Bin gespannt, wie sich das hier mit Leuten füllt. Während wir soundchecken, kommt von der Theke der fragende Zwischenruf: „Wer ist denn hier die Diva?“ Originell.
Es gibt sehr leckeres Essen hier. Utz und ich warten damit aber bis nach der Show. Dann schmeckt es umso besser. Und mehr Appetit hab ich dann auch.
Das Konzert ist für uns sehr gut. Später beklagen sich ein paar Ladys, daß sie bei den ersten Songs kein Wort verstanden hätten, aber das lag leider nicht in unserer Hand. Wir spielen heute zum ersten Mal „Lauf“ und es kommt verdammt gut an. Ab und zu muß man auch mal bischen mehr auf’s Gas treten. Und im Schlußteil von „Tag für Tag“ seh ich direkt gegenüber in strahlende Gesichter von tanzenden Menschen. Das ist ein schöner Abgang.
Frank, der uns hier heute Abend betreut hat, erzählt mir dann später noch interessantes über Herrn Freverts Nationalgalerie. Mann, Mann, Mann! Rock’n’Roll!
Und wer sich über kleine Kinder amüsieren kann, die um den Platz auf dem Beifahrersitz streiten, der hätte heute Abend mal Utz und Falk sehen sollen. Wahrlich ein Vergnügen! So, alle drin? Dann ab nach Hause!

12.09.10 – Gütersloh, Theater

Hier im Theater ist heut ziemlich viel Aktion den ganzen Tag über und da es leider die ganze Zeit geregnet hat, wurden einige Aktionen von draußen nach drinnen verlegt. Das hat zur Folge, daß der Zeitplan durcheinandergewürfelt wird, die Leute hier ziemlich aufgeregt sind und wir Ewigkeiten brauchen, bis sich dann mal jemand gefunden hat, der uns den Weg weisen kann.
Mit einem großen Fahrstuhl fahren wir unser Zeug auf die Etage vom großen Saal und während auf der Bühne eine Artistengruppe ihr Können zeigt, machen wir uns hinter dem Vorhang auf der Hinterbühne schon mal breit. Was für ein riesen Apparat hier?! Wahnsinn! Ich bin ja ein Theater-Fan und wenn man dann mal die Gelegenheit hat und sich das ganze Geschehen aus einem anderen Winkel ansehen kann, dann ist das schon beeindruckend.
Wenn man dann aber hier musiziert und sich seitens des Hauses nicht an technische Absprachen gehalten wird bzw die Techniker Ihr eigenes Ding durchziehen und Ihnen unsere Argumente scheißegal sind und unser Ansprechpartner nicht aufzufinden und zu erreichen ist, dann ist das sehr ärgerlich. Heute vermisse ich in diesem Zusammenhang Marcus als Tourmanager. Der hätte hier mal aufgeräumt. Stattdessen mache ich mich dann bei den Haustechnikern und bei der Vorband unbeliebt. Geht nicht anders, aber bringt am Ende auch nichts. Bescheuert.
Da wir unser Catering aus der Mitarbeiter-Küche beziehen, ist dort auch kein Bier zu finden, denn die Leute müssen ja noch arbeiten und bevor meine Jungs dann anfangen zu heulen, organisieren wir uns aus der Lounge ganz oben unter’m Dach noch eine halbe Kiste Bier, die dann günstig für die anderen 4 direkt hinter Utz’ Schlagzeug plaziert wird.
Als wir dann unser Konzert beginnen, ist all der ärger von vorhin verflogen, denn der Sound ist gut, Platz genug vorhanden auf der riesigen Bühne und die Leute sind auch noch bzw wieder da (denn vor uns gab es fast 1 Stunde Pause). Und ich glaube, sie mögen uns. So hört’s sich jedenfalls an. Ich könnt mich echt dran gewöhnen im Theater zu spielen, ist ziemlich luxuriös. Vielleicht wär’ das mal was für die ferne Zukunft.
In der Mitte spiel ich paar Songs solo, davon auch etwas ganz neues. Die Leute nehmen’s gut an. Mit Humor kriegt man sie immer. Den übergang von „Tag für Tag“ am Ende versemmeln wir total, aber das ist das einzige, was heute nicht passt. Ansonsten geh ich mit einem guten Gefühl von der Bühne, als die Jungs den letzten Song noch allein zu Ende brettern. Und die Theater-Karriere behalt ich mal im Hinterkopf.

10.07.10 – Oelde, Kulturgut Nottbeck (+ Bernd Begemann, Bosse, Oliver Uschmann u.a.)

Der Autor Oliver Uschmann hat den ganzen Sommer über eine Ausstellung zu seinen Romanen auf dem Kulturgut Nottbeck in Oelde in dessen Rahmen er an ein paar Wochenenden bestimmte Thementage macht. Es gab u.a. einen Fußballtag und nun einen Singer/Songwritertag. Neben mir sind heute z.B. auch Axel Bosse und der von mir seit über einem Jahrzehnt überaus hochgeschätzte Bernd Begemann am Start. Und auch einige andere Kollegen lerne ich heute kennen.
Der Tag ist brütend heiß und vor der Bühne, die ein kleiner LKW-Anhänger ist, liegen die Leute auf der Wiese, auf Decken und Iso-Matten, suchen sich einen Schattenplatz oder lassen sich in der Sonne braten. Hier gibt es viel Grün, Bäume, einen Teich, jede Menge Platz und - von der Musik mal abgesehen - jede Menge Ruhe.
Während ich am späten Nachmittag spiele, läuft mir ordentlich die Suppe runter und die Zeit vergeht wieder mal viel zu schnell. Aber ein wenig seltsam ist es auch, wenn ich den Leuten hier dies und das an traurigen Geschichten vorsinge, während wir alle von der Sonne angelacht werden.
Am frühen Abend wird dann der Grill angeschmissen und da ich ja schon gespielt habe, hau ich auch ordentlich rein. Können wir das nicht morgen noch mal machen? Das gefällt mir ziemlich gut hier.
Als Bosse dann spielt, spielen auch die deutschen Fußballer um Platz 3 bei der WM. Sorry, Axel, aber Fußball geht in diesem Fall bei mir vor! Bernd Begemann ist mittlerweile auch angekommen und setzt sich mit einer gefühlten 5-fach Cola zu mir. Wir schauen uns das Spiel an und er kommt mit verwirrenden Theorien zum Leben von Joachim Löw um die Ecke. Mir fehlt die Spontanität, um da gekonnt drauf einzugehen.
Anschließend sehe ich dann mein bestimmt schon 20. Bernd-Konzert. Dieses hier fällt allerdings erheblich kürzer aus, als all die anderen in den Jahren zuvor. Macht aber nichts. Bernd wirkt da vorn auch irgendwie etwas verloren auf dem Anhänger, während wir anderen doch schon mit einigem Abstand auf unseren Bierbänken im Dunkeln sitzen.
In geselliger Runde beschließen wir dann bei dem einen oder anderen Getränk den Tag und verabschieden uns nach und nach in die Nacht. Und Axel? Der fährt jetzt noch nach Hamburg hoch! Halte durch und bleib wach!

30.05.10 – Bielefeld, Leinewebermarkt Open Air

Es ist Freitagabend und der Platz vor der Rathausbühne ordentlich gefüllt mit Leuten. Es ist laut auf der Bühne und Rock’n’Roll bahnt sich seinen Weg zwischen Autoscooter und Zuckerwattebuden. Ich steh mittendrin und hör mir Jupiter Jones an.
Vorspulen! Es ist früher Sonntagabend und der Platz vor der Rathausbühne ist… na ja, sagen wir mal, hier ist noch gut Luft. Lutz steht mit seiner Band Blindtext auf der Bühne und ich hol mir erstmal ’ne Pommes.
Wir spielen auf diesem Stadtfest heute auf der Indie-Bühne, so nenn ich die immer. Hier hab ich die letzten Jahre oder Jahrzehnte immer Ende Mai ein paar gute Bands gesehen. Mir fällt aber grad nur eine von denen ein.
Es hat den ganzen Tag immer wieder geregnet und ich befürchte, daß das wegen uns auch nicht unbedingt aufhören wird. Als wir anfangen, ist aber erstmal alles ok. Meine Oma, die aus Mecklenburg angereist ist, bekommt von mir eine Extra-Begrüßung von der Bühne und ich glaub, das gefällt ihr. Unsere Bläser sind dabei, wir sind gut drauf und trotz des miesen Wetters sind zumindest ein paar Leute hier, auch wenn der Rathausplatz in diesem Moment viel zu groß ist. Und den Zuhausegebliebenen kann man Ihre Abwesenheit heute auch nicht so richtig übel nehmen. Ich denke kurz an Freitagabend.
Irgendwann fängt’s an zu tröpfeln, dann zu regnen und dann zu schütten. Nicht aus Eimern, sondern aus… ??? …aus Silos! Schnell wuseln flinke Hände um uns rum und schieben die Monitore, die Mikros und das ganze Kabelzeug weiter nach hinten unter’s Bühnendach. Hilft aber nichts. Der Wind kommt von ganz schräg vorn. Ich bin nass von oben bis unten, die Leute flüchten unter die Bierbuden, dem mobilen China-Imbiss fliegen die Zeltwände weg, Falk hört mittendrin auf zu spielen und bangt um seine Tretminen und ich hab die Szene von „Almost famous“ im Kopf, als der Gitarrist einen Stromschlag bekommt und auf der Bühne einfach umfällt. Bevor es so weit kommt, funkt Jochen dazwischen. Er bricht die ganze Schoose hier ab und lädt uns eine halbe Stunde später zum Leinewebermarkt 2011 ein. Ok, wir kommen wieder. Gern.

16.04.10 – Enger, Kleinbahnhof, (+ Schöftland)

Super! Wir spielen mit Schöftland zusammen! Spitze! Freu ich mich total drauf! Seit die mal mit Gisbert getourt sind, schwärmte Gunnar immer von den Schweizern und ich wollte die auch unbedingt mal live sehen. Kriegen wir hin heute Abend.
Dieses Konzert ist, kann man so sagen, auf Gunnars Mist gewachsen. Er hat das hier alles klargemacht. So’n Self-Made-Ding in Enger. Am Tag vorher versuch ich ihm zu helfen wie ich kann. Utz ist auch dabei. Den ganzen Kram bei Gunnar aus’m Studio raus und in den Bahnhof rein. Hier hab ich vor 2 Jahren auch die Gisbert-Band gesehen. Und direkt nebenan war früher das alte Forum. Da haben schon Nirvana gespielt. Wie die Zeit vergeht.
Wir haben heute unsere Setlist ein wenig umgeschoben und merken, daß das gut funktioniert so. Das Konzert macht Spaß. Ich merk das immer, wenn ich selbst mal so auf der Bühne nach und nach in die Runde schau und meine Jungs angrinse.
Von den Schöftis war ich ja schon beim Soundcheck total begeistert. Klang gut. Nun beim Konzert erinnert mich das riesige und tiefe Saxophon oft an Radiohead, vieles von dem Gitarrenzeug an Kashmir. Bassist und Trommler sind wahnsinnig! Herrlich! Und Floh schreibt und singt so wunderbare Texte! Diese Band wird eine meiner Lieblingsbands werden. Ich weiß das.
Gunnar geht gegen Ende noch für einen Song mit auf die Bühne und Falk ist, wie ich sehe, erstaunlich textsicher. Wußte ich gar nicht.
Als dann alles vorbei und wieder eingepackt ist (wie passt eigentlich der Kontrabass und der ganze andere Kram in diesen winzigen Schweizer Bulli?!), sitzen wir noch in kleiner Runde bei Utz, wo wir vor Monaten einen Teil unserer Platte aufgenommen haben und wo heute die Schweizer schlafen. Am Ende merke ich wieder, und das ist ein gutes Zeichen, daß ich mich manchmal schlecht trennen kann.
Jungs, ich würd Euch gern mal wiedersehen.

10.04.10 – Münster, Metropolis (+ Johannes Oerding)

Johannes ist mir in Hamburg schon mal über den Weg gelaufen und mein Bassist Gunnar und er kennen sich auch aus Hamburger Zeiten. Also freuen wir uns alle sehr, daß wir heute hier gemeinsam spielen können.
Das Metropolis ist ein altes Kino, steigt nach hinten hin immer mehr an, was für’s Konzert sehr schön sein kann und Platz ist hier auch genug. Wir teilen uns mit Johannes’ Band fast die komplette Backline, was die Umbauzeiten gut verkürzt und die Sache organisatorisch sehr einfach macht.
Kurz vor’m Konzert hör ich mit Johannes’ Band noch Fußball im Radio, meine Jungs sind da ja nicht so interessiert. Und dann geht’s los.
Schon während der ersten 1-2 Songs merke ich, daß hier irgendwas passiert, daß hier irgendwas ziemlich gut ist und nach und nach wird es mir klar. Hier sind so viele Leute in der Menge, die meine Texte mitsingen von vorn bis hinten und das sieht gut aus und das hört sich auch gut an (wenn ich es denn hören könnte). Die Leute strahlen uns an und zwischen den Songs wirft uns die gesamte Menge eine solche Portion an Sympathie auf die Bühne, daß ich schon ein wenig überwältigt bin. Münster, ihr seid großartig! Und wir gehen glücklich von der Bühne.
Johannes und seine Jungs spielen ein recht langes Set, wir schauen uns das meisste von hinten an und wundern uns schon ein wenig, als Buchse zwischendurch aus’m Backstage kommt mit der wörtlichen Bemerkung: „Der Veranstalter meint, wir saufen zu viel!“ Also ich kenn ja meine Jungs und die können auch mal gut hinlangen, aber daß das jetzt ausufern würde, nee! Immer mal schön locker bleiben!
Nach der Show lernen wir an unserem kleinen Verkaufsstand noch jede Menge hübsche und freundliche Menschen kennen und als auch die meissten von denen nach Hause gehen, wollen Utz und ich eigentlich noch gern in’s Amp auf die Tanzfläche, aber Gunnar will unbedingt noch zur Betriebsbesichtigung in’s neue Jovel, wo wir dann vor der Tür auch tatsächlich noch Steffi Stephan treffen, seines Zeichens lebenslanger Bassist beim von uns so sehr geschätzten Udo Lindenberg. Wir nehmen mit ihm noch ein gemeinsames Getränk und streichen dann auch bald die Segel. Buchse, der hier in Münster bleibt, trifft anschließend um 4 oder 5 Uhr morgens noch die Oerding-Jungs in einer Kneipe wieder. Und ich? Ich hab auf der Heimfahrt noch mal all die schönen Menschen aus’m Metropolis vor Augen.

18.03.10 – Hamburg, Hasenschaukel

Alle 2 Monate gibt es in der Hasenschaukel einen DJ-Abend, bei dem nicht die fetten Beats und Riffs, sondern die ganz schwere bzw ruhige Schüppe rausgeholt wird. Das nennt sich dann „Die traurigste Hasenschaukel der Welt“ und Dani hat mich eingeladen, vorher ein Konzert zu spielen. Ich mag so was.
Am frühen Abend dreh ich noch ’ne Runde um die Häuser und muß durch die Kneipenfenster mit ansehen, wie Werder sich im Europapokal 2 frühe Tore einfängt. Na, das kann ja was werden. Zurück in der Hasenschaukel geb ich einer Hamburger Dame noch ein Interview für ein Internetradio und lerne gleichzeitig was über die schönen, ruhigen und versteckten Ecken im Hamburger Hafen.
Beim Konzert ist der Laden dann gut gefüllt und die Leute sind sehr aufmerksam, sehr ruhig und einige scheinen die Platte zu kennen. Zwischen den Liedern gibt es kurze Dialoge über Hamburg oder Neil Young. Das macht Spaß und die Hasenschaukel ist für solche Momente gemacht.
Ben von der Enno Bunger Band kommt auch noch vorbei und Herr Strüver von PIAS. Hat er eigentlich schon meine Platte? Mit Christoph, meinem alten Bassisten (das ist fast 10 Jahre her) sitz ich dann anschließend noch ewig draußen vor der Tür und während Dani drinnen die traurigste Musik auflegt, reden wir auf der Straße über die guten und weniger guten Seiten von Hamburg. Manchmal möchte ich hier bleiben.

28.01.10 – Bielefeld, Forum (+ Asaf Avidan & The Mojos)

Im letzten Sommer habe ich Asaf Avidan & The Mojos beim Haldern Pop Festival gesehen. Ich fand’s ziemlich gut damals und freu mich auf den Abend.
Der Einstieg ist dann aber mal wieder - wie soll man sagen? – typisch Business. Die Band ist sehr nett und Asafs Trommler bietet Utz an, über sein Set zu trommeln. Aber da gibt’s ja noch einen Tourmanager, dem das überhaupt nicht gefällt und der uns eindeutige Ansagen macht. Tja, business as usual. Heißt also, daß wir nicht all zu viel Platz auf der Bühne haben. Wir bauen uns komplett vor Asafs Set auf, also sitzt auch Utz an seinem Schlagzeug nicht hinter uns, sondern am seitlichen Bühnenrand, was mir persönlich aber sehr gut gefällt. Da kann man nicht nur hören, sondern auch immer mal sehen, was der junge Mann so treibt an seinem Arbeitsgerät.
Während ich mir 20 Minuten vor unserem Konzert nur ein halbes trockenes Brötchen reinkrümel, um überhaupt irgendwas im Magen zu haben, hauen sich die Jungs ihre Teller voll mit Nudeln, Fleisch und viel Soße. Das beruhigt mich insofern, daß meine Band scheinbar nicht so aufgeregt ist wie ich und das ist gut. Abgesehen davon ist es mal wieder auch ein eindeutiger Beweis dafür, daß hier im Forum wie immer ganz lecker gekocht wird.
Der Sound auf der Bühne ist leider beim Konzert nicht so gut wie beim Soundcheck. Frag mich nicht, warum! Ich hab Mühe, es mir nicht anmerken zu lassen. Kann meine Stimme kaum hören. Mehr geht aber scheinbar nicht. Auch die anderen erzählen nachher ähnliches, somit spielen wir eher verhalten und nicht so locker, glaube ich. Aber wir haben ein freundliches Publikum in den ersten Reihen und es sind einige bekannte Gesichter heute Abend hier. Das ist angenehm.
Nach unserem Konzert, noch bevor Asaf angefangen hat, kommt Schorsch, der heute als unser Verkäufermann mitgekommen ist, begeistert zu uns und richtet uns schöne Grüße aus Hamburg aus. „Aus Hamburg? Von wem?“ „Da war grad ein Pärchen bei mir. Die meinten, ich soll Euch alle schön grüßen, denn sie müssten jetzt wieder zurück auf die Autobahn. Sie sind extra für Euch aus Hamburg gekommen.“ Heute war mieses Schneewetter auf der Autobahn und von Hamburg nach Bielefeld und wieder zurück sind es 500 km. Vielen Dank dafür!

30.10.09 – Bielefeld, Falkendom (Album-Release-Konzert! + Chelsy + Carla Dalla Torre)

Heute Abend findet unser erstes Band-Konzert statt. Nachdem ich einige Jahre nur solo meine Songs gespielt habe, freue ich mich wahnsinnig auf diesen Abend. Und wenn das gut funktioniert, dann sollen mehr Abende folgen. Die Idee kam eher zufällig während den Aufnahmen zur Platte. Utz meinte: „Dann machen wir aber auch ein Release-Konzert!“ Ich hab Utz und Gunnar fragend angesehen, Gunnar grinste: „Klar!“ und das Ding war fix.
Für die Eröffnung des Abends haben wir uns zum einen Haldern-Zelt-Nachbarin Carla Dalla Torre eingeladen, die heute Abend, glaube ich, eines ihrer ersten Konzerte spielt und dann sind die befreundeten Chelsy aus dem Ruhrpott angereist, von denen ich sooo sehr Fan bin und mit denen ich mir bereits ein paar Mal die Abende auf der Bühne geteilt habe. Mit Trommler Marcus verbindet mich eine langjährige Freundschaft, nachdem wir uns vor fast 10 Jahren beim Konzert von Paul Weller auf dem Haldern Pop Festival über den Weg gelaufen sind.
Marcus ist es dann auch, der unser Konzert mit ein paar guten Worten einleitet. Immerhin habe ich endlich meine eigene Platte aufgenommen. Es hat lang genug gedauert. Bei Marcus’ Worten wird mir mulmig und ich puste hinter der Bühne wie ein Langstreckenläufer oder Boxer. Dann geht’s raus. Allein beginne ich leise und ganz ruhig mit „Komm an“ und während des Chorus kommen meine Jungs auf die Bühne geschlichen, dann zur zweiten Strophe setzt Buchse an den Tasten ein und dann hab ich sie hinter mir, dann rollen sie los, die Jungs, meine Band. Endlich!
Bei ein paar Songs haben wir die Bläser dabei. Kommt gut an bei den Leuten. Kann man öfters machen. Im Publikum kann ich einige bekannte Gesichter erkennen, ziemlich viele sogar. Und viele von denen sagen mir nach dem Konzert: „Das ist so anders mit Band!“ Und das ist gut so.
Es soll nicht der letzte Abend mit Band gewesen sein. Schließlich soll ja auch die Platte präsentiert werden. Und abgesehen davon hab ich Blut geleckt. Wir machen weiter.

15.10.09 – Dortmund, Subrosa

Auf's Subrosa freu ich mich, weil ich im letzten Jahr hier zusammen mit Nils Koppruch einen guten Abend hatte und ich den Laden sehr mag. Ist gemütlich hier und Marcus ist mit dabei. Er trommelt eigentlich bei den großartigen Chelsy, die hier im Ruhrpott zuhause sind. Heute spielen wir aber ein paar von meinen Songs zusammen und nach vielen Jahren solo auf der Bühne macht es mit Schlagzeug ziemlichen Spaß. Wir konnten nicht wirklich zusammen proben, aber das ist ok.
Es ist heute so vorgesehen, daß wir 2 Sets spielen: außer Konkurrenz vor und nach einer Art Offene-Bühne-Wettbewerb. Also gehen wir nach 20-25 Minuten von der Bühne, warten mehr oder weniger geduldig ganze 10 Bewerber mit je 1-2 Songs ab, bevor wir dann ein weiteres Mal ein paar von meinen Songs spielen. Das bricht uns am Ende das Genick, denn nach den 10 Bewerbern wird es uns relativ schwer gemacht, die Geräuschkulisse steigt mehr und mehr, ich fühle mich hier reichlich fehl am Platz und beschließe, so eine Aktion nicht noch einmal mitzumachen. Es kamen vorher in der „Pause“ auch Leute zu mir, die sagten, daß sie wegen mir hier wären, aber nun nicht 1 Stunde auf das zweite Set warten könnten bzw wollten. Kann ich verstehen.
Schließlich wird noch mal ordentlich reingehauen mit ’ner doppelten Portion Hawai-Toast und einer Autofahrt-Durchhalte-Cola und dann geht’s wieder ab nach Hause, Marcus in die eine und ich in die andere Richtung.

10.10.09 - Hamburg, Zum Schellfischposten "Inas Nacht" (TV-Aufzeichnung für ARD/NDR)

Es regnet die ganze Zeit und scheint auch vorerst nicht aufhören zu wollen. Ich parke mein Auto erstmal am Fischmarkt und gehe ein paar Schritte rüber zum Schellfischposten, dem Ort des heutigen Geschehens. Außer der Wirtin ist noch niemand da, aber ich werfe schon mal einen Blick in den Laden. Ist wirklich so klein, wie's im Fernsehen immer aussieht, eigentlich noch kleiner. Es passen wirklich nur 2 Tische rein. 10-12 Gäste und die Hütte ist voll. Das Hotel ist direkt nebenan. Ich checke ein, fahre mit dem Fahrstuhl in die 4.Etage und wundere mich schon etwas über die luxoriöse Unterkunft, in der ich heute schlafen darf. Auf dem Umschlag steht "Suite" und diese hat Elbblick. Verrückt!
Als am späten Nachmittag Miss Platnum und ihre Mannschaft mit dem Soundcheck fertig sind, bin ich dran. Ich freue mich Ina zu sehen. Sie erzählt mir was schönes über die Gründe meiner Einladung und mir geht das runter wie öl. Ich spiele heute "Sonnenschein" und werde dabei von Ina's Band an Klavier, Bass und Schlagzeug begleitet. Als Ina meinen Song mitsingt, ist das ein ganz besonderer Moment für mich. Ich möchte fast vom Stuhl fallen und versuche trotzdem den Moment zu genießen. Die Band ist hervorragend und es sind gute Typen. Hab ein sehr gutes Gefühl. Mein Bassist Gunnar erzählt mir ein paar Tage später noch über Ina's Jungs, daß Helge auch bei Inga Rumpf trommelt und Dirk auch bei Jan Plewka's Rio Reiser Projekt den Bass zupft.
Als Peter Maffay den Sound checkt, setze ich mich in eine Ecke der Kneipe, verfolge das Geschehen sehr interessiert und bin begeistert von so vielen Kleinigkeiten, die ich beobachte. Von Peter kommen ein paar kurze, knackige Ansagen und dann sitzt das Ding. Man kann das so oder so auslegen, ich find's zumindest interessant. Er hat Pascal Kravetz und Peter Keller mitgebracht, die ihn neben Ina's Band auf den Gitarren begleiten. Peter Keller ist auch Bielefelder und die Welt mal wieder ein Dorf.
Ein kleiner Elbspaziergang lässt die Zeit nun sehr schnell verstreichen, der Regen wurde weniger und zu Beginn der Aufzeichnung bin ich wieder unten im Café des Hotels, wo wir alle das Live-Geschehen aus der Kneipe nebenan an einem großen Bildschirm verfolgen. Die Leute, die ich hier kennen lerne, die ganze Mannschaft um Ina Müller herum ist eine sehr angenehme Truppe.
Als Maffay dann mit seiner Band spielt, verziehe ich mich mit Gitarre in den hinteren Teil des Cafés, um mich ein bischen warmzuspielen. Sehr beruhigend wirkt zu dem Zeitpunkt Ina's Gitarrist Andreas auf mich ein. Der hat so 'ne ganz ruhige Art und das ist gut. Er selbst wird nachher kurz zur Band stoßen, wenn diese zusammen mit dem Autor Frank Schätzing eine Johnny Cash Nummer spielt. Dann bekommt Maffay die beim Publikum und sicher auch bei Ina so beliebten und manches mal ziemlich indiskreten Bierdeckel-Fragen (das Publikum schreibt Fragen auf Bierdeckel und diese stellt Ina dann dem Gast) und das ist mein Zeichen. Ich werde abgeholt und rüber zur Kneipe gebracht.
Dann geht alles ganz schnell. Ina erzählt Peter Maffay, wie sie auf den Divamann gekommen ist und als sie meinen Namen ruft, darf ich endlich raus! Als Ina mir vor laufender Kamera dann ein zweites Mal erzählt, daß sie heulen mußte, als sie "Sonnenschein" und "Größer als du" gehört hat, geht mir das innerlich ganz schön an die Nieren. Zum Glück haut es mich nicht komplett um und als wir den Song spielen, fühl ich mich sehr schnell recht sicher, grinse Ina an und sehe im Augenwinkel, wie Peter Maffay mitwippt und, wenn ich mich da nicht vertue, auch mal mitsingt. Läuft doch!
Ina macht sich anschließend noch ganz hervorragend als RonDiva-Promoterin und dann bin ich auch schon raus und wieder drüben im Public-Viewing-Café und hab ein ganz gutes Gefühl von dem, was da grad passiert ist. Die Sendung dauert noch 'ne Weile. Frank Schätzing erzählt von seinem neuen Buch und Miss Platnum kommt mitsamt Ihrer Band. Danach ist noch ein wenig Feierei angesagt und überhaupt hab ich mich heute Abend hier mit den ganzen Leuten sehr wohl gefühlt. Oben im Zimmer seh ich bei geöffnetem Fenster noch mal über die stille Elbe auf den beleuchteten Hafen und denke mir, daß das doch irgendwie verrückt ist, was da grad passiert. Ich spiele einen Song von mir im Ersten Fernsehprogramm.
Danke Ina!

25.09.09 - Stuttgart, Zapata "Silent Friday"

Auf der Fahrt von Leipzig nach Stuttgart werde ich irgendwann nachdenklich und frage mich, wie lange und wie oft ich wohl so etwas wie das hier machen kann. Wie lang werden Leute auf den Konzerten sein, die sich das anhören, was du da singst? Wie lang werden dir neue Texte einfallen, die sich lohnen, aufgeschrieben und vorgetragen zu werden? Wie lang, wie lang, wie lang...? All dieser Scheiß!
Mann! Schluß mit der Grübelei! Ich denk an gestern und hau erst mal die Stones in die Anlage. Jiving Sister Fanny! Auf der Babylon-Tour bin ich mal bis nach Stuttgart gefahren um die Stones zu sehen. Andrew kam mit, wir haben uns abends noch Anger77 in Bielefeld angesehen und sind dann nachts durchgefahren und Ralf und Claudia kamen auch über Nacht aus Berlin angereist. Zusammen mit vielen anderen saßen wir dann ab morgens 9 Uhr vor den Einlasstoren und abends waren wir dann ganz, ganz vorn! 2 Meter vom ollen Keith weg! So was hab ich damals als Azubi und Zivi ganze 7x innerhalb eines Jahres gemacht. 10 Jahre ist das her. In einem Jahr 7x die Stones! Das würde mir heute nicht mehr passieren.
Es ist Freitagsfeierabendverkehr, als ich in Stuttgart ankomme. Im Zapata, einer Disko, die auf einem Werksgelände liegt und auf mich einen ganz guten, rustikalen Eindruck macht, wird erst noch aufgebaut und ich hab noch 2-3 Std. Zeit bis zum Soundcheck. Ich nutze diese und hau mich unweit vom Spielort mit meinem Buch über Eric Clapton auf eine Bank im Park und laß mich von der Sonne wärmen. 10 Meter weiter macht ein Junge Fotos von seiner Freundin, die sich dafür in alle erdenklich ungünstigen Posen wirft. Ich kann mir so was nicht ansehen und denke dann immer: "Mädchen, tu dir das doch nicht an! Wenn du sehen könntest, wie das aussieht." Modeln ist auch nicht für jeden was. Als mir kalt wird, mach ich mich auf den Rückweg.
Im Zapata ist mittlerweile etwas mehr los. Der Abend läuft unter dem Namen "Silent Friday", findet 1x im Monat in Stuttgart an wechselnden Orten statt, hat scheinbar eine treue Anhängerschaft und ist, wie der Name schon sagt, ziemlich still. Neben Musik gibt es heute Abend einen Kurzfilm zu sehen und sogar einen Feuer-Jongleur. Die Leute können es sich im Zuschauerraum auf riesigen Kissen bequem machen und sich an der Theke an Bananen und Weintrauben bedienen oder von der Ingwer-Suppe kosten, die ich mir natürlich auch nicht entgehen lasse. Ingwer, was war da noch für ein Wirkstoff drin?
Und Reiner, auf dessen Mist das ganze hier wächst, ist ein guter Typ und kommt nachher auf der Bühne bei seinen Ankündigungen der einzelnen Künstler mit seiner liebenswerten Art so gut rüber, daß es eine Freude ist. Auch den guten Neal Hoffmann von Amphibic und Joachim von Daantje & The Golden Handwerk lerne ich heute Abend kennen. Die will ich gern mal wiedersehen.
Mein Konzert spiele ich sicher und mit einem großen Lächeln in mir, denn die Leute sitzen und liegen vor mir auf ihren dicken Kissen und sind so still, wie ich es dieser Tage schon mehrmals erleben durfte. Das tut so gut!
Als ich dann mit einem Teller Ingwer-Suppe an der Theke stehe, kommt ein Mädchen zu mir, welches mir erzählt, wie schüchtern die Stuttgarter doch sind. Aha! Fällt mir grad gar nicht auf. Sie erzählt mir später dann noch von Ihrer Band, deren Namen ich leider vergessen habe und mir somit nie im Netz anhören konnte. Eigentlich schade. In einer kurzen und sehr treffenden Sms meines Freundes Andrew bezieht sich dieser spät nachts dann noch mal auf die Stones und ich muß lachen. Da schließt sich der Kreis.
Weil ich morgen um 13 Uhr so gern den FC St. Pauli spielen sehen will, hab ich nach den knapp 500 km von Leipzig hier her nun weitere knapp 500 km direkt vor mir. Deswegen wollte ich eigentlich schon recht früh wieder fahren, komme aber doch erst um 2 Uhr hier weg, weil es mir so sehr gefällt. Der ganze Abend war ein sehr schöner Abschluß meiner kleinen Tour.
Nachts komme ich dann nur bis zur Hälfte der rund 500 km, lege mich im Auto schlafen, bis ich wach werde vor Kälte und bin dann schließlich um 11 oder 12 Uhr zuhause, packe das Auto aus, gehe direkt rüber zum Stadion und bekomme von einem netten Typen in braunem Trikot zum ganz normalen Preis noch eine Karte für den St.Pauli-Block! Da sitze ich dann im Stadion und freu mich jetzt schon auf die nächste Tour.

23.09.09 - Leipzig, Noch Besser Leben

Als ich am späten Nachmittag in Leipzig ankomme, sind vom NBL noch alle Türen zu und niemand in Sicht. Ich dreh noch 'ne Runde und seh mir ab 19 Uhr in einer Kneipe in der Nähe den zweiten Tag vom DFB-Pokal an. Werder empfängt St. Pauli. In der Halbzeit geh ich rüber zum Soundcheck.
Melde mich mich unten am Tresen in der Kneipe: "Hallo, Ronny ist mein Name. Ich soll hier heute spielen." Die Dame hinter der Theke: "Ja. Dann mach das doch." Pause. Kommt sie aus Berlin? Ich erfahre dann doch noch, daß ich eine Treppe höher muß, wo das Konzert in einem großen "Wohnzimmer" stattfindet. Super, ich glaub, das wird mir gefallen hier. Da ich mir aber mit dem Soundcheck Zeit lasse, verpasse ich die zweite Halbzeit vom Fußball. Ist aber nicht so schlimm.
Für die Zeit bis zum Konzert setze ich mich unten in die Kneipe und auf einmal ruft da jemand laut durch den ganzen Laden meinen Namen. überraschung! Anna ist da! Mit ihr hab ich mal in Bielefeld gearbeitet. Sie wohnt jetzt in Leipzig und hat zufällig ein Plakat gesehen. Wir haben uns natürlich einiges zu erzählen. Von ihr erfahre ich später auch mehr über den Leipziger Wächterhausverein. Muß ich noch mal googlen.
Das Konzert gefällt mir selbst dann ganz gut. Am Ende sitzen einige Leute mehr oben als am Anfang und diese Leute scheinen ganz interessiert und sind still. Total still. Nur zweimal gerät der ganze Laden in ein lautes Gelächter, als ein hier anscheinend bekannter Hund zwischen den Stühlen umherschleicht und es sich schliesslich zwischen uns gemütlich macht. Der Haken ist, daß der Hund riecht. Eigentlich riecht er auch gar nicht, sondern er stinkt und das laut der Besitzerin nicht erst seit heute. Ich komme später noch mit mehreren Leuten in's Gespräch und lasse den Abend dann unten in der Kneipe in Ruhe ausklingen, wo ich mich auch erstmal über die Fussballergebnisse informieren muß. Die Leute hier vom NBL, mit denen ich zu tun hatte, gehören übrigens in die Top5, daß das klar ist!
Als ich am nächsten Morgen aus meinem Zimmer, welches im gleichen Haus liegt, auf den Flur gehe, tönt von unten aus der Kneipe Jagger's Stimme zu "Memo from Turner". Mann, wie lang hab ich mir das nicht mehr angemacht?! Spitzen Song! Ich hab heute frei, also seh ich mir Leipzig ein wenig an. Am Ende stelle ich fest, daß ich 7 oder 8 Stunden nonstop auf den Beinen war. Manchmal merkt man's gar nicht. Wollte mir eigentlich heute Abend politisches Kabarett ansehen, aber nun bin ich platt. Abends esse ich noch mal was im NBL mit seinen großen Schaufenstern, wo dann auch noch mal die Stones laufen: "Jiving Sister Fanny"! Starke Sache! Ich fühl mich wohl hier und schlafe in dem Zimmer über'm Laden übrigens hervorragend. Schön war's.

22.09.09 - Berlin, Intersoup

Als ich am Nachmittag in Berlin ankomme, hab ich noch 2-3 Stunden Zeit, bevor überhaupt jemand am Laden ist. Also versuch ich, platt wie ich bin, im Auto noch etwas zu schlafen, was aufgrund von Autos auf Kopfsteinpflaster, Baustellenlärm und schreienden und heulenden Kindern überhaupt nicht hinhaut. Somit laufe ich schließlich noch ein wenig durch die Gegend. Das Intersoup liegt in Prenzlberg, was scheinbar die Entbindungsstation von Berlin ist. Ich laufe durch die Straßen und sehe nur junge Frauen mit ihren kleinen Kindern. Ist das der Club der schönen Mütter, von denen die Fehlfarben singen? Die können heute Abend ruhig alle mal vorbeikommen!
Auf der Infotafel am Intersoup, die den Kunden handgeschrieben über die aktuelle Abendveranstaltung informiert, steht noch die Lesung vom Vorabend. Das wird sich auch bis nach meinem Konzert nicht ändern.
Nachdem man mir im Keller des Ladens, wo sich der eigentlich ganz gemütliche Konzertraum befindet, Licht gemacht hat und etwas Zeit vergangen ist, frage ich oben an der Theke nach jemandem, der für die Technik verantwortlich ist, da ich nicht einfach so an dem fremden Equipment rumfingern will. "Da kommt keiner. Das machen die Bands immer selbst." Somit stelle ich fest, daß der Begriff "Mischer" in der Booking-Email anscheinend nicht für eine Person mit guten Ohren, sondern für das kleine Mischpult in der Ecke steht. Ok. Ich stell mir mein Zeug ein. Viel braucht es nicht, mache alles sehr leise, denn der Raum ist nicht größer als ein halbes Klassenzimmer.
Schräg gegenüber läuft in einem Café die Konferenz zum DFB-Pokal. Ich setze mich dazu, bestell mir was zu essen und freu mich, als zuerst Rolli und dann auch Tim um die Ecke kommen. Mit beiden hab ich vor über 10 Jahren mit Vorliebe Neil Young durch den Proberaum gejagt, bevor wir mit unseren eigenen Songs dann als SportClub u.a. beim "Woodstock in Bad Salzuflen" (O-Ton Ortrud Wunsch) die Verstärker auf 10 gedreht haben. 4-5 Stunden später sehe ich in der Wohnung von Tim, bei dem ich heute übernachte, dann sogar unser altes Tape "Rote Karte - Gelbsucht", ein Name, den unser alter Trommler Tittel zu verantworten hat.
Als im Fußball zwar noch nicht alle, aber einige Entscheidungen gefallen sind, gehen wir rüber in's Intersoup. Der Keller ist leer, aber es ist spät genug und Flomann ist auch da und der Tenstaag-Boy auch. Ich freu mich!
Als ich der Thekendame sage: "Ich fang dann mal an.", was übersetzt so viel heißen sollte wie "Kriegen die Leute das hier oben eigentlich mit, wenn unten ein Konzert anfängt?" sagt diese mir: "Du kannst Dich auch beim DJ grad noch selbst ansagen." Ich hoffe, daß ich mich verhört habe und gehe schweigend die Treppe runter. Tim versteht das alles nicht und will noch mal oben an der Theke Bescheid sagen. Er kam kopfschüttelnd wieder. Die Thekenfrau sagte ihm, daß sie keine Zeit hätte, er solle direkt zum DJ gehen und der DJ sagte ihm, daß er keine Zeit hätte. Dit is' Berlin, wa?
Ich fang an zu spielen, es kommen ein paar wenige Leute dazu, nach 2-3 Songs auch Julius, der wohl beste Praktikant, den das Bielefelder Kamp je hatte. (Mit Julius schreibe ich mir bevorzugt Sms, in denen wir mit Freude unserer uneingeschränkten Sympathie für den SV Werder Bremen Ausdruck verleihen.) Es macht mir Spaß meine Lieder zu spielen, ist ja fast wie bei einem meiner Freunde im Wohnzimmer.
Kurz vor Schluß kommt noch ein Päärchen rein, welches meine Aufmerksamkeit bis zum Ende immer wieder auf sich zieht, denn die Lady sieht entweder traurig oder ziemlich fertig aus, da bin ich mir nicht sicher, und dem Typen fallen ziemlich schnell die Augen zu und an den ganz leisen Stellen meine ich ihn schlafen bzw. schnarchen zu hören. Ob er vielleicht nicht wollte, aber nicht anders konnte, weil nur sie den Wohnungsschlüssel hat?
Als ich mit meiner Privatvorstellung fertig bin, will ich mir noch was zu trinken holen und man bzw. Frau Thekenkraft stellt meine Getränkemarkensituation in Frage und mir wird die Sache fast schon zu blöd.
Mit den Fantastischen 5 stehe ich dann noch lange draußen vor dem Laden und freue mich, daß sie mich alle besucht haben. Wir lachen über dies und jenes und hoffen, daß ich morgen in Leipzig bei kompetenteren Leuten spiele. Etwas später fällt mir dann noch mal die Booking-Mail vom Intersoup ein und damit ich mir auch sicher bin, lese ich es noch einmal genau nach: "Wir bieten: fürsorgliches, spaßiges und liebreizendes Barpersonal." Da war ich heute wohl in einem anderen Laden! Schade, ich hatte mich eigentlich drauf gefreut.

19.09.09 - Schwerin, Café Kunterbunt

Da ich recht früh in Schwerin ankomme, hab ich noch genügend Zeit, um mal runter an den See und zum Schloß zu gehen. Hier bin ich vor Jahren immer wieder vorbeigefahren, als ich meine alte Heimat Güstrow besucht habe. Da aber gerade heute an einem Samstag wegen der BuGa ein ziemlicher Auflauf herrscht und ich sowieso ziemlich platt bin, geh ich lieber noch mal auf's Zimmer, welches direkt nebenan des Café Kunterbunt ist und stelle mir zum Glück den Wecker, denn ich schlafe (für mich untypisch) auf der Stelle ein.
Als ich zum Soundcheck komme, packt mich tatsächlich Angst, was den späteren Abend angeht, denn die Leute sind hier zwar von der guten Sorte, aber bzgl der Technik vor Ort gibt es hier ein paar große Fragezeichen. Der Freund der Veranstalterin meint auf meine Bedenken hin aber nur "Das kriegen wir schon hin. Nur die Ruhe." Um es kurz und knapp zu erklären: es waren falsche Kabel bzw Anschlüsse vorhanden, mit denen ich nichts zu tun hatte. Der junge Mann schnitt Kabel auseinander, flickte diese mit anderen wieder zusammen und bastelte am Ende tatsächlich alles so, daß wir Stimme und Gitarre über das hier vorhandene DJ-Pult und dann eben über die Anlage hören konnten. Auf mein verwundertes Nachfragen antwortete mir die Veranstalterin nur, daß alle anderen Bands immer ihre eigenen Anlagen mitbringen. Aber ich will mich gar nicht ärgern, sondern freue mich sehr über die großartige Hilfe des jungen Mannes mit den flinken Bastelfingern, mit dem zusammen dann der Soundcheck auch gut läuft.
Einlass ist um Acht, Beginn um Neun, also geh ich noch mal runter zum nun sehr schön beleuchteten Schweriner Schloß, bin kurz nach Neun wieder am Laden und schaute wahrscheinlich zuerst wie ein Auto, bevor ich seltsamer Weise immer mehr anfangen musste zu grinsen: Ich war mein erster Gast! Die Veranstalterin entschuldigte sich tausend Mal, verstand die ganze Sache gar nicht und sagte immer wieder, daß es die Woche doch 2x in der Zeitung stand und wie sehr es ihr leid tue.
Wir verschieben den Beginn auf 22 Uhr. Ich sehe noch, wie sie ca 100 Einladungs-Sms in Ihr Handy tippt und gehe wieder runter an's Wasser, schreib nun selbst Trost suchend verzweifelte Sms an Freunde und Familie, bin kurz nach 22 Uhr wieder vor Ort und sehe mich höchstens einer Hand voll Leuten gegenüber. Während ich die ersten Lieder spiele, werden es langsam doppelt so viele, von denen ich aber nicht so genau weiß, ob die meissten von ihnen sich wirklich dafür interessieren, was da auf der Bühne gespielt und gesungen wird. Das alles wäre ok, wenn der Laden auch dem entsprechend klein wäre, aber er ist ziemlich groß und ich komme mir irgendwie ziemlich verloren vor. Fühlt sich seltsam an.
Nach dem Konzert vergrabe ich mich in meinem alten Rolling Stone, um endlich die 16 Seiten über Bob Dylan zu Ende zu lesen, unterhalte mich lange mit einem ebenfalls ehemaligen Güstrower und mache mich schliesslich gegen 2 oder 3 Uhr noch auf den Weg "Zum Freischütz", einer Kneipe, die man mir vorher empfohlen hat, die mir dann auch gut gefällt und wo ich ein schließlich doch recht einsames Gute-Nacht-Malz trinke.
Am nächsten Tag verabschiede ich mich von dem freundlichen Hostel-Chefcoach, komme meiner alten Heimat immer näher und höre während der Fahrt zuerst die letzte Scheibe von Niels Frevert, könnte an manchen Stellen heulen und drehe dann vor Güstrow noch eine Ehrenrunde, damit ich auch die St.Amour von Tom Liwa noch bis zum Ende hören kann. Hab beide Platten länger nicht angemacht, sind aber beide so wunderbar.

18.09.09 - Kiel, Prinz Willy

Recht spät mach ich mich von Hamburg auf den Weg zum Prinzen von Kiel. Es ist Freitag, später Nachmittag und in Hamburg herrscht Feierabendverkehr. Als ich bei Willy ankomme, ist aber alles ganz entspannt, ich baue auf, spiele ein bischen was an und koste dann erstmal von dem leckeren Kuchen, den es hier gibt.
Auf diesen Abend hab ich mich im Vorfeld schon richtig gefreut, denn die 2 Male, die ich schon hier war, blieben mir als sehr angenehm in Erinnerung. Und heute? Das hier wird der beste Kiel-Abend von allen! Die Leute sind mucksmäuschenstill, wir haben einen guten Draht zueinander, finde ich, und ich fühl mich auch ganz gut mit der Gitarre.
Nach am Ende zwei nicht geplanten Zugaben erfahre ich noch was über das Bob Dylan Konzert in Hannover, zu dem ich im März eigentlich auch gehen wollte und dann nicht konnte, erkenne Gesichter vom letzten Mal wieder, genieße draußen in der recht warmen Nacht meinen großartigen Salat und gehe schliesslich zu ganz später Stunde noch mal runter an's Wasser.
Am nächsten Morgen gibt's leckeres Frühstück mit Willy, ich drehe mit meinem kaputten Rücken noch mal 'ne Runde am Wasser, dieses Mal bei schönstem Sonnenschein und mach mich dann guter Dinge auf den Weg nach Mecklenburg.

17.09.09 - Hamburg, Freundlich & Kompetent

Vor dem Konzert seh ich mir bei meiner Schwester die erste Halbzeit vom HSV in Wien an: furchtbar! Bevor ich einschlafe, fahre ich rüber in's F&K, wo das Spiel auch gezeigt wird, die zweite Halbzeit noch läuft und ich mir etwas Sorgen mache, wie gleich das Konzert laufen wird, wenn die mit einer Niederlage gebeutelten HSV-Fans noch an der Theke die Auswärtsniederlage diskutieren, während ich Ihnen mein Seelenleid darbieten will.
Meine Sorgen waren berechtigt, denn während des ganzen Konzertes tun ein paar Leute an der Theke alles, um auch auf jeden Fall lauter zu sein, als ich es auf der Bühne sein kann und will. In ein paar Tagen werde ich rückblickend feststellen, daß das hier mein schlechtestes Konzert der Tour war.
Gefreut habe ich mich aber trotzdem über den Besuch meiner Schwester, von Jens, vom Zero-Man und ganz besonders von Christoph.
Auf dem Weg zurück zu meiner Schwester denke ich dann noch einmal an die HSV-Fans und singe leise vor mich hin: "...und das Größte und das Schönste auf der Welt ist der SV Werder Breeemen!"

16.09.09 - Bremen, Couchclub Urlaub

Das erste Konzert nach einigen Monaten ist ja immer so eine Sache, aber heute trotzdem kein Grund, sich Sorgen zu machen. Bin guter Dinge und freu mich auf meine kleine Tour.
Sebastian vom Urlaub Club kenne ich noch von meinem letzten Gastspiel hier zusammen mit den Jungs von Chelsy. Nachdem wir mir eine kleine Ecke in dem schlauchförmigen, nicht all zu großen Laden zurechtgeräumt haben, gehen wir auf die andere Straßenseite, essen dort was und sehen uns Stuttgart's Einstieg in die Champions League an: Lohnt nicht, da dreh ich lieber noch 'ne Runde durch's Viertel.
Als ich wieder am Laden bin, sind alle Plätze besetzt und ich spiele nach Monaten mal wieder meine Lieder. Die Leute hören zu, sind freundlich, ab und zu hör ich hinter mir den Kickertisch, was aber heute nicht weiter stört und wir schmunzeln gemeinsam über die seltsamen Geräusche, die Sebastian's Mini-Verstärker mir ein paar mal in den Weg wirft.
Sebastian ist es auch, der mir nach dem Konzert meine vierte, fünfte oder sechste Bestellung von alkoholfreien Getränken mit den Worten "Du gibst es dir aber heute richtig, was?!" überreicht. Wie man's nimmt. Zumindest lande ich erst 4:30h in der Kiste, nachdem ich vorher noch dies und das über Hebammen und die Kelly Family erfahre und feststelle, daß die Welt doch ein Dorf ist.
Am nächsten Tag nehm ich mir noch etwas Zeit für die Bremer Innenstadt und selbstverständlich geht's auch noch mal in den Werder-Fanshop am Weserstadion. Ich hoffe, daß ich zusammen mit meinem Bruder bald mal wieder hier bin!

02.05.09 - Essen, Grend - Support für Gisbert zu Knyphausen

Auf dem Weg nach Essen höre ich im Autoradio wieder die Fußball-Bundesliga. So langsam geht es in die entscheidende Phase. Am Grend, einer alten Schule, angekommen, fällt mir sofort ein Plakat von Herrn Distelmeyer in's Auge. Der Mann ist also auch wieder am Start, sehr gut!
Der Veranstalter Markus ist ein sehr netter Typ und auch Carsten, dessen Namen ich bisher immer nur unter Konzertberichten gelesen habe, lerne ich nun kennen. Soundcheck klappt gut, ist ja auch nicht viel dran. Bis zum sehr, sehr leckerem Essen seh ich mit Gisbert noch die Sportschau. Freu mich sehr, daß wir uns wiedersehen. Marcus von Chelsy kommt auch schon vorbei und extra für ihn geht's heut im Ruhrpott mit Chelsy-Shirt auf die Bühne.
Keine Ahnung, was da später beim Konzert passierte, aber bei "Freigetränk" finde ich zunächst nicht den richtigen Akkord. Manchmal ist es seltsam. Widerum wunderbar ist allerdings, daß während des Konzertes die Leute tatsächlich mal wieder komplett still sind und wirklich zuhören. Die Email-Liste wird nach dem Konzert auch immer voller. Schönes Ding! Das gute Gisbert-Publikum eben. Während Gisbert dann später sein Konzert spielt, stelle ich mich hinten in den Raum und wundere mich, wieviel Platz dort noch ist, obwohl das Konzert ausverkauft ist. Wenn ich jetzt nichts durcheinander bringe, sehr ich Gisbert heute zum ersten Mal solo, nachdem ich ihn mit Band nun schon 9 oder 10x gesehen hab.
Als die Musik verklungen und der Saal geräumt ist, geht's mit Marcus relativ schnell in die Heldenbar im Grillo-Theater, um dort auf'n Malz in der Disco mal nach dem Rechten zu sehen, bevor wir bei ihm zuhaus dann noch mal schauen, ob der Plattenspieler auch morgens um 2 Uhr noch funktioniert und ich mir Geschichten über's Holzhacken in Essen anhöre.